Verteidigung und Bundeswehr: Die Landes- und Bündnisverteidigung

Die Verteidigung ist der wichtigste Auftrag der Bundeswehr: Während bei der Landesverteidigung der Bevölkerungsschutz auf dem deutschen Hoheitsgebiet im Fokus steht, arbeitet die Bundeswehr bei der Bündnisverteidigung eng verzahnt mit Streitkräften anderer Nationen zusammen – und kämpft dabei unter Umständen auch auf deren Territorium.

Ausbilder erklärt den Soldaten den Ablauf am Sandkasten
Bundeswehr/Marco Dorow
  • 12 Aktuelle Auslandseinsätze

  • 1955 Mitglied der NATONorth Atlantic Treaty Organization

  • 1957 Mitglied EWG, später EUEuropäische Union

Bundeswehr und Verteidigung: Was ist Landesverteidigung?

Die Landesverteidigung ist die unmittelbare militärische Verteidigung der Bundesrepublik und ihrer Bürgerinnen und Bürger gemäß Artikel 87a des Grundgesetzes. Dabei greift die Bundeswehr auf militärische und zivile Fähigkeiten zurück. Zusätzlich zu den aktiven Streitkräften mobilisiert sie auch die Reserve sowie Leistungen der gewerblichen Wirtschaft. Deutschland kann bei der Landesverteidigung außerdem auch auf die militärische Hilfe von Streitkräften verbündeter Staaten zählen. Dies geschieht auf Basis völkerrechtlicher Verträge wie dem NATONorth Atlantic Treaty Organization-Vertrag und dem EUEuropäische Union-Vertrag.

Bundeswehr und Verteidigung: Was ist Bündnisverteidigung?

Angetretene Soldaten hinter der NATO-Flagge

NATONorth Atlantic Treaty Organization-Truppen treten unter ihrer gemeinsamen Flagge an. Auch Deutschland hat sich dem Prinzip der Bündinsverteidigung verpflichtet – so wie es Artikel 5 des Nordatlantikvertrags vorsieht.

Bundeswehr/Marco Dorow

Seit 1955 ist die Bundesrepublik ein Partner im Bündnis der NATONorth Atlantic Treaty Organization (North Atlantic Treaty Organization). Diese Schutz- und Wertegemeinschaft von aktuell 29 Staaten steht vor allem für die Kollektive Verteidigung der Mitgliedsstaaten, die in Artikel 5 des NATONorth Atlantic Treaty Organization-Vertrages geregelt ist. Darin haben die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Staaten vereinbart, dass sie sich gegenseitig beizustehen und im Konfliktfall gemeinschaftlich agieren.

Außerdem gilt für die Bundesrepublik die Beistandspflicht in der Europäischen Union. In Artikel 42 Absatz 7 des EUEuropäische Union-Vertrages heißt es, dass im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedsstaates alle anderen Mitgliedsstaaten nach eigenem Ermessen mit Hilfe und Unterstützung zur Seite stehen.

Was bedeutet das konkret für die Bundeswehr?

Soldat kniet am Boden und schießt mit der Panzerfaust

In der Verteidigung setzt die Truppe ihr militärischen Fähigkeiten ein – dazu gehört auch das Schießen mit einer Panzerfaust.

Bundeswehr/Dana Kazda

Abgeleitet aus ihrem Auftrag verteidigt die Bundeswehr Deutschland, dessen Staatsbürger sowie Bündnispartner und schreckt potenzielle Gegner ab. Folgende Aufgaben nimmt die Bundeswehr laut Weißbuch 2016 dabei wahr:

  • Verteidigung des deutschen Hoheitsgebiets sowie Maßnahmen zur Abschreckung und somit zur Friedenssicherung und strategischen Stabilität
  • Abwehr von Angriffen auf das Hoheitsgebiet von Bündnispartnern
  • Abwehr von terroristischen und hybriden Bedrohungen (das ist die Kombination aus militärischen und weiteren, beispielsweise digitalen, Angriffsmethoden)
  • Festigung der transatlantischen und europäischen Verteidigungsfähigkeit
  • Rückversicherung und Unterstützung von Bündnispartnern im Rahmen der Bündnissolidarität

Wie arbeitet bei der Verteidigung die Bundeswehr mit anderen Streitkräften zusammen?

Die Bundeswehr arbeitet auf zahlreichen Ebenen mit anderen Streitkräften zusammen. Dabei gibt es zwei zentrale Konzepte: Beim „Host Nation Support (HNSHost Nation Support)“ wird Deutschlands geographische Lage im Zentrum Europas betont, das „Framework Nations Concept (FNCFramework Nations Concept)“ zielt auf die militärische Spezialisierung der Bundeswehr ab.

Was ist der „Host Nation Support“ (HNSHost Nation Support)?

Mit dem Begriff „Host Nation Support“ wird die die Unterstützung verbündeter oder befreundeter Streitkräfte im eigenen Land bezeichnet – beispielsweise bei ihren Einsätzen, Übungen oder Operationen. Als Transitland für andere Bündniskräfte übernimmt Deutschland logistische Aufgaben für Partnerstaaten.  So gehören Verlegung, Versorgung, Sicherung und Koordinierung zu den Kernaufgaben, auf die Bündniskräfte aus NATONorth Atlantic Treaty Organization und EUEuropäische Union zurückgreifen können.

Zwei Soldaten stehen zwischen militärischen Fahrzeugen, die im Hafen vom Schiff rollen

Ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft: Deutschland ermöglicht befreundeten Streitkräften einen reibungslosen Transport von Fahrzeugen und Ausrüstung.

Bundeswehr/Nicole Diedrichsen

Was ist das „Framework Nations Concept” (FNCFramework Nations Concept)?

Im von der Bundesrepublik angestoßenen Rahmennationenkonzept (Framework Nations Concept, FNCFramework Nations Concept) haben sich europäische Staaten auf die zielorientierte Weiterentwicklung ausgewählter militärische Fähigkeiten geeinigt. Dem Konzept liegt die Idee zugrunde, dass ein Staat – eine sogenannte „Rahmennation“ – die militärische Grundausstattung stellt und kleinere Staaten dazu Spezialfähigkeiten einbringen. Die NATONorth Atlantic Treaty Organization hat insgesamt drei Rahmennation-Konzepte: Ein deutsches, ein britisches und ein italienisches. Auch auf EUEuropäische Union-Ebene gibt es ein vergleichsbares Konzept: Das „EUEuropäische Union Framework Nation Concept“.v


An welchen anerkannten Missionen ist die Bundeswehr beteiligt?

Neben den internationalen Militäreinsätzen beteiligt sich die Bundeswehr im Rahmen ihrer NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnerschaft auch an anerkannten Missionen. Sie ähneln Einsätzen, sind ihnen aber rechtlich nicht gleichgestellt, da sie nicht vom Bundestag beschlossen werden. Mit diesen Missionen sowie durch gemeinsame NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übungen trainiert und stärkt die Bundeswehr ihre Einsatzbereitschaft und die gemeinsame Fähigkeit zur Bündnisverteidigung. Anerkannte Missionen sind:

Deutsche und niederländische Soldaten beim Antreten

Das deutsch-niederländische Korps wurde 1995 aufgestellt. Im multinationalen Verband sind aktuell zwölf Nationen vertreten.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Die Enhanced Forward Presence – ein Beitrag zur Bündnisverteidigung

Im Zuge der Annexion der Krim durch Russland beschloss die NATONorth Atlantic Treaty Organization im Juli 2016 das „Enhanced Forward Presence“-Programm. Dieses sieht vor, an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Außengrenze in Polen und in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen jeweils ein multinationales Bataillon, eine sogenannte Battlegroup, einzusetzen. Die Bundeswehr führt einen solchen Verband in Litauen, der etwa 1.200 Soldatinnen und Soldaten umfasst.

Air Policing Baltikum – Sicherung des Luftraumes

Das „Air Policing Baltikum“ ist eine NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission mit dem Ziel, den Luftraum der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zu überwachen. Seit dem Beitritt der drei Staaten zur NATONorth Atlantic Treaty Organization 2004 haben verschiedene Bündnispartner im Wechsel diese Aufgabe übernommen.

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