Das Kommando der Zeitenwende

Ein Jahr Territoriales Führungskommando der Bundeswehr

Ein Jahr Territoriales Führungskommando der Bundeswehr

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

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Das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr wurde heute vor einem Jahr neu aufgestellt. Es ist Ausdruck der veränderten Sicherheitslage in Europa und zugleich sichtbares Zeichen der Zeitenwende. Alle Einsätze der Streitkräfte mit Bezug zu territorialen Aufgaben der Bundeswehr im Inland fallen in seine Zuständigkeit.

Soldaten und Militärmusiker stehen auf einem großen Platz

Aufstellungsappell: Ende September 2022 wurde das Kommando in Berlin aufgestellt

Bundeswehr / Anne Weinrich

Das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr in Berlin wird heute ein Jahr alt. Es verantwortet alle Aufgaben der Bundeswehr im Inland – vom Heimatschutz über die Amts- und Katastrophenhilfe bis hin zur nationalen territorialen Verteidigung, von der Aufmarschführung nationaler Streitkräfte bis hin zur Unterstützung alliierter Truppen bei ihren Verlegungen durch das NATO-Bündnisgebiet in Europa. Es leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge in Frieden, Krise und Krieg.

Zudem koordiniert das Kommando Waffen-, Munitions- und Materiallieferungen an die Ukraine sowie die Aufnahme ukrainischer Soldatinnen und Soldaten für die Ausbildung in Deutschland bei der europäischen Ausbildungsmission EUMAM UAEuropean Union Military Assistance Mission Ukraine. Bei Bedarf stellt das Territoriale Führungskommando auch den Nukleus eines Nationalen Krisenstabes der Bundesregierung – wie zuletzt noch in der Vorgängerstruktur zur Bewältigung der Corona-Pandemie.

„Deutschland schützen in Frieden, Krise und Krieg“

„Unser Auftrag ist der Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger, unserer Freiheit und Demokratie in Frieden, Krise und Krieg“, sagt Generalleutnant André Bodemann, Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr und Nationaler Territorialer Befehlshaber. Ein Schwerpunkt der Verteidigungsplanung liegt dabei auf hybriden Bedrohungsszenarien. Diese reichen von der Destabilisierung durch Fake News über Hackerangriffe auf staatliche Institutionen oder kritische Infrastruktur bis zu Spionage und Sabotage. 

„Hybride Bedrohungen zeigen uns, dass innere und äußere Sicherheit nicht mehr klar trennbar sind. Sie erfordern mehr als schlagkräftige Streitkräfte. Ihnen kann nur mit gesamtgesellschaftlicher Resilienz wirksam und nachhaltig begegnet werden – Resilienz, die wir als Gesellschaft wieder neu lernen müssen“, so Bodemann. 

Das Territoriale Führungskommando übernimmt dabei eine Schlüssel- und Schnittstellenfunktion in der ressort- und länderübergreifenden Krisenvorsorge. Auch der Schutz und die Sicherung verteidigungswichtiger Infrastruktur gehören dazu. Dies erfordert unter anderem die Stärkung der Reserve für eine durchhaltefähige nationale Verteidigung in allen Bedrohungsszenarien.

Ein amerikanischer Soldat steht vor einem Kran, der Kettenfahrzeuge entlädt.

Drehscheibe Deutschland: Das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr koordiniert den Transit der Streitkräfte befreundeter Nationen durch Deutschland (Symbolbild)

Bundeswehr/Bier
Ein Soldat eine steht bei Nacht vor einem Flugzeug. Er trägt eine Waffe.

Heimatschützer in Aktion: Der Schutz kritischer Infrastruktur, hier ein Flughafen während der multinationalen Übung Air Defender, gehört zu den Kernaufgaben der Heimatschutzkräfte der Bundeswehr.

Bundeswehr/Kevin Schrief

Alliierten Aufmarsch sicherstellen

Doch die nationalen Aufgaben des Territorialen Führungskommandos haben auch eine multinationale Dimension. Durch seine geographische Lage in der Mitte Europas ist Deutschland Transitland, Aufmarschgebiet und damit die Drehscheibe für Truppenverlegungen verbündeter Streitkräfte an die NATO-Ostflanke. 

Das Kommando koordiniert dabei den Host Nation Support, also die Unterstützung alliierter Streitkräfte bei ihrem Aufenthalt in und Transport durch Deutschland. Hier greifen Landes- und Bündnisverteidigung ineinander. Bodemann ordnet ein: „Den Aufmarsch der alliierten Kräfte für eine glaubhafte Abschreckung und wirksame Verteidigung Deutschlands und seiner Bündnispartner sicherzustellen – das gehört zu den wesentlichen Beiträgen Deutschlands und der Bundeswehr in der NATO-Verteidigungsplanung.“ 

Brandbekämpfung, Fluthilfe und mehr

Eine Daueraufgabe des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr bleibt zudem die Führung und Koordination von Einsätzen der Streitkräfte im Innern nach Artikel 35 des Grundgesetzes. Diese Amts- und Katastrophenhilfe reicht von Löscheinsätzen bei Wald- und Vegetationsbränden über die Unterstützung mit Personal und Material bei Flut- oder Schneekatastrophen bis hin zur zivil-militärischen Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen bei Katastrophenfällen. 

Die dem Territorialen Führungskommando der Bundeswehr unterstellten 16 Landeskommandos fungieren dabei als Bindeglied der Streitkräfte zu den Landes- und Kommunalbehörden. Sie sorgen für kurze Wege, wenn schnell Unterstützung benötigt wird – so wie zuletzt im Sommer 2023 bei der Bekämpfung der Wald- und Moorbrände in Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern.

Befehlshaber Bodemann sagt: „Die Amtshilfe ist unsere in der Öffentlichkeit sichtbarste Aufgabe. Sie ist aber nicht unser Kernauftrag. Das ist die nationale territoriale Verteidigung. Doch es gilt: Wenn wir gebraucht werden, sind wir zur Stelle – für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger.“

  • Aufstellungsappell Territoriales Führungskommando der Bundeswehr

    Zum 1. Oktober 2022 wurde das Territoriale Führungskommando neu aufgestellt, damals unter der Führung von General Carsten Breuer, der inzwischen zum 17. Generalinspekteur der Bundeswehr berufen wurde.

    Bundeswehr/Tom Twardy
  • Militärfahrzeuge stehen aufgereiht zur Abfahrt bereit.

    Zur Rückversicherung der östlichen NATO-Bündnispartner wurden im Januar 2023 mehrere Flugabwehrraketensysteme PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target nach Polen verlegt. Das TerrFüKdoBw fungiert bei Bündnisverpflichtungen und multinationalen Übungen als aufmarschführendes Kommando.

    Bundeswehr / Jane Schmidt
  • Der Bundeskanzler steht vor einer großen Gruppe von Soldatinnen und Soldaten

    Kommando der Zeitenwende: Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte im Februar 2023 die Soldatinnen und Soldaten des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr in Berlin.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Der englische König Charles III. verlässt ein Flugzeug in Berlin. Soldaten stehen Spalier.

    Der britische König Charles III. besuchte im März 2023 Deutschland. Das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung, das dem Territorialen Führungskommando unterstellt ist, leistete protokollarischen Ehrendienst.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Zwei Generäle und der Verteidigungsminister stehen zusammen

    Am 15. Mai 2023 übergab Verteidigungsminister Boris Pistorius offiziell die Führung des Territorialen Führungskommandos von General Carsten Breuer an Generalmajor André Bodemann, der kurz darauf zum Generalleutnant befördert wurde.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Ein Panzer fährt von einer Fähre

    Die Unterstützung der Streitkräfte befreundeter Nationen bei ihrem Transit durch Deutschland ist Teil der Bündnisverpflichtungen in der NATO. Das Territoriale Führungskommando koordiniert diesen Host Nation Support (Symbolfoto)

    Bundeswehr/Anne Weinrich
  • Brandbekämpfung im Moor von Göldenitz

    Beim Moorbrand in Göldenitz bei Rostock im Juni 2023 unterstützte ein Hubschrauber CH-53 die Löscharbeiten. Amtshilfeeinsätze der Bundeswehr werden über die Landeskommandos koordiniert, die dem Territorialen Führungskommando unterstellt sind.

    Bundeswehr / Sarah Aust
  • Soldaten sichern auf einem Übungsplatz eine Militärfahrzeugkolonne

    Reservedienstleistende in den Heimatschutzregimentern werden speziell für Wach- und Sicherungsaufgaben ausgebildet. Bei der Übung Standhafter Bär 23 trainieren die Heimatschutzkräfte den Schutz eines Militärkonvois.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Soldaten und ein Bürgermeister unterhalten sich vor einer Karte, die auf einer Motorhaube liegt

    Zivil-militärische Zusammenarbeit: Bei Joint Cooperation, der größten CIMICCivil Military Co-Operation-Übung der NATO, üben Streitkräfte und zivile Akteure wie Bürgermeister, Unternehmen mit kritischer Infrastruktur und Blaulichtorganisationen die Zusammenarbeit in Krisenlagen

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Ein Soldat überwacht eine Wiese. Er steht hinter einer Barrikade und hält eine Waffe

    Der Ausbau der Territorialen Reserve ist unentbehrlich für eine durchhaltefähige Landesverteidigung. Unter der Führung des Territorialen Führungskommandos wurden bisher drei Heimatschutzregimenter aufgestellt, drei weitere sind geplant (Symbolfoto).

    Bundeswehr
von Simona Boyer

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