Der Forschungsbereich Sicherheitspolitik und Streitkräfte

Der Forschungsbereich Sicherheitspolitik und Streitkräfte

  • Innere Führung
  • Streitkräfte

Kontakt: ZMSBwSicherheitspolitikundStreitkraefte@bundeswehr.org

Der Forschungsbereich „Sicherheitspolitik und Streitkräfte“ betreibt angewandte sicherheitspolitische Forschung und die zugehörige Grundlagenforschung. Dabei werden die anerkannten geschichts- und sozialwissenschaftlichen Methoden und Standards angewendet.

Schwerpunkte des Forschungsbereichs
Die wissenschaftliche Analyse zentraler Fragen deutscher Sicherheitspolitik und die Entwicklung entsprechender Handlungsempfehlungen für das Bundesministerium der Verteidigung bilden den Schwerpunkt seiner Forschung. Die Begleitung des Prozesses der multinationalen militärischen Zusammenarbeit Deutschlands und der Bundeswehr sowie die Untersuchung der Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen einer europäischen Streitkräfteintegration sind einige Themen, die dabei bearbeitet werden.
Der Forschungsbereich deckt außerdem sozialwissenschaftlichen Erkenntnisbedarf bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen ab, die sich bei dem umfassenden Prozess der Anpassung von Streitkräften an ein sich dynamisch entwickelndes sicherheitspolitisches und gesellschaftliches Umfeld ergeben.
Die Praxis der Umsetzung der Inneren Führung wird sozialwissenschaftlich evaluiert, um auf dieser Basis die Weiterentwicklung der Konzeption der Inneren Führung und des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform wissenschaftlich fundiert zu unterstützen.
Der Ansatz des Forschungsbereiches – Interdisziplinarität, lange Zeitachsen und Fokus auf die Auswirkungen sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen auf Streitkräfte – eignet sich in besonderem Maße dazu, aus Forschungsergebnissen Referenzwissen herauszuarbeiten und wissenschaftsbasierte Beratungsleistungen für aktuelle sicherheits- und militärpolitische Entscheidungsprozesse zu erbringen.

Der Forschungsbereich gliedert sich in die im Folgenden erläuterten drei Projektbereiche.

Leiter des Forschungsbereichs ist Oberstleutnant Dr. Martin Hofbauer

Projektbereich Deutsche Sicherheitspolitik und Bundeswehr

Teilnehmer der Münchener Sicherheitskonferenz 2019

Gruppenfoto des D-ISISIntegrated SIGINT (Signal Intelligence) System Restricted Group Meetings im Königssaal im Rahmen der 55. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im Hotel Bayrischer Hof, am 15.02.2019.

Bundeswehr/Jana Neumann 2019

Der Projektbereich leistet Grundlagenforschung zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik sowie zur Bundeswehr als ihr Instrument. Hierzu zählt die Rolle Deutschlands in internationalen Organisationen und in diesem Kontext deren Politik- und Strategieentwicklung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der NATO.

Dabei ist der Projektbereich einem interdisziplinären Ansatz verpflichtet. Er betrachtet sozialwissenschaftliche Theorien und geschichtswissenschaftliche Methoden nicht als unvereinbar, sondern vielmehr als komplementär. Die Sozialwissenschaften stellen die in allen Studien implizit vorhandenen theoretischen Vorannahmen auf eine solidere Grundlage. Historische Quellenkunde und Bewusstsein für lange Zeitachsen bereiten hingegen eine fundierte empirische Grundlage. Besonders hilfreich sind hierbei die vor Ablauf der 30jährigen Schutzfrist benutzbaren Dokumente und Akten des Geschäftsbereichs des Bundesministeriums der Verteidigung.

Im Geist der Interdisziplinarität behandelt der Projektbereich sowohl bis in den Kalten Krieg hineinragende Fragestellungen der Zeitgeschichte als auch der Gegenwart. Er versteht deutsche Sicherheitspolitik als jene Politik, die sich mit dem Einsatz von Gewalt beziehungsweise mit der Organisation von Gewaltmitteln – das heißt insbesondere Streitkräften – befasst. Dabei beschränkt sich der Projektbereich nicht auf Fragestellungen der klassischen „Security Studies“, sondern sieht sicherheitspolitisches Handeln stets als Teil breiterer, zunehmend globaler gesellschaftlicher Entwicklungen.

Wiss. Angestellter Dr. Philipp Münch ist Leiter dieses Projektbereichs.

Projektbereich Multinationalität und internationale Streitkräfte

Flaming Thunder - eine multinationale Übung 2018, an der auch die Bundeswehr beteiligt war.

Soldaten der teilnehmenden Nationen halten ihre Fahnen bei der Flaggenparade während der Eröffnungszeremonie von Flaming Thunder 2018 im Rahmen der Enhanced Forward Presence Battle Group auf dem Truppenübungsplatz in Pabrade/Litauen, am 14.05.2018.

Bundeswehr/Alexander von Ostrowski 2018

Unter sozialwissenschaftlicher Perspektive werden im Bereich „Multinationalität und internationale Streitkräfte“ die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen militärischer Zusammenarbeit und Integration systematisch erfasst und analysiert. Dabei zeichnet sich die Forschung durch die enge Verzahnung sicherheitspolitischer und militärsoziologischer Forschungsfragen aus.
Die Forschungsschwerpunkte untergliedern sich auf drei Ebenen:

  • Auf einer ersten Ebene werden Streitkräfte systematisch verglichen und das Zusammenwirken von Soldaten verschiedener Nationen sozialwissenschaftlich untersucht.
  • Die strategischen, (sicherheits-)politischen und gesellschaftlichen nationalen Rahmenbedingungen stehen auf einer zweiten Ebene im analytischen Fokus.
  • Die supranationale Ebene, mit EU und NATO, und deren Einfluss auf die militärische Multinationalität bilden den dritten Untersuchungsbereich.

Der Projektbereich Multinationalität und internationale Streitkräfte bearbeitet federführend das interdisziplinäre Leitprojekt „Multinationalität“.

Wiss. Direktorin Dr. Ina Kraft ist Leiterin dieses Projektbereichs.

Projektbereich Innere Führung, Ethik, Militärseelsorge

Katholische undevangelische Pfarrer be einr ökumenischen Andacht

Ökumenische Andacht im Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock.

Bundeswehr/Bienert 2013

Im Zentrum aller Überlegungen dieses Projektbereichs stehen die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr als ethisch reflektierende, moralisch handelnde, für ihre Taten und Unterlassungen verantwortliche Menschen, die wegen ihres Umgangs mit Gewaltmitteln als Individuen sowie als Glieder der militärischen Gemeinschaft besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

Die Konzeption der Inneren Führung gibt ihnen ein normatives Leitbild vor, das ihr berufliches Selbstverständnis, ihren Umgang untereinander prägen und ihre Eingliederung in die zivile Gesellschaft fördern soll. Daraus ergeben sich zwei Themenkreise, die bearbeitet werden: Zum einen wird die Kenntnis und Umsetzung der Konzeption der Inneren Führung und ihrer Gestaltungsfelder im Dienstalltag sozial- und geisteswissenschaftlich evaluiert. Zum anderen wird die Angemessenheit der Konzeption der Inneren Führung daraufhin untersucht, ob sie unter veränderten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen tragfähig ist und neuen Erkenntnissen der Sozial- und Geisteswissenschaften entspricht. Innere Führung zielt auf die Integration der Soldatinnen und Soldaten in die demokratische und pluralistische Gesellschaft und dient der Legitimation des Soldatenberufs und der Motivation der „Staatsbürger in Uniform” in einer Zeit, die von sich ständig wandelnden sicherheitspolitischen Herausforderungen und kritischer Reflexion auf den Einsatz militärischer Gewaltmittel geprägt ist.

Die weltweiten Einsätze der Bundeswehr zu Krisenbewältigung und Konflikttransformation erfordern manchmal den Einsatz letaler Gewaltmittel. Insbesondere Soldaten in den Dienstgraden Mannschaften und Unteroffiziere müssen in unüberschaubaren Situationen nötigenfalls schnell reagieren. Ihnen werden damit ethische Entscheidungen abverlangt, die es für die Bundeswehr nötig werden lassen, spezielle ethische Bildungsangebote zu unterbreiten. Besondere berufsethische Fähigkeiten werden aber auch allen Offizieren abverlangt. Deshalb führt die Bundeswehr flächendeckend für Uniformträger und für Zivilisten Ethische Bildung mit dem Ziel der Persönlichkeitsbildung ein. Diese Angebote werden wissenschaftlich begleitet auf- und ausgebaut und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüft.

Seit Aufstellung der Bundeswehr engagieren sich die katholische und die evangelische Kirche, seit 2019 auch der Zentralrat der Juden in der Bundesrepublik, in der seelsorglichen Begleitung von Soldatinnen und Soldaten und bieten einen obligatorischen Lebenskundlichen Unterricht an, der eine besondere Form der berufsethischen Bildung darstellt. Da das Angebot zwar in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften liegt, aber keinen Religionsunterricht darstellt, ergeben sich daraus kirchenpolitische und religionssoziologische Fragestellungen, die Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung und Beratung sind. Darüber hinaus werden die Militärseelsorge und ihre Bedeutung für Soldatinnen und Soldaten auch in ihrer historischen Dimension erforscht. Die kirchliche Friedensarbeit und ihr Verhältnis zum Militär bilden hierbei einen Schwerpunkt.

Wiss. Direktorin Prof. Dr. Angelika Dörfler-Dierken ist Leiterin dieses Projektbereichs.


Weitere Mitarbeiter des Forschungsbereichs sind:

Wiss. Angestellter Jeronimo Barbin
Wiss. Oberrat Dr. phil. Lic. theol. Markus Thurau
Wiss. Angestellte Dr. Meike Wanner