Militär in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft

Militär in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft

  • Geschichte
  • Bundeswehr
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Ein Beitrag von Prof. Dr. Jörg Echternkamp für den Band Militär und Gesellschaft im Rahmen der Deutsch-deutschen Militärgeschichte 1970 bis 1990

Wie haben sich die Beziehungen zwischen der (zivilen) Gesellschaft und den Streitkräften in den 1970er und 80er Jahren verändert? Welche Rolle spielte die Nachrüstungsdebatte in beiden deutschen Staaten? Welche Bedeutung hatte dabei der jeweils andere Staat?

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Pfingsttreffen der Jugend 1982. "Nach einem Sternmarsch vereinten sich Tausende Jugendliche und weitere Einwohner der Bezirksstadt auf dem Marktplatz einer machtvollen Friedensmanifestation", schrieb die ostdeutsche Nachrichtenagentur ADN.

Bundesarchiv via Wikicommon 1982

Diese Fragen soll die Analyse der zivil-militärischen Verhältnisse im Hinblick auf ausgewählte Handlungsfelder und Deutungszusammenhänge sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDRDeutsche Demokratische Republik beantworten. Dazu werden Ansätze und Leitfragen der Vergleichs- und Verflechtungsgeschichte genutzt. Zum einen geht es politikgeschichtlich um die Politisierung des Militärs und die wechselseitige Wahrnehmung der „Militarisierung“ unter besonderer Berücksichtigung der Medien. Zum anderen werden aus einer wissenschaftsgeschichtlichen Perspektive die Organisation der militärgeschichtlichen Forschung in der Bundeswehr und der NVANationale Volksarmee und die deutsch-deutschen wie internationalen Kontakte untersucht, soweit sie auf dem wissenschaftlichen Feld systemübergreifend möglich wurden.

Eine These lautet: Das Militärische im weiten Sinne bildete in der Bundesrepublik eine Projektionsfläche für den politischen, sozialen und kulturellen Selbstverständigungsprozess der westdeutschen Gesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren. In der DDRDeutsche Demokratische Republik schloss der Herrschaftsanspruch SEDSozialistische Einheitspartei Deutschlands, ihre Instrumentalisierung der NVANationale Volksarmee und das weitgehende Fehlen einer medialen, pluralistischen Öffentlichkeit diese Dynamik aus. Gleichwohl spielte die Darstellung und Inszenierung des Militärischen auch in Ostdeutschland eine eminent politische Rolle, während deren Wahrnehmung in Westdeutschland wiederum das Bild der Militarisierung der DDRDeutsche Demokratische Republik nährte und als Bezugspunkt für innenpolitische Debatten diente.