Tiermedizin: Gesundheit von Mensch und Tier schützen

Tiermedizin: Gesundheit von Mensch und Tier schützen

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Wie die Tätigkeit einer Tierärztin oder eines Tierarztes im zivilen Leben aussieht, ist den meisten Menschen bekannt. Aber warum gibt es Tierärzte bei der Bundeswehr und was ist deren Aufgabe? Ein Blick hinter die Kulissen des vielschichtigen und spannenden Aufgabengebiets der Veterinärmedizin bei der Bundeswehr.

Vielschichtig und spannend

Als Tierarzt oder Tierärztin bei der Bundeswehr bewegt man sich in einem extrem vielseitigen und spannenden Kompetenzspektrum. Veterinärmedizinische Aspekte des Vorbeugenden Gesundheitsschutzes und ebenso die klassischen Aufgabenfelder der Tiermedizin gehören zu dem breiten Aufgabengebiet im Veterinärwesen der Bundeswehr. Ein Einsatz für die Gesundheit von Mensch und Tier! Hierzu gehört:

  • Die Sorge für „sichere“ Lebensmittel.
  • Die Verhütung und Bekämpfung von Tierseuchen.
  • Die Überwachung der Einhaltung von Reisebestimmungen.
  • Der Schutz der menschlichen Gesundheit vor Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind wie beispielsweise die Tollwut.
  • Der Tierschutz bei bundeswehreigenen Tieren und solchen, die im Bereich der Bundeswehr gehalten werden. Hierzu zählen auch Nutz- und Wildtiere auf Truppenübungsplätzen und private Tierhaltung in Kasernen.
  • Die praktische Arbeit zum Wohl unserer „vierbeinigen Kameraden“, den Diensthunden, Mulis und Pferden der Bundeswehr.
Eine Veterinärmedizinerin untersucht ein Hundebein

Ein vielschichtiges Betätigungsfeld in der Veterinärmedizin erwartet die Tierärzte und Tierärztinnen bei der Bundeswehr.

Bundeswehr/ Michael Bock

Neben der rein fachlichen Tätigkeit sind die Tierärzte der Bundeswehr aber auch Offiziere und somit für Führung, Ausbildung und Erziehung ihrer Soldatinnen und Soldaten verantwortlich. Aber ohne die Vielzahl an Ausbildungsberufen in der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere wären diese Aufgaben nicht zu bewältigen. Da sind unter anderem zu erwähnen die Veterinärmedizinisch-technische Assistenten (VMTA), Tiermedizinischen Fachangestellten, Tierpfleger, Hufbeschlagsschmiede, Verpflegungsfeldwebel – die meistens zugleich Koch sind, und Gesundheitsaufseher.

Veterinärmediziner in vielen Bereichen vertreten

Im Zusammenhang mit einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung gewinnt auch die Veterinärmedizin im Schulterschluss mit den anderen Fachrichtungen immer mehr an Bedeutung. Bei der Bundeswehr gibt es ungefähr 90 Veterinärmedizinerinnen beziehungsweise Veterinärmediziner. Zahlenmäßig zwar die kleinste Approbation neben Human-, Zahnmedizin und Pharmazie, jedoch nicht weniger durchschlagskräftig.

Die Tierärztinnen und Tierärzte der Bundeswehr, sowie die VMTAs leisten ihren Dienst in Dienststellen von Bad Reichenhall im Süden bis Kiel im Norden Deutschlands. Darunter befinden sich unter anderem:

  • Die Zentralen Institute des Sanitätsdienstes in Kiel und München mit ihren Außenstellen in Berlin und Koblenz, deren Schwerpunkt die Untersuchung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Proben tierischen Ursprungs ist.
  • Die Überwachungsstellen des Sanitätsdienstes, Nord, Ost, Süd und West, die als „Veterinärämter“ für die Einhaltung der Vorschriften des Gesundheits- und Verbraucherschutzes und des Veterinärwesens zuständig sind.
  • Die Schule für Diensthundewesen und das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230, wo die klassisch kurative Arbeit als Tierärztin und Tierarzt  im Vordergrund steht.
  • Das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr als fachlich führende Kommandobehörde.
  • Die Sanitätsakademie der Bundeswehr mit Dienstposten im Bereich Tierschutz, Forschung und Ausbildung.
  • Das Institut für Mikrobiologie und das Institut für Pharmakologie und Toxikologie, deren Aufgabe die Spezialdiagnostik, Beratung, Forschung und Weiterentwicklung ist. Die Task-Force-Komponenten dieser Institute können jederzeit, auch bereits bei dem Verdacht auf einen ungewöhnlichen Krankheitsausbruch in Einsatzgebieten der Bundeswehr innerhalb von wenigen Stunden an jeden Ort in der Welt verlegt werden.

Auslandseinsätze

Die Tierärzte der Bundeswehr sind vor allem im Auslandseinsatz als „Allrounder“ in der Lebensmittel- und Trinkwasseruntersuchung, bei der Überwachung der Lebensmittelhygiene in Truppen- und Feldküchen, der Risikobewertung der Tierseuchen- und Zoonosenlage, aber auch der Behandlung von Diensttieren gefordert. Deshalb absolviert jeder Bundeswehrtierarzt zusätzlich zu der militärischen Ausbildung vor dem Einsatz einige Spezial-Lehrgänge. Hierzu zählen:

  • der Sachkundenachweis zum Umgang mit Blasrohr und Betäubungsmittelgewehr,
  • die Gefahrtierschulung, in der man den Umgang mit Gifttieren erlernt und übt,
  • der Lehrgang zur tiermedizinischen Versorgung von Diensthunden und
  • eine Einweisung und Schulung in den veterinärmedizinischen Laborcontainer.
Eine Tierärztin untersucht einen Diensthund

Eine Tierärztin untersucht einen Diensthund nach dessen Einsatz im Rahmen der Mission MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali in Gao, Mali.

Bundeswehr/ Marcus Schaller

Hierbei handelt es sich um einen Container, der mit seiner Ausstattung auf die speziellen Aufgaben eines Veterinärs und seines Veterinärmedizinisch-technischen Assistenten (VMTAs) im Einsatz ausgelegt ist. Auf engstem Raum befindet sich alles, was ein Labor zur Diagnostik benötigt.

Im Einsatz werden Tierärzte auch mit Fragestellungen konfrontiert, die zum Querdenken und manchmal auch zum Improvisieren veranlassen. Beispielsweise wenn Giftschlangen, Skorpione oder streunende Hunde, die Überträger verschiedener Krankheiten sein können wie auch der Tollwut, sich im Lager tummeln. Geht nicht, gibt’s nicht! In diesen Fällen werden die Tiere tierschutzkonform eingefangen und außerhalb des Lagers wieder in die freie Wildbahn entlassen.

Ebenfalls ein großes Thema stellt hier die Tierseuchenprophylaxe dar. Menschen, Tiere und Material werden von Deutschland in die Einsatzländer und auch wieder zurück transportiert. Dabei können Verschmutzungen, Anhaftungen, Mitbringsel, Nager, Insekten und nicht erkannte Infektionen ein Risiko darstellen. Es gilt unbedingt zu vermeiden, dass auf diesem Weg Tierseuchenerreger zum Beispiel der Maul- und Klauenseuche oder der Afrikanische Schweinepest Einzug in Deutschland halten können. Damit dies nicht passiert, tragen die Tierärzte vor Ort die Verantwortung für entsprechende Information der Truppe und eine fachgerecht durchgeführte Tierseuchenprophylaxe bevor Mensch, Tier oder Material die Heimreise antreten.

Breit aufgestellt

Die unterschiedlichen Aufgaben bieten den Tierärztinnen und Tierärzte der Bundeswehr ein vielfältiges Betätigungsfeld. Mit ihren Erfahrungen aus Tätigkeiten im In- und Ausland sind die Tierärzte in Flecktarn mit ihrer fachlichen Expertise und ihren Fähigkeiten auch im internationalen Kontext gefragt. Verantwortung, soldatische und fachliche Professionalität vom Dienst daheim bis zum Auslandseinsatz!


von Carolin Lauck