Bundeswehr im Dialog

Herausforderung: Schutz der Heimat

Herausforderung: Schutz der Heimat

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500 zivile und militärische Vertreter und Vertreterinnen aus allen Bundeswehrstandorten kamen am 31. Mai 2022 in Berlin zusammen und diskutierten in verschiedenen Gesprächsformaten aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen der Bundeswehr. Das ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr war ebenfalls vertreten.

Staatsekretärin Dr. Margaretha Sudhof und Generalinspekteur Eberhard Zorn eröffneten die Veranstaltung mit zwei Ansprachen. Sie fanden eindringliche Worte, um ein Bild der aktuellen Herausforderungen zu zeichnen, denen sich die Bundeswehr gegenübersieht. Der unrechtmäßige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stellte den Dreh- und Angelpunkt der meisten Redebeiträge des Tages dar. Generalinspekteur Zorn dankte in diesem Kontext ausdrücklich allen, die in der Bundeswehr in kürzester Zeit einen Beitrag zur Verstärkung der Kräfte an der NATO-Ostflanke geleistet hatten. Zugleich betonte er, dass das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr einen neuen Schwerpunkt auf der Landes- und Bündnisverteidigung setze, anteilig aber auch alle weiteren Aufträge sichergestellt werden müssten. Die Bundeswehr müsse so aufgestellt werden, dass dies alles gleichzeitig möglich sei.

Im Anschluss an die einführenden Reden hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, an neun parallelen Workshops zu partizipieren, die aktuelle Herausforderungen der Bundeswehr thematisierten.

Bevölkerungsschutz im Kalten Krieg

Cornelia Juliane Grosse sprach im Workshop 01 „Schutz der Heimat – Der vielfältige Beitrag der Bundeswehr zum nationalen Bevölkerungsschutz“. In ihrem Impulsvortrag vermittelte sie den Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine geschichtswissenschaftliche Perspektive auf die Thematik. In Zeiten des Kalten Krieges war der Heimatschutz als substanzieller Bestandteil der Nationalen Territorialen Verteidigung geplant worden. Die Bundesrepublik fand sich zu dieser Zeit an der Nahtstelle des Kalten Krieges und ein möglicher Angriff des Warschauer Paktes bildete die Grundlage für alle militärischen Planungsszenarien. Bedeutsam für ein Funktionieren des Heimatschutzes und der Territorialen Verteidigung waren dabei unter anderem eine wirksame Zivilverteidigung und eine effektive zivil-militärische Kooperation. Denn an zahlreichen Stellen, wie etwa beim Schutz von Bevölkerungszentren, von wesentlichen Verkehrsverbindungen, von kriegs- und lebenswichtigen Betrieben sowie Vorratslagern und logistischen Einrichtungen, überschnitten sich militärischer Auftrag und zivile Schutzaufgaben.

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Cornelia Juliane Grosse erläuterte die Bemühungen der Bundesrepublik Deutschland um einen angemessenen Zivilschutz im Kalten Krieg

C.J. Grosse

Keynotes

Dr. Ulrich Pohlmann, Referatsleiter BMVgBundesministerium der Verteidigung Pol I 5, Oberst i. G.im Generalstabsdienst Frank Baumgard, Referatsleiter FüSK II 2 und Generalleutnant Jürgen Weigt waren die weiteren Vortragenden dieses Workshops. In seiner Keynote „Heimatschutz und Nationale Territoriale Verteidigung“ verwies Generalleutnant Weigt eindringlich auf die Notwendigkeit einer effektiven Organisation des Heimatschutzes, der in der Fläche und nicht nur an der Spitze wirksam aufgestellt sowie vollumfänglich ausgebildet und ausgestattet werden muss.

Workshops

Die weiteren parallelen Workshops behandelten die Themen: „Betreuung am Standort“, „PTBSPosttraumatische Belastungsstörung – Einsatzverwundete im täglichen Dienst“, „Diversity Management – Vielfalt in der Bundeswehr“, „Innere Führung verstehen, gestalten und erleben!“, „KVPKontinuierliches Verbesserungsprogramm der Bundeswehr – Mit Führungskraft zu mehr Ideen?!“, „Green Barracks – Umweltschutz und Klimaziele: Risiko oder Chance für die Bundeswehr?“, „Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KIkünstliche Intelligenz) bei Bewerbungs- und Einstellungsprozessen“ und „Weltraum“.
Ergänzt wurden die Workshops und Vorträge durch Ausstellungen, etwa die der Preisträger des 15. Kunstwettbewerbs der Bundeswehr, und Messestände, an denen sich etwa das Bundeswehr Sozialwerk oder das Zentrum Innere Führung präsentierten.

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Diskussion in einem Workshop während der Veranstaltung „Bundeswehr im Dialog“ im BCC, Berlin, am 31.05.2022

Sebastian Wilke/Bundeswehr

Diskussion

Auf die erste Inputphase der Workshops folgte eine Podiumsdiskussion im Plenum. General Zorn, Staatssekretärin Sudhof, der Parlamentarische Staatsekretär Thomas Hitschler, der Abteilungsleiter Personal Generalleutnant Klaus von Heimendahl und die Abteilungsleiterin IUDInfrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen Barbara Wießalla stellten sich den Fragen der Teilnehmer. Das kürzlich endgültig genehmigte Sondervermögen für die Bundeswehr von 100 Milliarden Euro und dessen angemessene Verteilung standen im Fokus der Diskussionen.

Im Anschluss an das Plenum folgte ein erneuter Wechsel zu den Workshops. In einer interaktiven Erarbeitungsphase setzten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit verschiedenen Fragestellungen des jeweiligen Workshop-Themas auseinander. Im Rahmen des Workshops 01 zum „Heimatschutz“ waren dies etwa, welche Bedeutung Heimatschutz und Nationale Territoriale Verteidigung für Bundeswehr und Gesellschaft haben, und welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um sowohl deren Wirksamkeit als auch die zivil-militärische Zusammenarbeit zu verbessern.

Auswertung durch die Ministerin

In einer kurzen Ergebnispräsentation, an der auch die Bundesministerin der Verteidigung, Christine Lambrecht, teilnahm, präsentierten die Workshop-Leiter die wesentlichen Ergebnisse für die einzelnen Themenfelder. Ein zentrales Ergebnis des Heimatschutz-Workshops war dabei der Hinweis auf die Bedeutung des Heimatschutzes für das gesamte Einsatzspektrum von Friedens- über Krisen- bis hin zu Kriegsszenarien. Um dessen Wirksamkeit zu stärken, wurden daher Möglichkeiten vorgeschlagen, wie die im Heimatschutz dienenden Reservistinnen und Reservisten effektiver und schneller aktiviert werden könnten. Auch eine bessere zivil-militärische Abstimmung etwa in Form von vermehrten geneinsamen Übungen wurde als wirksames Instrument bewertet.

Eine Ansprache der Bundesministerin rundete die Veranstaltung ab, die sich insgesamt als bedeutsames und wirksames Austauschforum für die Bundeswehr darstellte.

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Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht bei der Aussprache zu ihrer Rede

C.J. Grosse


von Cornelia Juliane  Grosse  E-Mail schreiben