Auftrag Spitzensport: Der Sportförderer Bundeswehr

Die Bundeswehr ist einer der größten Förderer des Hochleistungssports in Deutschland. Mit einem Personalansatz von 827 Dienstposten fördert sie den deutschen Spitzensport und unterstützt damit eine gesamtstaatliche Aufgabe. Der Auftrag zur Aufstellung der aktuell 15 Sportfördergruppen basiert auf einem Beschluss des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 1968.

Vier Frauen in Sportanzügen mit Goldmedaillen um den Hals.
Bundeswehr / Schmidt

Sportförderung ist unverzichtbar

Die Bundeswehr leistet einen großen Beitrag zur Sportförderung in Deutschland. Diese ist von öffentlichem Interesse, denn Sport hat einen hohen gesellschaftspolitischen Wert – vor allem in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht. Spitzensportler werden hier als Vorbilder und Botschafter ihrer Sportart wahrgenommen. Nach außen repräsentieren sie die Bundesrepublik Deutschland. Schließlich wird das Bild Deutschlands in der Welt auch durch das Auftreten seiner Athleten bei internationalen Wettkämpfen geprägt.

Die Spitzensportförderung ist zwar kein Kernauftrag der Bundeswehr, sie zählt jedoch zu den gesamtstaatlichen Aufgaben, an denen sich die Streitkräfte beteiligen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bezeichnet die Spitzensportförderung der Bundeswehr in seinem Nationalen Spitzensportkonzept als unverzichtbar. Ähnliche Fördereinrichtungen auf Bundesebene existieren in geringerem Umfang noch bei Zoll und Bundespolizei.

Struktur: 744 Förderstellen und 15 Sportfördergruppen

Sechs Sportlerinnen in Sportanzügen halten ihre Medaillen in die Kamera.

Sportsoldatin Kira-Katharina Walkenhorst holte zusammen mit Laura Ludwig bei den Olympischen Spielen 2016 Gold im Beachvolleyball.

Bundeswehr / Schmidt

Die 15 Sportfördergruppen der Bundeswehr sind zuständig für die Führung der ihnen anvertrauten Sportsoldaten und Sportsoldatinnen. Diese kleinen Dienststellen befinden sich regelmäßig in der Nähe von Olympiastützpunkten und Leistungszentren. Die zentrale fachliche Zuständigkeit obliegt dem Referat „Sport“ im Kommando Streitkräftebasis. Für die Unterstützung des Sports verfügt die Bundeswehr über 744 Förderstellen, welche regelmäßig zu 100 Prozent ausgeplant sind. 

Darüber hinaus fördert die Bundeswehr bis zu 40 Soldatinnen und Soldaten in den Militärsportarten Militärischer und Maritimer Fünfkampf sowie Fallschirmsportspringen und – im Rahmen von Individualvereinbarungen – 14 zivile paralympische Spitzensportlerinnen und -sportler, die nicht unmittelbare Bundeswehrangehörigen sind.

Die Kosten für die Spitzensportförderung der Bundeswehr liegen bei 35 Millionen Euro im Jahr (Stand 2019). In erster Linie handelt es sich dabei um Personalkosten, aber auch um Beschaffungskosten, etwa für Bundeswehrsportanzüge.

Die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler werden grundsätzlich als Freiwillig Wehrdienstleistende für elf Monate eingestellt. Im Anschluss können die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, abhängig von der soldatischen Eignung sowie sportfachlichen Befürwortung des DOSB und Spitzenverbandes, in das Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit berufen werden und die Laufbahn der Mannschaften oder Unteroffiziere einschlagen. Zukünftig ist darüber hinaus auch die Öffnung der Offizierslaufbahn geplant.

Weiterentwicklung der Spitzensportförderung

Soldaten in Sportkleidung in einer Sporthalle

Ehemalige Spitzensportler unterstützen die Truppe nun als Sportlehrer.

Bundeswehr / Arning

Seit 2017 entwickelt die Bundeswehr die Spitzensportförderung mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket weiter. Um besser auf Interessen und Bedürfnisse der Spitzensportlerinnen und Spitzensportler eingehen zu können, sind vernetzte Betreuungs- und Trainingsmöglichkeiten, duale Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven für die Zeit nach der aktiven Karriere Teil des Pakets.

Mit einer flexibleren und angepassten Laufbahnausbildung und einer verkürzten Ausbildung zum Unteroffizier trägt die Bundeswehr den zeitlichen Bedürfnissen der Spitzensportler und –sportlerinnen Rechnung. Eine Neuerung ist auch die Übernahme von ehemaligen Angehörigen der Sportfördergruppen als hauptamtliche militärische Sportausbilder. Die ersten 15 neuen Sportausbilder und Sportausbilderinnen tragen mit ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen bereits zur Professionalisierung der Sportausbildung der Bundeswehr bei.

Ebenfalls auf die Zeit nach dem Karriereende zielt der 2019 erstmals angebotene Bachelorstudiengang „Sportwissenschaft – Gesundheit, Prävention, Rehabilitation“. Das Studium bietet auch die Chance auf eine duale Karriere in der Bundeswehr.

Inklusiv: Förderung des paralympischen Spitzensports

Ein Sportler mit einer Prothese

Paralympics-Sieger Markus Rehm ist Teil der seit 2013 bestehenden Förderung paralympischer Spitzensportler und Sportlerinnen.

Bundeswehr / Pfeil

Seit November 2013 gibt es eine Rahmenvereinbarung mit dem Deutschen Behinderten Sportverband. Auf dieser Grundlage fördert die Bundeswehr aussichtsreiche zivile Sportler mit Handicap wie zum Beispiel Markus Rehm oder Sebastian Iwanov. Markus Rehm wurde 2012 in London Paralympicssieger im Weitspringen, und der Schwimmer Sebastian Iwanov hat ebenfalls schon mehrere paralympische Medaillen errungen. Zudem existiert ein Stellenpool mehrerer Ministerien, in welchem die Bundeswehr sechs Dienstposten für paralympische Sportler finanziert.

Innerhalb der schon genannten 744 Förderplätze gibt es des Weiteren zwei Guides, die zum Beispiel für blinde Athleten zur Verfügung stehen. Außerdem werden in den Sportfördergruppen zwei einsatzgeschädigte Soldaten zu Sportschützen aufgebaut. Ihre Perspektive für Tokio 2020 gilt als aussichtsreich.

Wie viele Medaillen gab es für die Bundeswehr?

Um den Erfolg der Sportförderung zu verdeutlichen, wird hauptsächlich auf die Olympischen Spiele verwiesen. Seit 1964 wurden hier 304 olympische Medaillen unter Beteiligung von Sportsoldaten und Sportsoldatinnen errungen. Bei den Sommerspielen seit 1964 waren das im Einzelnen 54 Gold-, 50 Silber- und 76 Bronzemedaillen. Die Bilanz bei den Winterspielen ab 1968 lautet: 47 Gold-, 48 Silber- und 29 Bronzemedaillen. Bei den letzten 14 Olympischen Winter- und Sommerspielen seit 1992 waren Spitzensportler und Sportlerinnen der Bundeswehr an rund 44 Prozent der errungenen Medaillen beteiligt.

Den sonstigen Wettkämpfen wird jedoch weniger Aussagekraft beigemessen. Diplomsportlehrer Andreas Hahn, Referent für den Spitzensport im Kommando Streitkräftebasis, erklärt diesen zunächst erstaunlichen Umstand: „Welt- und Europameisterschaftstitel liefern über die einzelne Sportart hinaus keine belastbaren Daten für die Effektivität der Sportförderung insgesamt. Die Wettkampfzyklen, aber auch die Regularien sind je nach Sportart viel zu unterschiedlich. Die jeweiligen Titel werden zwar erfasst, doch Vergleiche über eine bestimmte Disziplin hinaus sind damit nicht möglich. Bei Olympischen Spielen ist diese Vergleichbarkeit jedoch gegeben.“

Militär, Spitzensport und Völkerverständigung

Zwei Sportler beim Ringen.

2016 holte Hauptgefreiter Denis Kudla Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Bundeswehr / Schmidt

Viele Sportarten haben einen militärischen Hintergrund. Das gilt insbesondere für die klassischen Disziplinen wie den Box- und Ringkampf, das Speerwerfen oder den Marathonlauf. In der Antike waren es zunächst die Krieger der oft verfeindeten griechischen Staaten, die bei Olympischen Spielen gegeneinander antraten. Der Olympische Friede ermöglichte sicheres Geleit für die Athleten.

Die heutige Austragung der Olympischen Spiele und die Organisation des Spitzensports haben nur noch wenig mit den antiken Wurzeln gemeinsam. Doch in vielen Ländern leistet das Militär auch heutzutage einen großen Beitrag zur Spitzensportförderung. Vor diesem Hintergrund sind die Sportfördergruppen der Bundeswehr ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit der deutschen Athleten. Denn diese hätten sonst – in Ermangelung anderer Fördermöglichkeiten – einen Wettbewerbsnachteil.

Der antike Gedanke des Olympischen Friedens lebt allerdings heute weiter in der Völkerverständigung, die der Spitzensport ermöglicht. Dies gilt nicht nur für die Olympischen Spiele, sondern ebenso für die Militärsportvereinigung CISMConseil International du Sport Militaire (Conseil International du Sport Militaire). Sie gehört zu den größten Sportvereinigungen der Welt: Über 130 Nationen sind mittlerweile vertreten. Völkerverständigung und multinationale Kameradschaft werden hier ausschließlich von Soldaten gepflegt.

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