Neues Heft der MGZ

Neues Heft der MGZ

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Heft 1 des 80. Bandes der Militärgeschichtlichen Zeitschrift (MGZ) ist erschienen!

Militärgeschichtliche Zeitschrift, Band 80, Heft 1, 2021

Cover zur Militärgeschichtlichen Zeitschrift, Band 80, Heft 1, 2021

Verlag DeGruyter, München 2021

In dieser Ausgabe betrachtet Markus Raasch die militärische Jugenderziehung während des Ersten Weltkriegs in Deutschland und Österreich im europäischen Kontext. Merten Kröncke nutzt kultur- und literaturwissenschaftliche Ansätze, um die Kohärenz in Beschreibungen der Schlacht an der Somme 1916 zu untersuchen. Michael Epkenhans dekonstruiert den Mythos, der nach Kriegsende in Deutschland und im Ausland um Kapitän zur See Hans Langsdorff und die Selbstversenkung des Panzerschiffs »Admiral Graf Spee« entstand.

In unserer Leseprobe zum Heft bieten wir Ihnen die Dokumentation eine Kriminalfalls: Magnus Pahl und Armin Wagner vom Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden zeichnen nach, wie gefälschte Dokumente in die Ausstellung anlässlich des 75. Jahrestages des Attentats vom 20. Juli 1944 gelangen konnten und wie die Fälschungen aufgedeckt wurden.

Aufsätze in diesem Heft

Markus Raasch: Militärische Jugenderziehung vor dem und im Ersten Weltkrieg. Eine erweiterte Institutionengeschichte

In diesem Aufsatz wird die militärische Jugenderziehung vor dem und im Ersten Weltkrieg untersucht. Die dabei eingenommene institutionenhistorische Perspektive misst Ideen und Strukturfragen dieselbe Bedeutung bei wie Wahrnehmungsweisen und internationalen Zusammenhängen. Im Blickpunkt stehen die Verhältnisse in Deutschland und der österreichischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie. Anhand von zeitgenössischem Schrifttum, einschlägigem Liedgut, administrativem Aktenmaterial und Selbstzeugnissen kann sodann deutlich gemacht werden, dass eine forcierte militärische Jugenderziehung – einschließlich ihrer Schwierigkeiten und Gegner – ein internationales Phänomen des frühen 20. Jahrhunderts bildete. Nach 1914 versuchten Deutsche und Österreicher, ein spezielles Modell von Jugendkompagnien (Jugendwehren) zu installieren, das auf umfassenden Anspruch, Freiwilligkeit und staatliche Organisation setzte. Ihre Erfolge hatten klare Grenzen, fielen aber beachtlicher aus, als die gängige Literatur meint.

Merten Kröncke: Chaos und Kohärenz. Eine Grundkonstellation der Schlachtrepräsentation und eine neue Perspektive der Forschung. Analysen am Beispiel der Schlacht an der Somme

In der historischen Schlachtenforschung können kulturgeschichtliche Ansätze, die sich der medialen und symbolischen Repräsentation und Erinnerung des Kampfgeschehens zuwenden, mittlerweile als fest etabliert gelten. Am häufigsten werden Schlachtrepräsentationen dabei – zumindest wenn es sich um deutsche Schlachtrepräsentationen des Ersten Weltkrieges handelt – in Hinblick auf ihren jeweiligen normativ-politischen Gehalt untersucht. Demgegenüber wird dieser Aufsatz für eine andere, ergänzende Forschungsperspektive werben, die eine für Schlachtrepräsentationen fundamentale, indes bislang noch kaum untersuchte Spannung in den Mittelpunkt rückt: die Spannung von Chaos und Kohärenz. Vorgeschlagen wird ein interdisziplinärer Zugang, der sowohl das Dargestellte als auch die Darstellungsweise zu analysieren vermag und der Geschichts- und Literaturwissenschaften miteinander verknüpft. Dass der vertretene Ansatz fruchtbar ist, soll eine Untersuchung von textuellen Repräsentationen des Einsatzes der 3., 4. und 5. bayerischen Infanteriedivisionen in der Schlacht an der Somme 1916 demonstrieren. Die aus der Analyse resultierende These lautet: Alle untersuchten Textsorten kennzeichnen das dargestellte Schlachtgeschehen im Mittelwert als chaotisch, doch zumindest den deutlich nach den Kampfereignissen verfassten Texten gelingt es, das Chaos der Schlacht zu kompensieren, indem sie Kohärenz auf der Ebene der Darstellungsweise herstellen.

Michael Epkenhans: Kapitän zur See Hans Langsdorff – »the Captain who defied Hitler«? Zur Konstruktion eines Mythos

Der Aufsatz zeichnet die Geschichte des Panzerschiffs »Admiral Graf Spee« und seines Kommandanten, Kapitän zur See Hans Langsdorff, nach. Einerseits geht es um die Entscheidung zur Selbstversenkung, andererseits aber auch um die Rezeption dieser Entscheidung und Langsdorffs Suizids. Zugleich untersucht der Artikel auch die Langsdorff-Rezeption nach 1945 im Ausland und in der Bundesrepublik. Warum wurde Langsdorff zu einem Mythos, und inwieweit ist es aufgrund bisher nicht berücksichtigter Quellen notwendig, diesen zu dekonstruieren?

Dokumentation in diesem Heft

Magnus Pahl und Armin Wagner: »Verehrter Parteigenosse Landfried!« Die Sonderausstellung »Der Führer Adolf Hitler ist tot.« des Militärhistorischen Museums und die Frage nach der Echtheit von Schriftstücken Claus Schenk Graf von Stauffenbergs

Vom Juli bis Dezember 2019 zeigte das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden eine Ausstellung anlässlich des 75. Jahrestages des Attentats auf Adolf Hitler und des geplanten Umsturzversuches vom 20. Juli 1944. Nach Publikation des Katalogs kamen Verdachtsmomente auf, einige der dort gezeigten Dokumente seien gefälscht. Prüfungen des Museums, unter anderem mit Unterstützung des Landeskriminalamtes Sachsen, bestätigten diesen Verdacht teilweise. Der Beitrag beschreibt, wie die entsprechenden Schriftstücke an das MHM kamen, warum sie für echt gehalten und in der Ausstellung präsentiert wurden und wie im Nachgang die Fälschung erkannt wurde. Er schließt mit knappen Überlegungen, was künftig daraus für den Erwerb von Museumsgut zu folgern ist.

Den Volltext zur Dokumentation finden Sie hier: MGZ 2021 Heft 1 - Leseprobe (PDF, 1,6 MB)

Die MGZ

Die Militärgeschichtliche Zeitschrift (MGZ) ist eine der führenden deutschsprachigen wissenschaftlichen Publikationen im Bereich der Militärgeschichte und bietet in jeder Ausgabe Aufsätze und Beiträge zur aktuellen Forschung sowie Rezensionen zur Literatur aus der Militärgeschichte und aus anderen relevanten Forschungsbereichen. Die MGZ wird vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam herausgegeben und erscheint halbjährlich bei De Gruyter Oldenbourg.

Das Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe finden Sie auf der Website des Verlages De Gruyter.