Primat der Politik ?

Primat der Politik ?

  • Bundeswehr
  • Geschichte
Datum:
Lesedauer:
1 MIN

Die Geschichte des Bundesministeriums der Verteidigung, 1955-1990

Unter den ersten Freiwilligen waren auch die beiden Generale Adolf Heusinger und Dr. Hans Speidel

Verteidigungsminister Theodor Blank mit den Generalen Adolf Heusinger und Hans Speidel während der Ernennungszeremonie für die ersten Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955 in Bonn.

Bundesarchiv via WikiCommon

Ein Projekt von Dr. Christoph Nübel

Das Militärische blieb in der Bundesrepublik stets umstritten. Ob Friedensbewegung, Umweltschützer, Pazifisten oder Wehrdienstverweigerer, zahlreiche Gruppen setzten sich kritisch mit dem Militär und militärischer Symbolik auseinander. Auch in der Politik gab es anhaltende Debatten um den „Primat der Politik“ und die Stellung der bewaffneten Macht im demokratischen Staat. Ein gemeinsamer Referenzpunkt dieser Diskurse war die Rolle des Militärs im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg.

Die Streitkräfte nahmen in der Politikgeschichte der Bundesrepublik einen bedeutenden Platz ein. Entgegen der damit angedeuteten Relevanz spielt das Militär in der zeithistorischen Forschung eine untergeordnete Rolle. Das Projekt will dieses Desiderat verkleinern, indem es das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) als Beispiel dafür heranzieht, den Ort des Militärischen in der Bundesrepublik zu bestimmen.

Das monographische Forschungsvorhaben nimmt erstmals die Geschichte des BMVgBundesministerium der Verteidigung während des Ost-West-Konflikts in den Blick. Es fragt, wie das Verteidigungsministerium im demokratischen Staat vor dem Hintergrund der NSNationalsozialismus-Vergangenheit konzipiert, institutionalisiert und fortentwickelt wurde. Wie formierte und inszenierte das Ministerium demokratische Staatlichkeit und brachte sie in Organisation und Praxis hervor? Dabei wird insbesondere den Wechselverhältnissen Raum gegeben, die zwischen Staatlichkeit, Demokratie und der Institution BMVgBundesministerium der Verteidigung in ihren jeweiligen Wandlungsprozessen bestanden. So wird der verfassungsrechtliche Rahmen ebenso untersucht wie das Sprechen von Demokratie.

Aus diesem Fragekontext heraus werden insbesondere die organisatorische Entwicklung des Ministeriums sowie seine Selbstbilder untersucht. Weiterhin richtet sich das Augenmerk auf die Rolle des BMVgBundesministerium der Verteidigung in politischen Debatten inner- und außerhalb der Bundeswehr. Auf diese Weise lässt sich ermitteln, welches Verständnis von Staat und Demokratie im Ministerium vorherrschte und welche Rolle es sich auf diesen Feldern beimaß.


von Christoph Nübel  E-Mail schreiben