Beauftragte für Reservistenangelegenheiten

Gemeinsam überwachen sie die Umsetzung der Vorgaben in allen Reservistenangelegenheiten.

Aufgaben der Beauftragten für Reservistenangelegenheiten

Der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr ist der Beauftragte für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr.

Er legt die Schwerpunkte für die Reservistenarbeit der Bundeswehr sowie den Reservistenverband und den Beirat für Reservistenarbeit fest.

Gemeinsam mit den anderen Beauftragten für Reservistenangelegenheiten überwacht er die Zielumsetzung in allen Reservistenangelegenheiten. Er vertritt die Reservistenarbeit in der Öffentlichkeit, mit den in der Reservistenarbeit tätigen Verbänden und Vereinigungen, den führenden Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie sonstiger Spitzenverbände.

Die fachlich zuständige Stelle im Bundesministerium der Verteidigung unterstützt ihn bei der Erfüllung dieser Aufgaben und bindet das Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr dabei ein.

Interview: „Unsere Reserve neu denken“

Vizeadmiral Joachim Rühle ist seit 2017 Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und damit zugleich Beauftragter für Reservistenangelegenheiten. Im Interview mit der Redaktion der Bundeswehr vom März 2019 erklärt er, was er von der Reserve der Zukunft erwartet.

Vizeadmiral Joachim Rühle im Interview.

Der Beauftragte für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, im Interview zur Reserve der Bundeswehr.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Herr Admiral, es gibt im Moment rund 25.000 aktive Reservisten in Deutschland. Welche Bedeutung haben sie für die Bundeswehr?

Die Reservisten sind sehr wichtig und werden noch wichtiger werden. Wir sehen dies gerade bei der Neuausrichtung und der neuen Konzeption der Bundeswehr. In den vergangenen Jahren stand die Personalreserve im Fokus. Wir brauchen die Reservisten, um unsere Einsätze abzudecken und vor allem im Inland, um Soldaten in den Einsätzen oder Vakanzen zu ersetzen. Mit der gestiegenen Bedeutung der Landes- und Bündnisverteidigung wird sich der Blick aber deutlich verändern.

In den 1990er Jahren ist die Zahl der Reservisten stark gesunken. Werden sie als Scharnier zwischen Truppe und Gesellschaft nicht mehr gebraucht?

Die Reduzierung der Reserve ging einher mit der damaligen Ausrichtung der Bundeswehr, die sich immer stärker auf Auslandseinsätze konzentriert hat. Dementsprechend entwickelten sich auch die Aufgabenschwerpunkte der Reservisten. Die Scharnierfunktion in der Gesellschaft hat sich aber nicht verändert. Im Gegenteil, die Reserve trägt maßgeblich zum Bild der Bundeswehr in der Öffentlichkeit bei. Engagierte Reservisten sind wichtige Multiplikatoren – darüber sind wir sehr dankbar.

Warum wird das Thema Reserve wieder wichtiger?

Der Grund ist die offensichtliche sicherheitspolitische Entwicklung. Wir lebten lange in einer friedlichen Welt, umgeben von Freunden und Partnern. Beginnend mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 hat sich die Weltlage gravierend verändert. In der neuen Konzeption der Bundeswehr steht die Landes- und Bündnisverteidigung wieder gleichrangig zu den Auslandseinsätzen. Für die Reserve heißt das im Klartext: ein neuer Aufgabenschwerpunkt. Allein unter dem Aspekt der Inneren Führung müssen wir die Reservisten auf ihre neuen Aufgaben vorbereiten. Veränderungen müssen ordentlich kommuniziert werden. Daher ist das Thema Reserve derzeit so präsent.

Die Reserve soll wieder wachsen. Welche Größe streben Sie an und wie wollen Sie die Zielmarke erreichen?

Die Neuausrichtung der Bundeswehr verlangt ein anderes Fähigkeitsprofil. Dazu gehört ein Aufwuchs an Personal und Material. Ich habe den Abteilungsleiter Planung und meinen „Beraterkreis“ – die Stellvertretenden Inspekteure der Teilstreitkräfte – beauftragt zu beziffern, wie viele ihrer Aufgaben von Reservisten abgedeckt werden können und müssen. Es ist derzeit noch zu früh, um die genaue Zahl abgeleitet zu beziffern. Ich denke aber, dass wir in Zukunft wieder weit mehr Reservisten haben werden, als die rund 60.000, die wir heute beordern können. Um das zu erreichen, richten wir künftig einen noch stärkeren Fokus auf unsere ausscheidenden, gut ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten. Aus dem aktiven Dienst zu entlassen, heißt für uns, für die Reserve zu gewinnen.

Gibt es Bereiche, in denen die Truppe besonders auf Reservisten angewiesen ist?

Ich mache keine Abstufungen, wenn ich auf die Reserve der Zukunft schaue. Bei genauer Hinsicht werden vor allem die Truppenreserve und die Territoriale Reserve eine neue, größere Bedeutung erhalten. Wir brauchen in Zukunft auch Spezialisten, um zum Beispiel komplexe logistische Verlegungen zu organisieren oder Bedrohungen im Cyberbereich zu erkennen und zu begegnen. Für mich sind die Reservisten insgesamt extrem wichtig. Wir brauchen sie alle und zwar in größerer Anzahl!

Muss der Reservedienst noch attraktiver werden?

Wir machen uns bei der Ausarbeitung der zukünftigen Strategie der Reserve viele Gedanken, wie die Reserve noch attraktiver werden kann. Ein erster Schritt war die Neuordnung des Unterhaltssicherungsgesetzes. Wir können außerdem wieder mehr Übungsmöglichkeiten anbieten, vergangenes Jahr waren es im Schnitt schon über 3.500 Reservistinnen und Reservisten pro Tag, die Zahl wird weiter wachsen. Es geht aber auch darum, auf die Reservisten noch mehr zuzugehen und ihnen die vielfältigen Reservemöglichkeiten aufzuzeigen. Wir müssen noch mehr auf die Bedürfnisse der Menschen, die uns freiwillig unterstützen, eingehen. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass sie angeben können, wo sie aktiv werden wollen – in ihrem Verband, auf einem Schiff oder alternativ nahe am Wohnort.

Anfang des Jahres waren viele Reservisten bei der Schneekatastrophe in Bayern im Einsatz. Welche Rolle haben sie gespielt?

Die Reserve hatte nicht nur bei der Schneekatastrophe eine entscheidende Rolle, sondern auch bei den Waldbränden im vergangenen Jahr. Die Kreisverbindungskommandos (KVK) werden oft als Erstes aktiv. Die Kameraden haben die Erlaubnis, im Katastrophenfall schnell die Uniform anzuziehen und vor Ort zu sein. Sie sind gut vernetzt und schnell vor Ort, um zu helfen. In Bayern haben wir zudem über 100 Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) einberufen - ausnahmslos Freiwillige. Sie haben die Gebirgsjäger dabei unterstützt, die Dächer von den gewaltigen Schneelasten zu befreien. Das war eine tolle Leistung, für die ich sehr dankbar bin.

Was wünschen Sie sich von der Reserve und wo sehen Sie diese in zehn Jahren?

Ich stelle mir vor, dass wir dann wieder eine vollintegrierte Truppen- und Territoriale Reserve haben, die beim Auftrag der Bundeswehr immer mitgedacht werden. Die aktive Truppe und die Reserve sollen wieder stärker zusammenwachsen. Ich wünsche mir viele engagierte Reservisten, die unsere aktive Truppe vielfältig unterstützen und als Mittler sowie Botschafter für unsere soldatischen Blickwinkel in die Gesellschaft wirken. Zugleich wünsche ich mir, dass ihr Dienst von der Öffentlichkeit als wichtiger Bestandteil der Verteidigung unserer Heimat anerkannt wird.

Weitere Informationen zur Reservistenarbeit der Bundeswehr

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Ein Reservist sitzt Hände schüttelnt am Tisch

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