Panzerhaubitze 2000: Automatisches Beladen und MRSI-Schießen

Panzerhaubitze 2000: Automatisches Beladen und MRSI-Schießen

  • Technik
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
2 MIN

Die Panzerhaubitze 2000 gilt als modernste Haubitze weltweit, die derzeit im Einsatz ist. International wird sie genutzt, unter anderem auch von Italien und den Niederlanden. Das Beladen läuft nahezu vollautomatisch. Mit dem MRSI-Schießen kann die Truppengröße verschleiert werden.

Soldaten vor einer Panzerhaubitze 2000 auf dem Truppenübungsplatz lösen mit einer langen Leine einen Schuss aus

Erster Schuss: Die Besatzung der Panzerhaubitze löst den ersten Schuss mit einer langen Leine aus. So sind die Soldaten im Fall einer Fehlfunktion geschützt.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Das 8,06 Meter lange Rohr der Panzerhaubitze 2000 und der Turm sind beweglich. Sie werden für jedes Ziel computergesteuert ausgerichtet. Das System berechnet auf Basis der Daten wie Stellung, Wetter und Ziel, welche Höhe und Winkel das Rohr haben muss, um das Ziel zu treffen. Der Fachbegriff lautet Steilfeuer. Mit MRSI (Multiple Rounds Simultaneous Impact), wörtlich übersetzt als mehrere Schüsse, gleichzeitiger Einschlag, ist die Panzerhaubitze somit in der Lage, mehrere Geschosse abzufeuern, die gleichzeitig im Ziel einschlagen.

Maximal 60 Geschosse fasst das Magazin im Inneren des gepanzerten Fahrzeugs. Es sind 155-Millimeter-Artilleriegeschosse. Die Beladung läuft größtenteils maschinell. Die Geschosse werden per Hand in die Ladebahn gelegt, dann automatisch ins Magazin sortiert. Welche Geschosszünderkombinationen zusammengehören, wird vorher von den Soldatinnen und Soldaten im Computer eingegeben.

Laden per Knopfdruck

Das Laden für den Schuss erfolgt per Knopfdruck automatisch. Die Besatzung – ein Fahrer, zwei Munitionskanoniere, ein Richtkanonier, ein Geschützführer – muss ihre Posten dafür nicht verlassen. Mit der Zielmeldung ist zudem festgelegt, welche Munition zum Einsatz kommt. Der Geschosstransporter greift das Geschoss, übergibt es an die Transportschiene, von dort geht es in den Geschoss-Übergabearm. Dieser schiebt das Geschoss ins Rohr.

Für das Abfeuern der Munition wird eine Treibladung benötigt. Diese setzt der zweite Kanonier an. Die Stärke der Treibladung variiert je nach Geschoss, Ziel und Entfernung. Per Knopfdruck wird das Geschoss letztlich vom Geschützführer abgefeuert.

Ziele in bis zu 30 Kilometer Entfernung können bekämpft werden. Bis zu 80 Sekunden sind die Geschosse in der Luft. „Diese Art des Feuerns nennt sich Steilfeuer, wir schießen indirekt. Das bedeutet, dass wir den Feind nicht sehen. Wir können aber auch direkt schießen, in dem wir das Rohr direkt auf den Feind richten, den wir sehen”, führt Hauptmann Martin S., Chef der 4. Batterie des Artillerielehrbataillons 325, aus.

Nahaufnahme vom Zünder eines Geschosses, daneben die Hände eines Soldaten

Neue Zünder: Die Zünder werden händisch ab- und aufgeschraubt. Sie variieren je nach Art der Zielbekämpfung.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Verschleiern der Truppengröße

„Wir haben mit MRSI die Möglichkeit, mit wenigen Geschützen enorme Wirkungen im Ziel zu erreichen. Dabei können wir noch die eigene Truppengröße verschleiern”, erklärt Hauptmann Martin S. Ein Geschütz kann ein Ziel auf bis zu fünf verschiedenen Geschossflugbahnen bekämpfen. „Der Feuerleitrechner errechnet die Flugbahnen so, dass die Geschosse trotz unterschiedlicher Abschusszeit gleichzeitig im Ziel ankommen“, so der Batteriechef. Er erläutert weiter: „Das erste Geschoss wird mit einer hohen Rohrerhöhung abgeschossen, diese wird dann schrittweise abgesenkt, um die Flugzeit der weiteren Geschosse zu verkürzen.” So schlagen fünf zeitlich unterschiedlich abgefeuerte Geschosse gleichzeitig ein.

von Amina Vieth