Gleichstellung und Arbeitgeberattraktivität

Gleichstellung und Arbeitgeberattraktivität

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In der Bundeswehr ein normales Bild: Rekrutinnen und Rekruten vom Luftwaffenausbildungsbataillon nehmen 2019 am Feierlichen Gelöbnis vor dem Hambacher Schloss teil. Anlass ist der 70. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes, am 23.05.1949.

Bundeswehr/Sebastian Wilke, 2019

Geschlechtergleichstellung beeinflusst die Arbeitgeberattraktivität der Bundeswehr bei Frauen

Ein Projekt von Dr. Gerhard Kümmel und Dr. Timo Graf

Seit 2001 können Frauen in allen Bereichen und Laufbahnen der Bundeswehr tätig sein, auch in kämpfenden Einheiten. Die vollständige Öffnung der Bundeswehr für Frauen hat wesentlich zur Geschlechtergleichstellung in der Bundeswehr beigetragen.

Frauen gewinnen an Bedeutung

Trotzdem dienen immer noch deutlich mehr Männer als Frauen in der Bundeswehr: Im Dezember 2019 waren es 22.594 Frauen bzw. 12 Prozent des gesamten militärischen Personalkörpers der Bundeswehr. Unabhängig von politischen Vorgaben gewinnt die Werbung von Frauen für den Dienst in der Bundeswehr durch die demografische Entwicklung der deutschen Gesellschaft und den Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte zunehmend an Bedeutung. Der Personalkörper der Bundeswehr soll bis zum Jahr 2023 um fast 20.000 Soldaten und Soldatinnen aufwachsen. Ein wichtiger Teil dieses Zuwachses wird durch die Werbung von Frauen erreicht werden.

Gleichstellung als Schlüsselfaktor

Das Forschungsprojekt geht deshalb der Frage nach, welche Faktoren die Arbeitgeberattraktivität der Bundeswehr insbesondere bei Frauen bestimmen. Die empirische Grundlage zur Beantwortung dieser Frage bildet die Bevölkerungsbefragung des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr aus dem Jahr 2019. Insgesamt nahmen 1258 Frauen an der Umfrage teil. Diese Gruppe ist repräsentativ für die weibliche Bevölkerung in Deutschland (älter als 16 Jahre und in Haushalten lebend). Die zu erklärende Variable ist die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität der Bundeswehr. Mögliche Erklärungsfaktoren umfassen eine Vielzahl soziodemografischer Faktoren wie das Alter, der Bildungsgrad, der Familienstand, die mögliche Betreuung minderjähriger Kinder oder die private wirtschaftliche Situation. Darüber hinaus werden auch das Interesse für Verteidigungspolitik, die politische Orientierung, Kontaktmöglichkeiten zur Bundeswehr (z.B. über Verwandte oder Bekannte in der Bundeswehr sowie Medienberichterstattung), die persönliche Einstellung zur Bundeswehr im Allgemeinen und zur Gleichstellung in der Bundeswehr im Speziellen als mögliche Erklärungsfaktoren berücksichtigt. Das Hauptaugenmerk der Analyse liegt dabei auf dem Einfluss der subjektiven Wahrnehmung der Geschlechtergleichstellung in der Bundeswehr. Es ist anzunehmen, dass eben diese Wahrnehmung die Arbeitgeberattraktivität der Bundeswehr bei Frauen besonders stark beeinflusst.

Kein “Frauenthema„

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Annahme zutrifft: Je positiver Frauen die Geschlechtergleichstellung in der Bundeswehr beurteilen, desto mehr empfinden sie die Bundeswehr als einen attraktiven Arbeitgeber und desto eher sind sie bereit, die Bundeswehr als Arbeitgeber anderen Personen zu empfehlen. Interessanterweise ist dieser Zusammenhang auch bei Männern zu beobachten, obgleich dieser schwächer ausgeprägt ist. Daraus lässt sich folgern, dass die Geschlechtergleichstellung ein wichtiges Thema für die Bundeswehr bleiben wird – nicht nur für die Personalwerbung von Frauen.