Streitkräftebasis

Marie-Therese, Yiran und Dennis haben unterschiedliche Ziele

Marie-Therese, Yiran und Dennis haben unterschiedliche Ziele

Ort:
Hannover

Freiwilliger Wehrdienst Heimatschutz: 35 Rekrutinnen und Rekruten starteten Anfang April 2021 ihre dreimonatige Grundausbildung an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover. Marie-Therese Kuhlmann, Yiran Li und Dennis Brauns sind drei von ihnen und berichten von ihren Erfahrungen.

Drei Soldaten stehen vor einer Holzwand

Angetreten zum Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz: Marie-Therese Kuhlmann (19) aus Oldenburg, Yiran Li (24, Mitte) aus Braunschweig und Dennis Brauns (20) aus Hannover

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

Die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover ist eine der bundesweit 11 Ausbildungseinrichtungen der Streitkräftebasis an denen die Grundausbildung für den Heimatschutz stattfindet. 35 Rekrutinnen und Rekruten durchlaufen nun also ihre Grundausbildung in Hannover. Drei von ihnen berichten hier von ihren Erlebnissen auf dem Weg zum Heimatschützer: Marie-Therese Kuhlmann, Yiran Li und Dennis Brauns.

Yiran Li

Porträt eines Soldaten

Interessiert sich schon lange fürs Militär: Schütze Yiran Li (25)

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

„Mein Name ist Yiran Li, ich bin 25 Jahre alt und aus Braunschweig. Bei mir zu Hause stand Clausewitz im Bücherregal – ich habe mich also schon immer für das Militär interessiert. Vielen geht es darum, hier an ihre Grenzen zu gelangen. Das finde ich auch interessant. Mehr noch interessiert mich jedoch, Kameradschaft zu erleben! In Göttingen habe ich meinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre gemacht. Der Master ist in Planung. Davor, währenddessen oder danach würde ich mich gerne zum Reserveoffizier ausbilden lassen. Die Entscheidung ist noch offen. Der Freiwillige Wehrdienst Heimatschutz soll mir dabei helfen. Nach den ersten Tagen hier bin ich sehr zufrieden: So habe ich es mir vorgestellt!“

Marie-Therese Kuhlmann

Porträt einer Soldatin

Möchte herausfinden, ob Soldatin der richtige Beruf für sie ist: Schütze Marie-Therese Kuhlmann (19)

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

„Ich bin Marie-Therese Kuhlmann, 19 Jahre alt und lebe in Oldenburg. Ich nutze den Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz, um in die Bundeswehr zu schnuppern und herauszufinden, ob diese in beruflicher Sicht etwas für mich ist. Ich bin staatlich geprüfte Kosmetikerin, habe bei einer Produktionsfirma gearbeitet und wollte etwas Neues kennenlernen. Ich bin eine von vier Frauen, die hier in Hannover dabei sind. Mehr wären schön, aber die Jungs spornen uns an und unterstützen. Die Ausbildung ist härter als gedacht, bringt aber Spaß. Formaldienst gefällt mir – das kannte ich so nur aus dem Fernsehen und aus Erzählungen meines Vaters, der wie mein Opa ebenfalls bei der Bundeswehr war.“

Dennis Brauns

Porträt eines Soldaten

Sucht Corona-bedingt eine neue Herausforderung: Schütze Dennis Brauns (20)

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

„Ich bin Dennis Brauns, 20 Jahre alt und lebe in Hannover. Ich habe nach dem Abitur begonnen Geowissenschaften zu studieren. Das Studium wurde durch Corona noch theoretischer. Ich saß fast nur noch am Laptop, das ist nicht mein Ding. Einen Ausbildungsplatz zu finden, ist während der Pandemie schwierig und da ich schon länger über den Bund nachdenke, war das nun die perfekte Gelegenheit. Sieben Monate, nah an Zuhause, kein Auslandseinsatz. Ich muss mich nicht lange verpflichten und kann herausfinden, ob ich hier richtig bin. Wer weiß, vielleicht werde ich ja Feldjäger! Studieninhalte wie Sport, Bio und Erdkunde habe ich hier in anderer Form wiedergefunden. Auf Karte-Kompass freue ich mich zum Beispiel sehr!“

Es gibt etwas zu feiern!

„Schon nach kurzer Zeit bei der Bundeswehr stand ein ganz besonderer Moment an: das feierliche Gelöbnis. Dafür sind mehr als 100 Soldaten und Soldatinnen aus den Inspektionen und Zügen der Schule zusammen angetreten. Teil davon zu sein und mit allen gemeinsam ins `Stillgestanden` zu gehen, war beeindruckend. Ich hatte die Ehre, mit ein paar Kameraden die Fahnenabordnung zu bilden. Wir sind stellvertretend für alle Rekruten und Rekrutinnen zum Sprechen der Gelöbnisformel nach vorne zur Truppenfahne marschiert. Wir gelobten, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Das Heeresmusikkorps hat das Ganze noch feierlicher gemacht. Toll war auch die erste Ausbildung am Gewehr G36. Darauf freut sich jeder Rekrut. Interessant, wie die Einzelteile der Waffe miteinander wirken. Es gibt immer viel zu lernen und erleben!“

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Soldaten und Soldatinnen mit einer Deutschlandflagge

Große Ehre:
Schütze Marie-Therese Kuhlmann war Teil der Fahnenabordnung.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldaten und Soldatinnen bei einem Antreten.

Festakt in Hannover:
Das Gelöbnis ist ein besonderer Moment während der Grundausbildung.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldaten und Soldatinnen bei einem Antreten.

Angetreten:
Soldatinnen und Soldaten der Schule für Feldjäger und Stabsdienst

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Eine Soldatin mit Gewehr, liegend, mit einem Soldaten im Gespräch.

Ein Ausbilder gibt Tipps:
Auf die Schießausbildung hat sich Marie-Therese besonders gefreut.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Eine Soldatin zielt auf Hindernisse.

Marie-Therese zielt auf die Hindernisse:
Schießausbildung in Hannover.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Mehrere Soldaten bei der Waffenausbildung

Ausbildung in Kleingruppen:
Rund zehn Rekruten bilden jeweils eine Kohorte.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

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Treffer! Endlich geht es zur Schießausbildung

„Den Wunsch, das G36 in der Hand zu halten, konnten wir uns endlich an zwei intensiven und lehrreichen Übungstagen erfüllen. Im Rahmen der Erstausbildung haben wir die grundlegenden Ladetätigkeiten wie das Nachladen und den Magazinwechsel unter den wachsamen Augen unserer Ausbilder erlernt. Für mich persönlich war es besonders fordernd: die vielen Handgriffe, der Zeitdruck und dabei keine Schritte auszulassen. Uns wurde beigebracht, ein ständiges Mündungsbewusstsein zu entwickeln. Besonders interessant fand ich die Anschlagsarten mit dem Ziel, sich selbst zu schützen und gleichzeitig den Kampfauftrag zu erfüllen. Am Folgetag ging es nach einer Ausbildungswiederholung am G36 zur Hindernisbahn. Hier war es wichtig, mit hoher Geschwindigkeit die Hindernisse zu überwinden, aber gleichzeitig mit Bedacht und korrekter Technik die Bewegungsabläufe zu meistern. Das gegenseitige Anfeuern, die Kameradschaft und der tolle Zusammenhalt haben es einfacher gemacht.“

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Soldat mit Gewehr

Besonderes Highlight: Der Ausbildung am G36 hat Yiran schon entgegengefiebert.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldat beim Schießen. Ein weiterer daneben.

Immer im Blick: Die Ausbilder begleiten und überwachen das Training und stehen jederzeit für Fragen bereit.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldaten im Gespräch.

Dennis und Yiran im Gespräch mit einem Ausbilder.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Ein Soldat mit Gewehr.

Herausfordernd: Viele Handgriffe, hoher Zeitdruck - beim Schießen ist Konzentration gefragt.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

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Tarnung ist alles - aber nichts ohne Kameradschaft!

„Der Geländetag war für mich bisher eines der Highlights der Grundausbildung. Zum ersten Mal stellte sich das Gefühl eines realen Einsatzes ein. Wir haben gelernt, uns der Umgebung entsprechend zu tarnen und versucht, mit der Natur zu verschmelzen. Besonders interessant fand ich dabei die verschiedenen Möglichkeiten, Konturen im Gesicht zu verschleiern und dadurch für andere nahezu unsichtbar zu werden.  Die Kameradschaft war toll und spornte an. Trotz starker Erschöpfung fällt es mir in der Gemeinschaft leichter, mich zu konzentrieren und mich auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Eine gute Zeit hatten wir auch besonders während der gemeinsamen Essen im Gelände.“

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Soldaten mit Tarnschminke

Tarnung im Gelände: Dennis Brauns hat gelernt, wie es funktioniert.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldatin mit Tarnschminke

Tarnung gelungen? Marie-Therese Kuhlmann hat bereits eine Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldaten bei Essen

Kraft schöpfen: Das gemeinsame Essen im Gelände ist eine willkommene Pause im strammen Programm.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

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Kraftlos, aber stolz: die „36 Stunden-Übung“

Von der dreitätigen Übung berichten Yiran und Dennis gemeinsam:

„Die „36 Stunden Übung“, ein Begriff, der schon in den Wochen zuvor regelmäßig fiel und auf viel Interesse innerhalb des Zuges stieß. Einen konkreten Eindruck über die Inhalte konnten wir uns aber erst am Mittwoch machen, als es am frühen Morgen mit vollem Marschgepäck und dem G36 in Richtung „Kleine Heide“ ging. Nach einer Verschnaufpause und dem Anlegen der Tarnschminke ging es direkt zur ersten Übung. Unter den Anweisungen unserer Ausbilder erlernten wir bei einer theoretischen Wiederholung alle wichtigen Aufgaben des Alarmpostens - hier sollen wir unaufgefordert unsere gesamten Wahrnehmungen der Ablösung und allen Vorgesetzten von Beginn der Auftragserteilung mitteilen. Unter dem Merkwort „LANGEMARK“ war es uns möglich, eine große Anzahl an Informationen bei einer Ablösung fehlerfrei an die nächsten zwei Kameraden weiterzugeben.

Im nächsten Abschnitt ging es um die erste praktische Umsetzung des Feuerkommandos. Dem hatten viele unserer Kameradinnen und Kameraden entgegengefiebert, denn zum ersten Mal beschränkte sich die Handhabung mit dem G36 nicht auf die reine Trockenübung.
Die zwei mitgebrachten Magazine sollten wir trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit 60 ausgehändigten Manöverpatronen befüllen. Anschließend hieß es auf Befehl „3, 2, 1, FEUER!“

Am Abend stand ein weiteres Highlight an: Mit Signalpistolen, Manövermunition und in verschiedenen Szenarien sollte uns das konkrete Verhalten bei Nacht deutlich gemacht werden. Dabei konnten wir zum ersten Mal auf praktischer Ebene sehen, wie lautstark Brüllen beziehungsweise, wie sichtbar das Glimmen einer Zigarette bei Dunkelheit ist. Trotz der Kälte und zunehmender Müdigkeit hatten wir nach Mitternacht noch typische Aufgaben eines Soldaten im Freien zu erledigen. Das Besetzen des Alarmpostens und auch die Feuerwache durften im Hinblick auf die Sicherheit des gesamten Zuges nicht vernachlässigt werden.

Der zweite Tag setzte den Schwerpunkt auf die erste Ausbildung im Bereich einer möglichen Gefechtssituation. Die Gruppe bewegte sich im Schützenrudel über eine freie Fläche und wurde vom Feind angeschossen. Unter Einsatz von Nebel und gegenseitigem Deckungsfeuer übten wir, uns vom Feind zu lösen. Der Mangel an Schlaf und die dadurch einsetzende Konzentrationsschwäche machten sich hier bereits bemerkbar.

Am Nachmittag fand der letzte Ausbildungsabschnitt statt: die Streife. Dabei wurde uns gezeigt, wie auf verschiedene Situationen reagiert werden kann. Die Lagen umspannten ein Spektrum von friedlichen Zivilisten, die die Streife ansprechen, bis hin zu Feindkontakt. Anschließend wurde Marschbereitschaft hergestellt und der Rückmarsch in die Kaserne begonnen. Dieser stellte sich als schwerer heraus, als gedacht. Einige verließen die Kräfte schneller, sodass wir das Gepäck auf uns anderen aufteilen mussten. Doch all die Strapazen waren vergessen, als wir stolz die Kaserne erreichten.“

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Soldaten und Soldatinnen mit Gewehren

War schon lange Gesprächsthema unter den Rekruten: die „36 Stunden-Übung“ im Gelände.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldat mit Gewehr

Macht das Soldat-Sein greifbar: das Schießen mit dem G36.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Liegender Soldat mit Tarnung und Gewehr

Kaum zu sehen: Ist es Yiran? Oder Dennis? Oder ein anderer Kamerad? Wir konnten es nicht erkennen.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

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Endlich! Der scharfe Schuss

Soldat mit Gewehr

Gänsehaut auf der Schießbahn, aber das Ziel immer im Blick: Dennis Brauns

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

Heute war es endlich soweit! Der scharfe Schuss stand an! Auf diesen Tag fieberte der gesamte Zug seit mehreren Wochen hin. Der Tag begann früh morgens um 6 Uhr. Wir stiegen mit den vorbereiteten Rucksäcken in den Bus und fuhren nach Celle auf die Schießbahn. Nach einem Antreten und einer Belehrung durch den Leitenden über das richtige Verhalten auf der Schießbahn und im Umgang mit Munition startete die erste Übung. Diese bestand aus drei Schuss Einzelfeuer aus einer Entfernung von 100 Metern mit dem Zielfernrohr der Waffe und anschließend mit dem Reflexvisier. Wir waren alle sehr gespannt, da die Patronen im Magazin diesmal keine Übungspatronen waren. Obwohl uns die Abläufe beim Schießen mittlerweile bekannt sind, waren wir hoch konzentriert. Der Druck war hoch, denn ohne bestandene erste Übung gibt es keine Zulassung zur Zweiten. Doch wie sich am Ende herausstellte, sollten nahezu alle den ersten Teil ohne Probleme bestehen.

Bei der zweiten Übung wurde es komplexer. Nun hatten wir die Aufgabe aus 100, 150, 200 und 250 Metern die Schützenscheiben zu treffen. 120 Prozent Konzentration waren gefragt. Wie schon im AGSHP (Ausbildungsgerät Schießsimulator Handwaffen/Panzerabwehrhandwaffen) müssen die Sicherheitsregeln dabei konsequent eingehalten werden. Folglich hatten viele aus dem Zug einen enormen Respekt vor der bevorstehenden Aufgabe. Die Ausbilder griffen durch und nicht wenige Teilnehmende wurden der Übung verwiesen, weil das falsche Ziel bekämpft wurde. Klarer Verstoß gegen die Regel Man muss sich seines Zieles sicher sein.

Nach der Grundlagenübung 2 ging es zum Schießen im Nahbereich. Während dieser Übung trugen wir zusätzlich eine Schutzweste und sollten mit jeweils drei Einzelschüssen mit dem Reflexvisier ein Schießergebnis mit möglichst kleinem Streukreis erzielen. Im Gegensatz zum AGSHP war es hier aufgrund der scharfen Munition entscheidend, keine Ablauffehler zu machen und dennoch schnell auf die Kommandos der Ausbilder zu reagieren. Oberflächlich betrachtet waren der Rückstoß und das Zielfeld identisch mit dem Schießsimulator. Alleine das Wissen, dass echte Patronen im G36 geladen waren und auch kleine Fehler schwerwiegende Folgen haben könnten, führte bei mir zu Gänsehaut und immensem Respekt. Trotz klopfendem Herzen und dem ein oder anderen Schweißtropfen auf der Stirn, gelang es dem Großteil der Truppe, alle Übungen erfolgreich zu meistern.

Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zu den Bussen. Doch unsere Ausbilder hatten noch etwas mit uns vor. Der erste Eilmarsch stand an. Mit rund 12 Kilogramm Gepäck hatten wir die Aufgabe 3,5 Kilometer in langsamem Tempo zu joggen. Diese Aufgabe war für einige eine große Herausforderung. Mit Gepäck eine längere Strecke zu joggen, das braucht Übung. Zwei Kameraden gaben nach halber Strecke ihr Gepäck ab. Dieses wurde, ähnlich wie nach der 36 Stunden-Übung, unter den verbliebenden Kameraden herumgereicht. Nach 40 Minuten erreichten wir den Sammelpunkt der Busse. Fix und fertig, aber glücklich, diese Hürde als Gruppe gemeistert zu haben, stiegen wir in die Busse und nutzten den Weg zurück in die Kaserne für ein dringend nötiges Schläfchen. Die ersten Schießerfahrungen lagen hinter uns!

Ein Gewehr namens Sissi

Soldaten mit Gewehr

Konzentriert, aber entspannt: Marie-Therese Kuhlmann und Yiran Li auf der Schießbahn

Bundeswehr
Soldaten stehen mit ihren Gewehren in einer Reihe

Spitznamen fürs Gewehr: Yiran Li hat sein G36 liebevoll „Sissi“ genannt

Bundeswehr

Heute berichten Yiran und Marie-Therese:

In der zweiten Schießwoche haben wir uns früh auf den Weg zur Schießanlage auf dem Truppenübungsplatz Munster gemacht. Nach einer kurzen Frühstückspause ging es mit der Schießausbildung weiter. Im Vergleich zu den ersten Ausbildungstagen in der Kaserne lief beispielsweise das Laden schon sehr viel flüssiger. Fast schon automatisch. Auch das Trefferbild hat sich schnell verbessert. Am Ende der Woche war unser Streukreis 1A! Wir haben uns auch nicht mehr so viele Gedanken um den Schuss gemacht, sondern einfach in Ruhe abgekrümmt. Schießen lernt man halt durch Schießen.

Der Höhepunkt war definitiv die Wertungsübung. Unter Zeitdruck mussten wir aus verschiedenen Distanzen die Scheibe treffen – von 5 bis 200 Meter. Zwischen den Distanzen mussten wir rennen. Bei dem Stress war es schwierig, konzentriert zu bleiben. Aber die Bewertungs-Staffelung in Gold, Silber und Bronze hat in uns den Ehrgeiz geweckt! Auch wenn wir bestanden hatten, wollten wir unbedingt nochmal schießen, um uns zu verbessern. Der Respekt vor dem Schießen hat nicht abgenommen. Wenn man allein die Wucht des Projektils an der Scheibe sieht! Aber wir fühlen uns jetzt viel sicherer und haben unseren Waffen sogar Namen gegeben. Das Gewehr von mir (Yiran) zum Beispiel heißt Sissi.

Es war sehr heiß, dazu kam noch die zusätzliche Hitze unter der Weste. Zweimal nach dem Schießen haben wir einen Eilmarsch machen müssen und dabei sogar einen Fluss durchquert. Die Waffe durfte natürlich keinen Tropfen abbekommen. Im Gegensatz zur vorigen Woche sind wir abends auf dem Übungsplatz im Truppenlager verblieben. Außer duschen und nachbereiten haben wir nicht viel machen können. Wir sind immer so früh wie möglich ins Bett gegangen. Etwas merkwürdig war es schon, die Waffe überall dabei zu haben: im Bett, auf der Toilette. Die kurzen Phasen, in denen wir einfach zusammen in der Sonne sitzen und durchschnaufen konnten, taten gut.

Mücken, Müdigkeit und Müffeln: die Abschlussübung

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Soldaten mit Gewehren

Abschlussübung: Kräftezehrendes Ende der Grundausbildung.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Soldaten mit einem Kompass und einer Karte

Karte und Kompass: Orientieren im Gelände.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Eine Soldatin mit Gewehr und Maske

Bei der Abschlussprüfung war das gesamte Wissen der Grundausbildung gefragt.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
Frau guckt in Uniform glücklich

Trotz Mückenstichen und Müdigkeit gut gelaunt: Marie-Therese Kuhlmann.

Bundeswehr

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„Auch in dieser Woche ging es auf den Übungsplatz – allerdings nicht auf die Schießanlage, sondern mitten in den Wald: Das Abschluss-Biwak stand an! Zuerst haben wir uns getarnt, dann den Raum bezogen. Das heißt, vorläufig sichern, Stellungen bauen, Platz für die Gruppe errichten. Dort wartete ein besonders fieser Feind auf uns: Mücken! Wir duschten mit Anti-Insekten-Spray, aber die Dinger blieben unbeeindruckt! Unsere Uniformen erwiesen sich zudem nicht als Mücken-sicher. Das Biwak war hart. Es war das Anstrengendste der ganzen Grundausbildung. Am dritten Tag war die Energie völlig weg. Aber nicht nur körperlich waren wir am Ende: Ständig mussten wir in Alarmbereitschaft sein. Waschen, eine Dusche, und Schlaf hätten gutgetan. Manch einer von uns hätte diesen Teil gerne mit einer großen Sporteinheit mit unserem lieben Trainer getauscht. Auch in der Nacht musste der Alarmposten besetzt sein. Dazu gab es eine Streife und eine Feuerwache. Wir haben uns abgewechselt und lernten, uns beim Schlafengehen so einzurichten, dass wir im Dunkeln aufstehen müssen und schnell kampfbereit sind. Die Einmannpackung pro Tag war interessant, aber nicht wirklich lecker. Die Version „Currywurst“ vielleicht ausgenommen.

In der Abschlussübung wurden uns verschiedene Aufgaben gestellt. Einmal sollten wir einen Punkt erreichen, um zu prüfen, ob sich dort feindliche Kräfte befinden. Dabei wurden wir angegriffen! Wir haben uns so verhalten, wie wir es gelernt haben: Wir haben Blendgranaten geworfen und sind unter Deckungsfeuer überschlagend ausgewichen. Dabei mussten wir noch einen Verwundeten transportieren. Auch in der Nacht wurden wir angegriffen und mussten uns aus unseren Stellungen verteidigen. Es hat wirklich nicht an Überraschungen gefehlt! Am Ende waren wir froh wieder zurück, ´zu Hause` in der Kaserne, zu sein.“

von Marie-Therese Kuhlmann, Yiran Li und Dennis Brauns   E-Mail schreiben