Radio Andernach auf der Münchner Sicherheitskonferenz - Teil 2

Radio Andernach auf der Münchner Sicherheitskonferenz - Teil 2

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Radio Andernach - Das Thema des Tages

Wir haben es eben schon gehört: Der Klimawandel als Herausforderung für unsere Sicherheit. Im Weißbuch von 2016 steht das jedenfalls schon. Aber was kann die Erderwärmung für Folgen für die Bundeswehr haben? Unsere Radio Andernach Berlinkorrespondentin Oberleutnant Christin Junge hat mit einem Forscher der Bundeswehr Denkfabrik gesprochen. Professor Stefan Bayer arbeitet nämlich für eben dieses German Institute For Defense And Stategic Studies. Lasst uns doch aufhören zu streiten, wer jetzt Schuld hat an der Klimaerwärmung oder ob es dafür Schuldige gibt. Lasst uns lieber darauf vorbereiten, was der Klimawandel für uns ändern wird. Oberleutnant Christin Junge im Gespräch mit ihm.


Oberleutnant Christin Junge:

„Die Denkfabrik der Bundeswehr in Hamburg bündelt Erkenntnisse aus der Forschung mit militärfachlicher Expertise. Sie kann damit der Bundeswehr wie auch unserem Verteidigungsministerium immer mal wieder Impulse zu aktuellen Fragen geben. Professor Stefan Bayer ist Experte für Wirtschaftswissenschaften, arbeitete aber auch an einem Lehrstuhl für Umweltpolitik. Inwiefern also wird also der Klimawandel die Bundeswehr betreffen?“

Professor Stefan Bayer:

„Wenn wir ihn nicht vermeiden können, müssen wir uns umso mehr an die Folgen anpassen. Und da geht es beispielsweise um Katastrophenmanagement, da geht es darum, dass man versucht Streitkräfte zu ordnen, in chaotischen Systemen einzusetzen.“

Oberleutnant Christin Junge:

„Das kennen wir zum Beispiel schon Form der Amtshilfe bei Hochwassern oder Schneekatastrophen. Professor Bayer geht aber weiter …“

Professor Stefan Bayer:

„Vielleicht auch in völlig neuen Einsatzspektren, die wir bislang noch gar nicht so richtig kennen. Etwa bei der Ausbreitung pandemischer Entwicklungen aufgrund klimabedingter Viruserkrankungen oder bakteriologische Erkrankungen. Überall können Streitkräfte eine ganz wesentliche Rolle dazu einnehmen.“

Oberleutnant Christin Junge:

„Der Klimawandel betrifft Armeen also in verschiedenen Facetten. Erinnern wir uns an die Buschfeuer in Australien zum Beispiel, bei denen tausende Reservisten unterstützt haben. Die Herausforderung Erderwärmung betrifft dabei Streitkräfte auf der ganzen Welt, so der Wissenschaftler.“

Professor Stefan Bayer:

„In anderen Ländern findet so etwas bereits statt. In Südamerika werden Streitkräfte geliebt dafür, dass sie solche Dinge umsetzen können. Und sie sind meist die einzigen Akteure, die nach schlimmen Sturmfluten, nach schlimmen Überschwemmungen, nach schlimmen sonstigen Katastrophen überhaupt noch etwas leisten können.“

Oberleutnant Christin Junge:

„Vor allem in Krisensituationen behalten Militärs den Überblick. Sie sind außerdem hohe Belastungen gewöhnt. Klimawandel bringt Naturkatastrophen mit sich. Ganz zu schweigen aber die möglichen Ressourcenknappheiten, die Migration. Professor Stefan Bayer von der Denkfabrik der Bundeswehr wünscht sich deshalb:“

Professor Stefan Bayer:

„Wir müssen gucken, dass wir diese sicherheitspolitischen Phänomene so einordnen, dass alles, was die humanitäre Sicherheit in irgendeiner Form bedrohen kann, auch mit Streitkräfteeinsätzen versuchen zu bearbeiten, so lange es geht. Aber Streitkräfte natürlich immer einordnen in den gesellschaftlichen Instrumentenkasten. Einen ganz breiten ressortübergreifenden Ansatz, dass das schlimmste an Übeln von uns abgewandt werden kann.“

Oberleutnant Christin Junge:

„Die Bundeswehr konnte in der Vergangenheit immer wieder zeigen, dass sie zur Stelle ist. Auf den Klimawandel aber, mit all seinen Tücken und Herausforderungen, müssen wir uns langfristig einstellen.“

Vielen Dank, Oberleutnant Christin Junge im Gespräch mit Professor Stefan Bayer. Übrigens haben wir bereits während der Recherche zu dem Thema gesagt: da haken wir mal nach! Zum Beispiel wie Armeen unabhängiger von Öl werden können, welche Pilotprojekte es schon international gibt oder einfach beim BMVG wie die Strategie der Bundeswehr dazu aussieht. Spannend!

Interview mit der Verteidigungsministerin

Radio Andernach auf der MSCMunich Security Conference 2020: Letzte Woche fand in München die größte internationale Sicherheitskonferenz statt. Thema: Die sogenannte „Westlessness“. Das ist ein Kunstwort aus dem Englischen und heißt so viel wie „die Westlosigkeit“. Also, dass wir, die westlichen Staaten, in der Welt an Bedeutung verlieren.
Gut, das ist erstmal nur eine These. Fakt ist aber: Die westlichen Staaten sortieren sich gerade neu. Europa kümmert sich um eine eigene Verteidigung, demgegenüber stehen dann aber auch nationale Alleingänge. Oberleutnant Christin Junge sprach auf der Konferenz mit unserer Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer.
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