Innerstaatliche Gewalt

Innerstaatliche Gewalt

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„Leviathan Staggering – A Quantitative Analysis of the State’s Coercive Capacity and Intrastate Violence“

Ein Dissertationsprojekt Dr. Julius Heß

Ob Bürgerkriege, ethnische Konflikte, Gewaltunternehmertum, Genozide oder Morde – Gewalt ist in der Welt extrem ungleich verteilt. Während manche Staaten von interner Gewalt epidemischen Ausmaßes geprägt sind, erscheinen andere Staaten der Welt fast völlig pazifiziert. 
Im Mittelpunkt dieses Projekts steht eine einzige Frage: Warum ist Gewalt in manchen Staaten allgegenwärtig und in anderen nicht? Zur Beantwortung dient eine systematische Auswertung statistischer Daten in ländervergleichender Perspektive. Dahinter steht wiederum die Frage, was Staaten stabil und sicher macht, was internationale Akteure zum Aufbau gescheiterter Staaten beitragen können – und was sie möglichst unterlassen sollten.
Eine These drängt sich in diesem Zusammenhang auf, die These, dass das hohe Gewaltniveau fragiler Staaten maßgeblich aus mangelnder staatlicher Durchsetzungsfähigkeit und auch aus militärischer Schwäche resultiert. Diese These wird gegen konkurrierende Erklärungsansätze getestet; diese sind: wirtschaftliche Interdependenz lässt gewaltsame Aneignung unprofitabel werden; demokratische Verfahren des Interessensausgleichs machen Gewalt zunehmend obsolet; Kultur und informelle Institutionen prägen maßgeblich die Gewaltbereitschaft.
Die Stärkung des Sicherheitssektors, Demokratisierung und wirtschaftliche Entwicklung sind wiederkehrende Elemente des Engagements der internationalen Gemeinschaft in schwachen Staaten. Die Untersuchung lässt sich daher auch als Kommentar zur Plausibilität aktueller Stabilisierungsansätze lesen. Die Analyse zeigt, dass tiefgehende Dilemmata und Widersprüche das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft in Staaten wie Afghanistan oder Mali prägen.
Die Untersuchung umfasst sämtliche Staaten der Erde im Vierteljahrhundert von 1989 bis 2013. In der Studie werden innovative Indikatoren zur Messung staatlicher Durchsetzungsfähigkeit entwickelt und bisher ungenutzte internationale Daten zu Militärsystemen erschlossen.

Das Projekt wurde als Dissertation im Mai 2019 abgeschlossen. Die Studie erscheint 2020.

Dr. Julius Heß ist seit Sommer 2019 nicht mehr Angehöriger des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, sondern des Auswärtigen Amtes.