Wissen und Krieg

Wissen und Krieg

  • Streitkräfte
  • Ausbildung
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TAKTISCHES LERNEN DES DEUTSCHEN HEERES 1871-1945

Ein Projekt von Dr. Christian Stachelbeck

DV Gefecht der verbunden Waffen

Ein zukunftsweisender Fortschritt: Das in Vorschriftenform gefasste „Gefecht der verbundenen Waffen“

ZMSBw / Möllers 2020

In der Forschung unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen steht heute außer Frage, dass Organisationen lernen und somit auch das Militär als Organisation lernt. Wissen steht in einer engen Wechselbeziehung zum Lernen als Anpassung eines komplexen Systems an Umweltbedingungen. „Lernen ist der Prozess und Wissen das Ergebnis“ (Helmut Willke).

Die Forschungsgegenstände „Wissen“ und „Lernen“ im Militär sind in der deutschen Historiografie bislang kaum berücksichtigt worden. Vorwiegend angloamerikanische Militärhistoriker haben sich dem Thema Lernen im Kontext von Innovation und Adaption in den Streitkräften zugewendet. Vielfach gilt dabei die deutsche Armee bis in den Zweiten Weltkrieg hinein als eine überaus lernfähige Organisation: Sie habe schon vor 1914 viel Wert auf formales Lernen und eine gründliche Ausbildung gelegt. Damit ließe sich auch eine hohe taktisch-operative Leistungsfähigkeit deutscher Truppen in beiden Weltkriegen erklären.

Gab es in diesem Kontext einen „typical German way of war“, wie ihn einige Autoren konstatieren? Gerhard P. Groß hat 2012 in seiner Analyse des operativen Denkens im deutschen Heer Helmuth von Moltke (dem Älteren) bis Adolf Heusinger aufgezeigt, wie weit ein vermeintlich „typical German way of war“ an Mythen haftete oder der Wirklichkeit entsprach. Für die Ebene der taktischen Kriegführung fehlt eine solche längsschnittartige Studie, zumal bis heute weitgehend unklar ist, wie die Organisation deutsches Heer eigentlich gelernt hat.

Diese Studie fragt vor dem Hintergrund eines vielfältigen Wandels des Kriegs- und Soldatenbildes zwischen 1871 und 1945 nach der Generierung, Organisation und Zirkulation von taktischem Wissen im deutschen Heer. Sie analysiert Lernprozesse und spürt dabei lernkulturellen Aspekten sowie der Entwicklung eines spezifischen Lessons-learned Systems nach.