Heft 2 des 80. Bandes der Militärgeschichtlichen Zeitschrift (MGZ) ist erschienen!

In dieser Ausgabe stellt Christoph Nübel die These auf, dass Sport die Ausbildung im deutschen Her vor und während des Ersten Weltkrieges auf mehreren Ebenen ergänzt hat.
Brian N. Hall analysiert die Kommunikation und die Lernprozesse innerhalb der American Expeditionary Forces, die 1917 nach Europa entsandt wurden, um die Bündnispartner zu unterstützen.
Daniel R. Bonenkamp beschreibt Pläne, Ziele und Hintergründe einer ostdeutschen Desinformationskampagne, die im Herbst 1968 den Vorwurf streute, die Bundesrepublik Deutschland strebe die Verfügungsgewalt über Massenvernichtungswaffen an.
In unserer Leseprobe zum Heft bieten wir Ihnen die Einleitung dieser spannenden Spionagegeschichte zur Lektüre.

Cover der Militärgeschichtlichen Zeitschrift, Band 80, Heft 2, 2021

Cover der Militärgeschichtlichen Zeitschrift, Band 80, Heft 2, 2021

Verlag deGruyter / ZMSBw 2021

Aufsätze in diesem Heft

Christoph Nübel, »Die Waffe Mensch«. Sport, Ausbildung und soldatische Selbstständigkeit in der Zeit des Ersten Weltkrieges

Der Artikel vertritt die These, dass Sport die Ausbildung im deutschen Heer vor und während des Ersten Weltkrieges wesentlich ergänzte. Aus militärischer Sicht sprachen drei Gründe dafür. Erstens eignete sich Sport dazu, Charakter und Körper zu trainieren. Zweitens war er Instrument der militärischen Breiten- und der Spezialausbildung. Drittens schließlich galt er als Mittel, Mannschaftssoldaten zur Selbstständigkeit auf dem Gefechtsfeld zu erziehen. Argumentiert wird, dass der Militärsport in zeitgenössischer Auffassung die hohen Anforderungen des modernen Krieges in sich aufhob. Als mit Leistungsanreizen und freiheitlich-spielerischen Elementen operierendes System erweiterte er das bislang primär mit Anleitung, Aufsicht und Disziplin operierende Arsenal der Ausbildung um das Element der Eigeninitiative. Indem die Ausbildung um Techniken militärischer Selbstführung ergänzt wurde, veränderte sich das Bild des Mannschaftssoldaten. Seit 1900 wurde er im Rahmen einer auf das Individuum zielenden normativen militärischen Subjektkultur mit biopolitischen Zügen verhandelt, die als Leitbild auch Rückwirkungen auf den Dienstalltag hatte. Ihr Ideal war der selbstständig handelnde und zugleich gehorsame Mannschaftssoldat, der die militärische Ordnung als Leitbild und Handlungsrahmen begriff.

Brian N. Hall, The American Expeditionary Forces, Communications and the First World War: A Case Study in Inter-Allied Learning

By adopting an inter-organisational learning model to the case study of the American Expeditionary Forces (AEF) Signal Corps during the First World War, this article seeks to position the neglected subject of inter-allied learning within the broader context of the contentious debates surrounding the AEF’s training and military operations. Employing American, British, and French sources, the article examines the experiences of the AEF Signal Corps, an organisation whose role and influence historians of the AEF have largely overlooked and failed to fully appreciate. It argues that although recent interpretations of the AEF’s receptivity to certain British and French methods are generally correct, they underestimate the varied and interconnected nature of the driving influences that shaped the AEF’s learning processes, as well as the collaborative and reciprocal characteristics of inter-allied learning more broadly.

Daniel R. Bonenkamp, Die Aktion »Verwüstung«. Eine ostdeutsche Desinformationskampagne gegen die Bundesrepublik

Im Herbst 1968 startete das ostdeutsche Ministerium für Staatssicherheit eine Desinformationskampagne gegen die Bundesrepublik. Darin wurde der Regierung in Bonn vorgeworfen, für eine europäische Grenzrevision die Entwicklung und Herstellung von biologischen und chemischen Kampfstoffen anzustreben und somit in die Verfügungsgewalt von Massenvernichtungswaffen zu gelangen. Die ostdeutsche Propagandakampagne zielte dabei vorrangig auf die Torpedierung der Beziehungen der westlichen Bündnispartner ab, insbesondere zwischen der Bundesrepublik und den USA. Die vorliegende Untersuchung zur Aktion »Verwüstung« weist dabei auf ein bislang fast vergessenes Forschungsfeld ostdeutscher Desinformationskampagnen hin, die das deutsch-deutsche Verhältnis während des Kalten Krieges maßgebend beeinflussten.

Eine Leseprobe finden Sie hier: mgz-2021-heft-2-leseprobe_einleitung (PDF, 125,7 KB)

Die MGZ

Die Militärgeschichtliche Zeitschrift (MGZ) ist eine der führenden deutschsprachigen wissenschaftlichen Publikationen im Bereich der Militärgeschichte und bietet in jeder Ausgabe Aufsätze und Beiträge zur aktuellen Forschung sowie Rezensionen zur Literatur aus der Militärgeschichte und aus anderen relevanten Forschungsbereichen. Die MGZ wird vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) in Potsdam herausgegeben und erscheint halbjährlich bei De Gruyter Oldenbourg.

Das Inhaltsverzeichnis dieser wie auch aller bisherigen Ausgaben der MGZ finden Sie auf der Website des Verlages De Gruyter.