Marine im Umbruch 1986-1996

Marine im Umbruch 1986-1996

  • Marine
  • Einsatz
Datum:
Lesedauer:
2 MIN

Von der Landesverteidigung in den Einsatz.
Von der Bundesmarine zur Deutschen Marine 1986 bis 1996

Ein Projekt von Dr. Christian Jentzsch

Drei Minenjagdbote, die nebeneinander im Päcken, im Hafen liegen.

Minenjagdboote der Lindau-Klasse liegen im Päckchen an der Pier im Hafen. Die Operation Südflanke verlief in zwei Phasen: zunächst im Mittelmeer und später im nördlichen Persischen Golf. Sie demonstrierte damit deutsche Bündnissolidarität.

Bundeswehr/Funk 1990

Seit Mitte der 1990er Jahre durchlief die Bundesmarine eine Entwicklung von einer „Escort Navy“ hin zu einer „Expeditionary Navy“, so eine immer wieder vertretene These. Gemeint sind damit ein Wandel und ein Paradigmenwechsel – ausgehend von einer Marine, konzipiert zur Landes- und Bündnisverteidigung in deutschen Küstengewässern sowie im Nordflankenraum, hin zu einer weltweit operierenden Einsatzmarine. Dennoch forderte ein Marineoffizier wie Edmund Kolander noch im Jahr 1993: “Unsere Marine muß sich von einer AAG-Marine (Ausbildung in außerheimischen Gewässern) zu einer Einsatzmarine wandeln.“

Ausgehend von dieser zeitgenössischen Äußerung stellt sich für den Historiker die Frage: Hatte sich die Bundesmarine bis zum Ende eines Einsatzes wie SHARP GUARD 1996 tatsächlich zu einer Einsatzmarine entwickelt? Und wenn ja, wie verlief dieser Prozess?

Zur Beantwortung dieser Fragen will diese Studie die Entwicklung der Marine als Teilstreitkraft der Bundeswehr für die Zeit von 1986 bis 1996 nachzeichnen. Nach dem Ende der Blockkonfrontation wuchsen zwei deutsche Staaten der früher bipolaren Weltordnung zu einem vereinten Deutschland in einer multipolaren Weltordnung zusammen. Die daraus resultierenden sicherheitspolitischen Umwälzungen und Herausforderungen mussten die deutschen Streitkräfte grundlegend verändern. Legitimierte sich die Bundeswehr bis 1990 in erster Linie aus den Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung, so waren es nun die Krisen an der Peripherie Europas, denen sich die Bundeswehr als Instrument deutscher Außen- und Sicherheitspolitik stellen musste. Relativ schnell übernahmen dabei die Marine sowie die beiden anderen deutschen Teilstreitkräfte Aufgaben im Rahmen des internationalen Krisen- und Konfliktmanagements.

Um die Entwicklung der Marine zur weltweit operierenden Einsatzflotte darzustellen, schildert die Studie ihre Veränderungen in den Krisen- und Konfliktvorstellungen vom Ende des Kalten Krieges bis zum Ende des SHARP-GUARD-Einsatzes in der Adria 1996. In einem weiteren Schritt werden die Auslandseinsätze im Mittelmeer und im Persischen Golf 1990/91, der Adriaeinsatz 1992-1996, die Rückführung des UNOSOMUnited Nations Operation in Somalia II-Kontingents aus Somalia 1994 und die strukturellen Veränderungen in der Marine untersucht. Am Ende steht die Beantwortung der Frage, ob sich diese Phase deutscher Marinegeschichte tatsächlich mit dem Begriff eines Paradigmenwechsels angemessen beschreiben lässt.