Timber Express – Taktische Datenlinks

Timber Express – Taktische Datenlinks

  • Digitalisierung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Kropp
Lesedauer:
3 MIN

Timber Express ist eine Übung für taktische Datenlinks. Gastgeber in 2020 ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Schleswig-Holstein. Im Zentrum der Übung steht der Datenaustausch mittels verschiedender Datenlinks unter Einhaltung verschiedener NATONorth Atlantic Treaty Organization-Geheimhaltungsgrade. Daten sollen zwischen see-, land- und luftgestützten Systemen ausgetauscht werden.

Verschiedene Link-Netzwerke arbeiten über Schnittstellen zusammen

Dank taktischer Datenlinks können unterschiedlichste Waffensysteme miteinander militärische Daten in nahezu Echtzei austauschen

Bundeswehr/Bundeswehruniversität München

Wo sind meine Verbündeten? Welche gegnerischen Flugzeuge sind im Luftraum? Was für ein Schiff schwimmt auf dem Meer? Wie ist das Wetter an meinem Zielflughafen? Das sind nur ein paar der Fragen, die ein Luftfahrzeugführer jederzeit beantwortet haben muss. Selbst in der heutigen Zeit müssen viele operativ notwendige Daten wie z.B. Positionsdaten akribisch über Sprechfunk übermittelt werden. Dies kostet Zeit und ist anfällig für Fehler bei einer schlechten Verbindung oder aufgrund sprachlicher Barrieren, da die Sprache der Luftfahrt Englisch ist. Mittlerweile werden Daten automatisch mittels optimierter Nachrichten oder schlicht und simpel per Textnachricht zwischen verschiedenen Einheiten und Systemen ausgetauscht – vorausgesetzt, sie sind über taktische Datenlinks verbunden. 

Was sind taktische Datenlinks?

Taktische Datenlinks sind Daten-Verbindungen zwischen mehreren Waffensystemen via Kabel oder Funk. Über diese Verbindungen ist es dann möglich, Daten in nahezu Echtzeit, stör- und abhörsicher auszutauschen. Das passiert zum Großteil automatisiert. Die Datenlinks sind teilweise resistent gegen elektronische Störmaßnahmen und verschlüsseln die übertragenen Daten, so dass nur Teilnehmer der Link-Netzwerke Zugriff auf die Daten haben.

Was sind die Unterschiede?

Entsprechend der Anwendungsfälle – Übertragung von taktischen Daten für Heer, Luftwaffe und Marine – wurden unterschiedliche Datenlinks entwickelt. Diese unterscheiden sich vorwiegend in der Art der Übertragung, der Datenübertragungsrate, der Übertragungsgeschwindigkeit und der Fähigkeit, die Daten zu verschlüsseln. Folgend die von der Bundeswehr genutzten Datenlinks im Überblick:

Art des Links

Terrestrisch (Kabel)

Funk

Übertragungsrate

Nutzung

Link 1

X

600-2400 bps

Austausch von Luftlagedaten zwischen militärischen Luftraumüberwachungszentralen

Link 11

X

1090-1800 bps

Austausch von taktischen Daten der Seestreitkräfte

Link 11B

X

600-2400 bps

Austausch von taktischen Luftlagedaten der Flugabwehrraketenkräfte

Link 16

X

26880 bps

Austausch von Luftlagedaten

Link 22

X

1422-12667 bps

Austausch von taktischen Daten der Seestreitkräfte; Weiterentwicklung von Link 11

CESMO

X

16000 bps

Austausch von Parametern und Lokalisationen von elektrischen/Elektronischen Emittern

VMF

X

16000 bps

Das Variable Message Format (VMF) wird für die Anforderung von Feuerunterstützung aus der Luft genutzt

Wie funktionieren Datenlinks?

Taktische Datenlinks, und speziell solche, die über Funk arbeiten, sind im Prinzip vergleichbar mit Messenger-Gruppen auf Smartphones. Sobald eine Person eine Nachricht oder ein Bild teilt, dann sehen es automatisch alle anderen Mitglieder in dieser Gruppe – jeder bekommt grundsätzlich also alles mit. Es ist aber gleichzeitig möglich, einzelne Personen in der Gruppe direkt zu kontaktieren. So ähnlich funktioniert es bei modernen Datenlinks.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus dem militärischen Alltag: Bodenstationen, Flugzeuge, Schiffe und Landeinheiten sind in einem Link-16-Netzwerk und tauschen Daten miteinander aus. Die Daten werden dann mit allen anderen Nutzern im Netzwerk geteilt und korreliert, also abgeglichen damit es keine Dopplungen gibt. Mit Sensoren erfasste Objekte werden untereinander ausgetauscht und zur Anzeige gebracht. Eine Fregatte in der Nordsee kann so sehen, was die Luftraumüberwachungszentrale in Schönewalde und der Eurofighter im Luftraum über Laage sehen. Selbst wenn ihr eigenes Radar gar nicht alles erfassen kann. Jeder Nutzer sieht also alles und vor allem hat jeder dieselben Informationen. 

Timber Express 2020

In Jagel wird nun vom 15. bis 19. Juni 2020 die Vermaschung und Nutzung von Datenlinks trainiert. Dazu werden verschiedene Netzwerke etabliert, an denen sich Vertreter der Organisationsbereiche der Bundeswehr beteiligen. Ziel ist der Austausch von Daten zwischen fliegenden Plattformen wie z.B. Eurofighter, Tornado und P-3C Orion und einer E-3A NATONorth Atlantic Treaty Organization AWACSAirborne Early Warning and Control System. Des Weiteren sind Schiffe der Marine und verbündeter Streitkräfte wie z.B. der niederländischen Marine ebenso eingebunden wie Elemente der Elektronischen Kampfführung. 

von Stephan Prietzel