Luftverteidigung nach der deutschen Einheit

Luftverteidigung nach der deutschen Einheit

  • Geschichte
  • Luftwaffe
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2 MIN

Ein Dach über Europa - Politische Symbolik und militärischer Kampfwert der deutschen Luftverteidigung 1990 bis 2014

Ein Dissertationsprojekt von Friederike Hartung M.A.Master of Arts

Seit 2006/7 ist das Waffensystem Patriot das hauptsächliche System zur Flugzeug- und Raketenabwehr der Bundeswehr.

Flugabwehrraketensystem des Typs Patriot 2015 im Einsatz bei Active Fence Turkey in Kahramanmaras.

Bundewehr/AF Turkey 2015

Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor kaum ein militärischer Teil der Bundeswehr so viel Personal und so viel Schlagkraft wie die Flugabwehrraketentruppe der Luftwaffe. Seit 1991 erlebte der Dienstteilbereich eine nicht enden wollende Kette von Strukturveränderungen und Neuausrichtungen. Im Gegensatz zu den rund 18.600 Soldaten, die noch 1972 im alliierten Luftverteidigungsgürtel in der (alten) Bundesrepublik Deutschland eingesetzt waren, blieben dem letzten Geschwader nach der Neuausrichtung der Bundeswehr von 2012 nur noch 2.300 Dienstposten. Darüber hinaus wurden alle Kräfte der bodengebundenen Luftverteidigung in einer Teilstreitkraft, der Luftwaffe, zusammengeführt. Im Zuge dessen übernahm das Flugabwehrraketengeschwader die Fähigkeit der Heeresflugabwehr. Mit der Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe wurde erstmalig in der Geschichte der Bundeswehr eine ganze Truppengattung, die von Beginn an Bestandteil des Heeres gewesen war, in kürzester Zeit und ersatzlos aufgelöst. Trotz der Reduzierung der Personalstärke des Flugabwehrraketendienstes um fast 50 Prozent, musste der Dienstteilbereich nun ein breiteres Fähigkeitsspektrum sicherstellen als jemals zuvor – vom Schutz gegen Angriffe durch Raketen, Artillerie- und Mörsergeschosse im Nächstbereich bis hin zur Abwehr ballistischer Flugkörper (Ballistic Missile Defence).

Mit der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verstärkt einsetzenden weltweiten Proliferation von Massenvernichtungswaffen und entsprechender Trägersysteme, ergaben sich zahlreiche sicherheitspolitische Probleme. Die potenzielle Bedrohung durch einen Angriff aus der Luft bildete nach wie vor einen Schwerpunkt in der Bedrohungsanalyse der NATO. Eine entsprechende Risikoprävention wäre die logische Konsequenz gewesen. Doch Deutschland sah sich nach dem Ende der bipolaren Welt „umgeben von Freunden und Verbündeten“ (so Bundesverteidigungsminister Volker Rühe 1993). Der alte Feind war weg. Warum also sollte die Bundesregierung in neue Waffensysteme investieren?
Aus diesem Dilemma von reduzierten Fähigkeiten und neuen Bedrohungen resultieren eine ganze Reihe von Fragen:

  • Gibt es eine Diskrepanz zwischen der Bedrohungswahrnehmung der NATO und ihren daraus abgeleiteten Forderungen einerseits und ihrer Umsetzung in Deutschland andererseits?
  • Standen auf nationaler Ebene (bündnispolitische) militärische Forderungen und (innen- oder ressort-)politische Entscheidungen in Konkurrenz zueinander?
  • Wurden die neuen Strukturen der Flugabwehr überhaupt auf der Grundlage einer umfassenden sicherheitspolitischen Analyse entschieden oder eher im Zuge innenpolitischer Interessen?
  • Und schließlich: Hat die deutsche bodengebundene Luftverteidigung nach dem Ende des Kalten Krieges ihre Bedeutung verloren oder hat sie eine neue Aufgabe gefunden?

Zur Beantwortung dieser Fragen werden in diesem Dissertationsprojekt die Struktur- und Rüstungsentscheidungen sowie Einsatzverwendungen der Flugabwehrraketentruppe der Bundeswehr untersucht.
Hintergrund ist dabei die globale sicherheitspolitische Entwicklung in der Zeit von 1990 bis etwa 2014.

Diese Dissertation wird betreut von apl. Prof. Dr. Dieter Krüger, ehem. ZMSBw, und Prof. Dr. Sönke Neitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Militärgeschichte - Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam.