Militär und Gewalt - aus anderer Sicht

Militär und Gewalt - aus anderer Sicht

  • Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften
  • Forschung
Datum:
Ort:
Potsdam
Lesedauer:
2 MIN

Das Forschungscluster „Recht, Moral und Normen: Grenzen und Grenzüberschreitungen beim Einsatz militärischer Gewalt“ im Leitthema „Militär und Gewalt“ nimmt am ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr seine Arbeit auf. Das Cluster befasst sich damit, in und aus welchen Kontexten Grenzen und Grenzüberschreitungen beim Einsatz militärischer Gewalt identifiziert werden und wie sich daraus Normen und sogar Recht(e) bilden. Mit dem Forschungsaufenthalt von Prof. PhDPhilosophiae Doctor Chris Thornhill am ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr kam erstmals ein ausländischer Gastwissenschaftler zum Dialog hinzu.

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Prof. Ph.D. Chris Thornhill

Chris Thornhill ist Professor of Law an der University of Manchester. Von 2018-19 war er Dekan der dortigen Law School. Zuvor war er an der University of Glasgow (2006-2013), dem King’s College in London (1995-2006) und der University of Sussex (1993-1995). Er hatte verschiedene Gastprofessuren u.a. an der Universität Flensburg (2021), der Universität Sao Paulo (2018) und Sao Leopoldo (2014, 2017 und 2019) sowie die Niklas-Luhmann-Gastprofessur an der Universität Bielefeld (2018) inne - und ist damit

Chris Thornhill hat den World Complexity Sccience Academy Award for Lifetime Achievement (2020) und den Humboldt-Forschungspreis (2018) erhalten. Seine Forschungsschwerpunkte sind vor allem die Rechtssoziologie, die Rechts- und Sozialtheorie sowie die historische Soziologie.

Seine Forschung und sein Forschungsverständnis

Dabei versteht Chris Thornhill Rechtssoziologie als ein zugleich militärsoziologisches und -historisches Projekt. Während seines Aufenthalts in Potsdam vom 2. bis zum 10. Dezember 2021 arbeitet er zum Verhältnis von Militär und Verfassung.

Er untersucht dabei, welche Rolle das Militär auf die Entstehung von Verfassungen hatte. In diesem Forschungsprojekt werden europäische Verfassungsentstehungen in transnationaler Perspektive beobachtet und miteinander verglichen. Dabei wird auch Deutschland untersucht.

Unser Partner in der Wissenschaft

Deshalb pflegt Chris Thornhill einen Austausch mit dem Haus als zentralem Ansprechpartner für militärsoziologische und -historische Fragestellungen in Deutschland. Er bringt seine Fachexpertise in Projekten des Hauses wie in der Betreuung der Dissertation von Henning de Vries zum Internationalen Strafgerichtshof ein.

Das Forschungsprojekt von Chris Thornhill bietet zudem für das Cluster „Recht, Moral und Normen: Grenzen und Grenzüberschreitungen beim Einsatz militärischer Gewalt“ einen Einblick in gesellschaftsinterne Normierungsprozesse militärischer Gewalt bis hin zu ihrer verfassungsmäßigen Festschreibung. Gleichzeitig zeigt er, dass diese gesellschaftsinterne Normierung wie die allgemeine Wehrpflicht kein Einzelfall ist, sondern sich in den europäischen Staaten im 18. und 19. Jahrhundert ausbreitete und etablierte. Diese vergleichende und transnationale Perspektive erweitert das Forschungsvorhaben des Clusters. Daher ist eine enge Zusammenarbeit mit Chris Thornhill geplant, um ihn in die geplanten Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Clusters einzubeziehen.

Ein Konzeptionsbeitrag sowie der Veranstaltungsplan des Clusters „Recht, Moral und Normen: Grenzen und Grenzüberschreitungen beim Einsatz militärischer Gewalt“ werden bald veröffentlicht.