Als Personaloffizier an der Sanitätsakademie – trotz Behinderung

Als Personaloffizier an der Sanitätsakademie – trotz Behinderung

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Was läuft gut, wer könnte noch besser werden und wo ist ein Umsteuern nötig? In Rico Uwe Hübners Arbeitswelt dreht sich alles um Bewertung und Evaluierung, um Ausbildung und Lehrgänge. Der 36-jährige ist für Qualitätsmanagement zuständig und ist Personaloffizier an der Münchener Sanitätsakademie – trotz Behinderung.

Wie die meisten seiner Kameraden ist er ein ganz normaler Berufssoldat. Er war zunächst Feldjäger und studierte dann Pädagogik und Psychologie, um schließlich Personaloffizier zu werden. Nur seine direkten Kollegen wissen, warum er sein Büro verdunkelt und manchmal früher nach Hause geht. „Sie sehen es mir an, ohne dass wir drüber sprechen müssen.“

Porträt eines Soldaten in Uniform

Rico Uwe Hübner leidet unter chronischer Migräne. Seine Kameraden bringen ihm viel Verständnis entgegen.

Bundeswehr/Julia Langer

Diagnose: Schwerbehindert – mit einem Grad von 60 Prozent

Hübner leidet an einer starken, chronischen Migräne; er ist mit einem Grad von 60 schwerbehindert. „Früher kannte ich nicht einmal Kopfschmerzen“, erinnert er sich.

Die neurologische Erkrankung trat zum ersten Mal auf, nachdem er bei einem nächtlichen Orientierungsmarsch stürzte und sich am Rücken verletzte. „Wer vorher nie etwas hatte, ist zu Tode erschrocken, wenn plötzlich Sehstörungen auftreten und man vor Schmerzen kaum geradeaus laufen kann.“

„Man klammert sich an jeden Strohhalm“

Mehrere Jahre hat Hübner alle möglichen Therapien ausprobiert: „Man klammert sich an jeden Strohhalm.“ Doch es blieb bei den fast täglichen Migräneanfällen. Schon helles Licht oder laute Menschenansammlungen können sie auslösen.

„Irgendwann habe ich mich nur noch darauf konzentriert, wie ich am besten mit der Krankheit umgehe“, sagt er. Präventive Medikamente helfen ihm, ebenso ein sehr geregelter Tagesablauf, Ausdauersport und eine gute Arbeitseinteilung.

Drei Soldaten in einem Besprechungsraum

Eines macht Hübner nicht: Abstriche an der Qualität seiner Arbeit.

Bundeswehr/Julia Langer

Keine Abstriche bei der Arbeit – trotz Behinderung

Nur eines kommt für den Qualitätsmanager nicht in Frage: Abstriche bei seiner Arbeit. Behinderte Menschen bei der Bundeswehr müssen zwar qualitativ und nicht quantitativ beurteilt werden, denn Arbeitsausfälle dürfen ihnen nicht zum Nachteil gereichen. Doch für sich selbst wollte Hübner dieses Recht nicht in Anspruch nehmen.

„Es ist natürlich beruhigend, wenn man weiß, dass man kürzer treten könnte, so man wollte“, sagt er. „Aber mir war es unheimlich wichtig, die gleiche Leistung zu bringen wie jeder andere.“ Er möchte von seinen Vorgesetzten ausdrücklich nicht geschont werden.

Gleiche Chancen wie alle anderen

Der eigene Anspruch hat allerdings seinen Preis. Es kostet ihn große Mühe und Aufwand, mit Nichtbehinderten mitzuhalten, etwa bei den üblichen sportlichen Anforderungen an einen Soldaten. Trainieren? Nur wenn der von Medikamenten geschwächte Kreislauf mitspielt. „Und ich könnte auch nicht einfach in die Sonne rausgehen und ein paar Runden laufen.“ Abstriche muss er deshalb in seiner Freizeit machen.

„Ich bin sehr gerne Soldat“

Schon als Jugendlicher hat Hübner sich für den Soldatenberuf interessiert. „Die Struktur gefällt mir, denn Führungsprozesse und Zuständigkeiten sind klar definiert. Auch für unvorhergesehene Dinge gibt es immer einen Plan.“

Außerdem böte ihm die Bundeswehr die Möglichkeit, immer wieder neue berufliche Herausforderungen anzunehmen – in völlig unterschiedlichen Bereichen und unabhängig von seiner Behinderung. „Ich bin sehr gerne Soldat. Der Umgang miteinander ist anders. Der große Unterschied zur zivilen Welt ist die Kameradschaft.“

von Silke Mertins