Beauftragte für Reservistenangelegenheiten

Gemeinsam überwachen sie die Umsetzung der Vorgaben in allen Reservistenangelegenheiten.

Portrait von Generalleutnant Laubenthal im Dienstanzug

Stellvertreter des Generalinspekteurs und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr - Generalleutnant Laubenthal

Sebastian Wilke/Bundeswehr

Aufgaben der Beauftragten für Reservistenangelegenheiten

Der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr ist der Beauftragte für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr.

Er legt die Schwerpunkte für die Reservistenarbeit der Bundeswehr sowie den Reservistenverband und den Beirat für Reservistenarbeit fest.

Gemeinsam mit den anderen Beauftragten für Reservistenangelegenheiten überwacht er die Zielumsetzung in allen Reservistenangelegenheiten. Er vertritt die Reservistenarbeit in der Öffentlichkeit, mit den in der Reservistenarbeit tätigen Verbänden und Vereinigungen, den führenden Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie sonstiger Spitzenverbände.

Die fachlich zuständige Stelle im Bundesministerium der Verteidigung unterstützt ihn bei der Erfüllung dieser Aufgaben und bindet das Kompetenzzentrum Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr dabei ein.

Interview: „11 Fragen, 11 Antworten zur Reserve“

Generalleutnant Markus Laubenthal ist seit April 2020 Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und damit zugleich Beauftragter für Reservistenangelegenheiten. Im Interview erklärt er was er von der Reserve der Zukunft erwartet.

General Laubenthal sitzend am Schreibtisch

GenLt Laubenthal mit der SdRStrategie der Reserve in seinem Dienstzimmer

2021 Bundeswehr / R. Alpers

Herr General, warum nimmt die Reserve der Bundeswehr eine immer größere Bedeutung ein?

Die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre haben in der NATO und in Deutschland zur Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) geführt. Insbesondere gewährleisten wir im Rahmen der LV/BV mit der Reserve einen schnellen Aufwuchs, verstärken die Einsatzbereitschaft und erhöhen die Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr. Darüber hinaus benötigen wir unsere Reserve zum Schutz der Heimat und zur Unterstützung verbündeter Truppen im Rahmen des Host Nation Support.

Welche Bereiche innerhalb der Bundeswehr sind besonders auf Reservistinnen und Reservisten angewiesen?

Unsere Reservistinnen und Reservisten werden zukünftig im gesamten Aufgabenspektrum der Bundeswehr eingesetzt. Jedoch muss der Fokus sehr viel deutlicher als bisher auf die Ergänzungstruppenteile der Militärischen Organisationsbereiche und die Truppenteile der Heimatschutzkräfte gelegt werden.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Umsetzung der Strategie der Reserve?

Die Strategie der Reserve (SdR) sieht die Entwicklung der Reserve zu einem vollumfänglich einsatzbereiten integralen Bestandteil der Bundeswehr vor, der gemeinsam mit der aktiven Truppe jeden militärischen Auftrag erfüllen kann.

Wie wollen Sie das realisieren, und vor allem bis wann?

Wir haben eine Vielzahl von notwendigen Maßnahmen in den Handlungsfeldern Personal, Organisation, Material und Ausrüstung sowie Infrastruktur identifiziert. Die Umsetzung hat bereits begonnen. Es kommt mir vor allem darauf an, dass die Entwicklung der Reserve spürbar und sichtbar wird. Das fängt mit kleinen Schritten an. Ein konkretes Beispiel: Aktuell werden die Führungskräfte der Reserve sehr viel schneller mit der notwendigen IT ausgestattet. So werden sie für ihre Führungsaufgaben gestärkt und die Führungsfähigkeit sichergestellt.

Was die Aspekte Zeit und Ressourcen betreffen, so folgt die SdR den Vorgaben des aktuell gültigen Weißbuches sowie der Konzeption der Bundeswehr und dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr. Das bedeutet für Aufbau und Modernisierung ein schrittweises Vorgehen in einem Planungshorizont bis zum Jahr 2032+. Aber unabhängig von diesem Vorgehen gibt es die Reserve ja schon und ich will die Einsatzbereitschaft der vorhandenen Einheiten verbessern. Hier kommt es mir darauf an, ihre personelle Befüllung, ihre materielle Ausstattung und ihren Ausbildungsstand so zu gestalten, dass unsere Reserve mit kurzer Reaktionszeit eingesetzt werden kann.

Was hat sich seit Herausgabe der SdRStrategie der Reserve 2019 bis zum heutigen Tage bereits sichtbar getan?

Deutlich sichtbar sind die Weiterentwicklungen im Bereich der Territorialen Reserve (TerrRes). Hier geht der Pilotversuch Landesregiment Bayern in die letzte Phase. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der TerrRes ein. Wir wollen fünf Heimatschutzregimenter und 42 Heimatschutzkompanien bis 2025 aufstellen. Der Start der Grundbeorderung (GBO) zum 1. Oktober 2021 ist ein weiterer sichtbarer Schritt und wichtige Grundlage für eine robuste Personallage.

Die Grundbeorderung gilt als ein Kernelement der SdRStrategie der Reserve. Was ist unter der GBO zu verstehen?

Die GBO ist die grundsätzliche Einplanung aller wehrdienstfähig aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten für einen Zeitraum von sechs Jahren. Dies gilt allerdings nur für diejenigen Soldatinnen und Soldaten, die an dem Tage ihres Dienstzeitendes das 57. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In erster Linie orientieren wir uns bei der Beorderung natürlich an Qualifikationen und militärischen Fähigkeiten. Aber auch die persönlichen Präferenzen sollen Berücksichtigung finden. Außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalles wird weiter an dem Prinzip der Freiwilligkeit des Reservistendienstes festgehalten. Kurzum, jedem und jeder, der die Streitkräfte verlässt, wird ein Dienstposten im Rahmen der GBO zugewiesen, aber niemand wird gegen seinen bzw. ihren Willen in diesen sechs Jahren der GBO herangezogen.

Welches Ziel soll durch die GBO erreicht werden?

Wir verfolgen mit der GBO das Ziel, Grundlagen für den zügigen Aufwuchs in einem Bereitschafts-, Spannungs- oder Verteidigungsfall zu schaffen. Die wehrdienstfähig aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten tragen für den festgelegten Zeitraum von sechs Jahren mit ihren militärischen Qualifikationen zur personellen Bedarfsdeckung der Truppen- und Territorialen Reserve bei.

Sie haben die Aufgabe des Beauftragten für Reservistenangelegenheiten im April 2020 übernommen. Welche Ziele verfolgen Sie langfristig?

Im Sinne der SdR möchte ich den Imagewechsel der Reserve vorantreiben. Für mich bedeutet dies, dass wir die Fähigkeiten der Reservistinnen und Reservisten optimal einsetzen, sie aber auch aktiv weiterentwickeln. Ihr Dienst muss zu ihren zivilen Lebensmodellen passen. Daher sollten wir aktiver für Fort- und Weiterbildung im Dienst werben, unbürokratischer werden und eine gute Partnerschaft mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern unserer Reservistinnen und Reservisten entwickeln. Und wie bereits erwähnt liegt mir eine einsatzbereite Reserve besonders am Herzen.

Wie sehen Sie mit Blick auf die Umsetzung der Strategie die Rolle der Allgemeinen Reserve?

Die Angehörigen der Allgemeinen Reserve nehmen einen besonderen Stellenwert bei der Umsetzung der Strategie ein. Sie sind ein Garant für den Aufwuchs der Bundeswehr im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung und damit für die Erfüllung des militärischen Auftrages. Mir ist die querschnittliche Aus- und Fortbildung sowie die Information der unbeorderten Reservistinnen und Reservisten sehr wichtig. Hier unterstützen uns die in der Reservistenarbeit tätigen Verbände, insbesondere der Verband der Reservisten der Bundeswehr, und Vereinigungen tatkräftig. Unsere Reservistinnen und Reservisten übernehmen eine wesentliche Mittlerfunktion für die Bundeswehr in der Gesellschaft.

Welchen Appell richten Sie an die am Reservistendienst interessierten jungen Menschen?

Den jungen Menschen möchte ich sagen: Unsere Bundeswehr braucht Sie mit Ihren individuellen Fähigkeiten. Sie können sich damit sinnvoll und abwechslungsreich einbringen. Engagieren Sie sich tatkräftig in der Reserve!

Weitere Informationen zur Reservistenarbeit der Bundeswehr

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