Historische Rüstungsvergleiche

Historische Rüstungsvergleiche

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Seestreitkräftevergleiche in Rüstungsdynamiken und Rüstungskontrolle im langen 20. Jahrhundert

Ein Dissertationsprojekt von Kerrin Langer M.A.Master of Arts

Mit dem Wandel vom europäischen Staatensystem hin zum globalen System am Ende des 19. Jahrhunderts wurden Seestreitkräfte, vor allem Schlachtschiffe, zu einem der wichtigsten Machtfaktoren und Statussymbole einer global agierenden Großmacht. Dies führte zu einem globalen maritimen Rüstungswettbewerb, an dem alle Großmächte in unterschiedlicher Intensität beteiligt waren und der die nationale Rüstungspolitik, aber auch bi- und multilaterale Rüstungskontrollbestrebungen beeinflusste.

Das Vergleichen vorhandener und/oder projektierter Seestreitkräfte (Seestreitkräftevergleiche) war dabei für die militärischen, politischen und gesellschaftlichen Akteure zentral. Das durch das Vergleichen generierte Wissen über die relative Stärke der Seestreitkräfte, bzw. der relativen militärischen Macht des eigenen und anderer Staaten, gab unter anderem Auskunft über die eigene Position in Bezug auf Sicherheit, Status und Macht innerhalb der Großmächtegruppe. Zusätzlich wurden durch diese Sichtbarmachung der Sicherheitsposition, bzw. Macht- und Statushierarchie, Diskrepanzen zwischen Anspruch und wahrgenommener Wirklichkeit sichtbar. Daraus wurden, abhängig von den Interessen der jeweiligen Akteure, sowohl Forderungen nach Aufrüstung, Status Quo Erhalt oder Abrüstung abgeleitet.

Seestreitkräftevergleiche bildeten nicht nur die Grundlage von Rüstungsprogrammen, sondern dienten gleichfalls als wichtiges mobilisierendes Argument in nationalen Rüstungsdebatten, beeinflussten Bedrohungswahrnehmungen und spielten eine zentrale Rolle in Rüstungskontrollbestrebungen. Die Vergleiche waren dabei nie objektiv oder neutral, denn die Auswahl der Vergleichsobjekte und -hinsichten, die verwendeten Daten und die Darstellungsformen hingen von der Vergleichsabsicht ab. Dies führte zu einem kontinuierlichen Aushandlungsprozess über das „richtige“ Vergleichen, sowohl in nationalen als auch in internationalen Kommunikationsräumen.

Grafik Linienschiffe und Panzerkreuzer

Die Übersicht aus dem Jahr 1906 veranschaulicht die maritime Rüstung der Großmächte - und unterstreicht die internationale Rangordnung.

Erich Neuhaus-Wilmersdorf, Illustrierte Darstellung der See-Interessen des Deutschen Reichs (1906).

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die Entwicklung, Institutionalisierung und Aushandlung von Seestreitkräftevergleichen sowie deren Funktion in und Auswirkung auf Rüstungspolitik, Rüstungskontrolle und Rüstungsdynamiken herauszuarbeiten. Durch Länderstudien zu Großbritannien, dem Deutschen Reich, den USAUnited States of America und Frankreich im langen 20. Jahrhundert soll sowohl die nationale, als auch die Ländergrenzen übergreifende Dimension von Seestreitkräftevergleichen als politische und militärische Praktik verdeutlicht werden. Dazu wird die Kommunikation von, sowie die Kommunikation über, das heißt jegliche Reflektion über und Kritik an den Vergleichspraktiken (anderer), untersucht. Dazu werden Parlamentsdebatten, diplomatische Korrespondenz, Protokolle zu Rüstungskontrollverhandlungen, interne Planungsdokumente, sowie publizistische Veröffentlichungen ausgewertet.

Die Dissertation wird betreut von Prof. Dr. Willibald Steinmetz, Universität Bielefeld