Der „Kampf der Kulturen“ als globaler Wahrnehmungskonflikt

Der „Kampf der Kulturen“ als globaler Wahrnehmungskonflikt

  • Veröffentlichung
  • 2020
Datum:
Lesedauer:
2 MIN

Neue sozialwissenschaftliche Studie erschienen: Der „Kampf der Kulturen“ als globaler Wahrnehmungskonflikt

Timo A. Graf eröffnet in The Clash of Perceptions: Testing the ‘Clash of Civilizations’ with Global Survey Data” eine neue Perspektive auf Samuel P. Huntingtons „Kampf der Kulturen“.

Buchcover The Clash of Perceptions

Timo Alexander Graf, The Clash of Perceptions: Testing the „Clash of Civilizations“ with Global Survey Data

Berliner Wissenschafts-Verlag 2020

Der von Timo Alexander Graf verfasste Band eröffnet eine neue Perspektive auf eines der einflussreichsten und gleichzeitig umstrittensten Paradigmen der internationalen Beziehungen: Samuel P. Huntingtons „Kampf der Kulturen“. Huntington argumentierte, dass Allianzen und Konflikte in der Zeit nach dem Kalten Krieg maßgeblich durch die kulturelle Identität der jeweiligen Akteure bestimmt sein würden. Die bisherige Forschung hat sich bei der empirischen Überprüfung dieser Hypothese auf die Untersuchung gewaltsamer zwischenstaatlicher Konflikte beschränkt. In Abgrenzung zu dieser sehr engen Betrachtungsweise und geleitet von der Annahme, dass die öffentliche Meinung die internationalen Beziehungen im globalisierten Informationszeitalter entscheidend mitbeeinflusst, untersucht der vorliegende Band den „Kampf der Kulturen“ als einen globalen, interkulturellen Wahrnehmungskonflikt zwischen Gesellschaften, der sich in spezifischen Freund- und Feindbildern manifestiert.

Eine Makro-Level-Analyse, die auf repräsentativen Umfragedaten aus 46 Ländern basiert, vergleicht die Erklärungskraft von Huntingtons kulturellem Paradigma mit der von anderen einflussreichen Theorien der internationalen Beziehungen wie dem Realismus. Ergänzend untersucht eine Mikro-Level-Analyse den genauen Wirkzusammenhang zwischen kultureller Identität und der (konflikthaften) Wahrnehmung verschiedener Kulturgruppen und berücksichtigt eine Vielzahl alternativer Einflussfaktoren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Einfluss der Massenmedien.

Mit der Neuinterpretation von Huntingtons „Kampf der Kulturen“ als einem globalen, interkulturellen Wahrnehmungskonflikt und dessen globaler empirischen Überprüfung stellt der Band nicht nur eine innovative und methodisch kompetente Bereicherung für die interkulturelle Konfliktforschung dar, sondern hält auch eine Vielzahl von tiefergehenden Erkenntnissen für außen- und sicherheitspolitische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bereit.

Der Autor:

Dr. Timo Alexander Graf  forscht im Fachbereich Militärsoziologie zur öffentlichen Meinung über außen-, sicherheits- und verteidigungspolitische Themen. Darüber hinaus befasst er sich mit der europäischen Integration in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik und zivil-militärischen Beziehungen. 

Timo Alexander Graf, The Clash of Perceptions ': Testing the „Clash of Civilizations“ with Global Survey Data, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 2020 (= Sozialwissenschaftliche Studien des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, 20), 295 Seiten, 37 Euro, ISBN 978-3-8305-3985-8.

Der Berliner Wissenschafts-Verlag bietet hier einen Einblick in den Band samt Inhaltsverzeichnis zum Download.

Inhaltsverzeichnis:

Clash of Perceptions Inhaltsverzeichnis (PDF, 46,5 KB)