Großer Auftritt: Unterwegs mit dem Luftwaffenmusikkorps Erfurt

Großer Auftritt: Unterwegs mit dem Luftwaffenmusikkorps Erfurt

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Bis zu 150 Auftritte absolvieren die Soldatinnen und Soldaten des Luftwaffenmusikkorps Erfurt pro Jahr. Mit dem bloßen Musizieren ist es dabei nicht getan – ein Blick vor und hinter die Kulissen.

Mehrere Bundeswehrsoldaten spielen auf ihren Blechblasinstrumenten

Konzertant: Aktuell gehören 50 Musiker zum Lufwaffenmusikkorps Erfurt.

Bundeswehr/Beate Schöne

Der Wind lässt die Blätter in den Bäumen leise rascheln. Weit entfernt hört man das Rauschen fahrender Autos. Plötzlich erklingt ein Kommando. Und ein „Trum – Trum – Trumtrumtrum“ durchbricht die Stille in Strausberg.

Es sind die Rhythmen einer geschlagenen Trommel. Hauptfeldwebel Matthias Näfe spielt auf seinem Instrument. Gemeinsam mit dem Wachbataillon übt er für eine bevorstehende Kommandoübergabe.

Ein Mann, viele Aufgaben

Ein Soldat steht vor den Soldaten des Luftwaffenmusikkorps und dirigiert mit einem Taktstock in der Hand

Taktgebend: Hauptmann Wunderle ist seit Anfang August künstlerischer Leiter in Erfurt.

Bundeswehr/Beate Schöne

Der „Chef“, das ist Hauptmann Tobias Wunderle. Seit Anfang August ist der gebürtige Lauinger künstlerischer Leiter des Luftwaffenmusikkorps in Erfurt. „Ich bin Dirigent, Disziplinarvorgesetzter und manchmal auch ein bisschen Vater“, so Wunderle. Er bereitet alle Konzerte vor – von der Probe bis hin zum Live-Auftritt.

Das Mobiltelefon von Hauptmann Wunderle klingelt. Endlich: Die restlichen Musikerinnen und Musiker kommen. Zwei Busse fahren in die Kaserne. Gemurmel, tiefe und hohe Töne sind zu hören – die Instrumente werden gestimmt. „Aktuell gehören 50 Musiker zum Luftwaffenmusikkorps. Unsere Instrumente reichen von der Kesselpauke und der Trommel bis hin zur Tuba und der Piccoloflöte“, so Wunderle.

Studium inklusive

Es fällt auf, dass die meisten Musiksoldatinnen und Musiksoldaten Feldwebeldienstgrade tragen – und das, obwohl alle studiert haben. Der Grund dafür ist, dass Musiker generell kein Lehrberuf ist. Das Musikstudium ist die einzige professionelle Ausbildung die es diesbezüglich gibt. Damit ist es die einzige Feldwebellaufbahn bei der Bundeswehr, welche ein Studium beinhaltet.

Hauptfeldwebel Näfe, der sich nun unter seine Kameradinnen und Kameraden mischt, ist Schlagzeuger. Pauke, Xylofon, Becken, große Trommel und kleine Trommel sowie Multipercussion gehören zum Schlagwerk, wobei Hauptfeldwebel Näfe besonders von einem Instrument fasziniert ist: Von der Trommel. Mit der, so sagt er, ließe sich im richtigen Moment ein Akzent setzen.

Einmarsch mit Musik

Ein Soldat mit Schellenbaum in den Händen steht vor einer Tribüne mit Zuschauern

Markenzeichen: Der Schellenbaum ist quasi die Standarte der Militärmusik.

Bundeswehr/Beate Schöne

Als die Formation um die Ecke biegt – begleitet von Näfes akzentuiertem „Trum – Trum – Trumtrumtrum“ – lässt die Sonne besonders ein Wahrzeichen der Militärmusik strahlen: Den Schellenbaum.  Seit Februar ist Obergefreiter Eduard Lasch einer der Schellenbaumträger: „Es ist aufregend. Aber manchmal ist es auch eine Herausforderung, die 90 Grad zu halten. Beispielsweise bei starkem Wind. Immerhin wiegt der Schellenbaum etwa 16 Kilo“, berichtet der 18-Jährige.

150 Auftritte pro Jahr

Nach einigen Musikstücken, der eigentlichen Übergabe und der abschließenden Nationalhymne geht es zurück zum Bus. Dort angekommen geht alles ganz schnell: Die Instrumente werden verstaut, jeder Handgriff sitzt – kein Wunder bei bis zu 150 Auftritten pro Jahr.

Vom protokollarischen Einsatz, wie bei der Kommandoübergabe in Strausberg, über Musikshows bis hin zu Benefizkonzerten reicht das Spektrum. Oft wird dabei eine andere Facette der Militärmusik gezeigt: Aktuelle Pop- und Rock-Hits mischen sich mit Märschen und Stücken aus Musicals und Operetten.

Während der Rückfahrt nach Erfurt wird es mit fortschreitender Kilometerzahl etwas ruhiger im Bus. Einige Soldatinnen und Soldaten hören Musik, andere unterhalten sich gedämpft oder schreiben den Lieben zu Hause. Um 23.10 Uhr erreicht der Bus schließlich die Tore der Erfurter Löberfeld-Kaserne. Ein langer Arbeitstag liegt hinter den Musikern.

Impressionen des Luftwaffenmusikkorps Erfurt

Dienstbeginn am nächsten Tag ist erst um 11 Uhr. Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt – und so steht die nächste Probe an, bei der die Musizierenden auch mal zwischen den Instrumenten wechseln.  Um bei der Bundeswehr Musikerin oder Musiker zu werden, ist dies jedoch nicht nötig. „Es ist Voraussetzung, dass man ein Instrument sehr gut beherrscht. Es muss jedoch ein Schlag- oder Blasinstrument sein“, sagt Wunderle.

Außerdem empfiehlt er jedem, der mit dem Gedanken spielt, zum Musikkorps zu kommen, im Vorfeld ein Praktikum zu machen. Es sei eine authentische Möglichkeit zu sehen, ob der Beruf für einen geeignet sei.

Luftwaffenmusikkorps Erfurt im Ausland

Die meisten Musiker waren auch schon für Musikeinsätze in den Einsatzländern – vom Kosovo bis nach Mali. „Normalerweise geht man zur Truppenbetreuung, für etwa eine Woche, gemeinsam mit dem Musikkorps oder als kleine Besetzung in den Einsatz“, erklärt Wunderle.

Auch abseits von den Einsatzländern geht es für das Luftwaffenmusikkorps von Erfurt aus in die Welt. So proben die Musizierenden bereits für einen Auftritt im nächsten Jahr. Hauptmann Wunderle verrät: „Im Sommer geht es nach Kanada – Halifax. Primärziel ist es,  beim weltbekannten Tattoo eine tolle Show abzuliefern.“ Auch da wird es – so viel ist jetzt schon klar – wieder viel „Trum – Trum – Trumtrumtrum“ geben.

Musiker unterschiedlicher Nationen musizieren in einer Halle im Konfettiregen

Die erfolgreichste Veranstaltung ihrer Art – das Berlin Military Tattoo.

Berlin Tattoo

Stichwort: Das Tattoo – völlig schmerzfrei


Das kurz und bündige „Tattoo“ geht auf die niederländische Formulierung „Doe den tap doe“, übersetzt: „Schliess‘ den Zapfhahn“, zurück. Das Signal zur militärischen Nachtruhe wurde mittels Trommel und Pfeife übermittelt und mahnte die Soldaten vergangener Jahrhunderte, bis zum Wecken im Quartier zu bleiben. Heute sind Tattoos wahre Zuschauermagneten und längst kein Spartenprogramm für Blasmusikliebhaber mehr.


von Beate Schöne