Verletzt evakuiert

Verletzt evakuiert

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Fernspäher nutzen Wasserstraßen für ihre Zwecke. Was aber passiert, wenn ein Soldat des Trupps nicht mehr aus eigener Kraft schwimmen kann und die Faltboote außer Reichweite sind?

Mehrere Soldaten verbinden lange Holzbretter sowie aufgeblasene Säcke mit Seilen zu einem Floß.

Genommen wird, was da ist: Beim Floßbau ist Improvisation gefordert.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Entsteht für einen Soldaten eine Notsituation, „dann bauen wir uns ein behelfsmäßiges Floß“, sagt Hauptfeldwebel Hannes Pohl. Der schlanke Blondschopf zeigt gerade Kameraden der Fernspähzüge aus Seedorf und Lebach, wie das geht. Einem Praxistest steht im Anschluss nichts im Wege. Denn auf dem Truppenübungsplatz Klietz ist der gleichnamige See keine fünfzig Meter entfernt. Und Material liegt praktischerweise auch schon parat.

Bretter und Seile sind vorhanden, außerdem stehen die wasserdichten ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Dekontaminationssäcke bereit, mit denen die Fernspäher ihre Ausrüstung übers Wasser bringen. „Unter Einsatzbedingungen wäre es natürlich schwieriger, geeignetes Material zu finden“, räumt Pohl ein und hilft beim Verzurren eines Brettes. „Aber hier geht es vor allem um die Abläufe und eine Vorstellung davon, wie man sich im Notfall hilft. Im Wald würde man statt der Bretter eben mit Rundholz arbeiten.“

Verletzte sicher übers Wasser bringen

Mehrere Soldaten tragen ein behelfsmäßiges Floß Richtung Wasser.

Das improvisierte Floß wird zu Wasser gelassen.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Sechs Fernspäher hören aufmerksam zu, als Pohl Schritt für Schritt den Bau eines Behelfsfloßes erläutert. „Es muss ja nicht mal eine Verwundung sein. Ein gebrochenes Bein oder ein kaputtes Knie reichen schon aus.“ Um den verletzten Kameraden dann sicher über das Wasserhindernis zu bekommen, ist ein Floß am zweckmäßigsten. So kann er liegend transportiert und auch beim Übersetzen gut fixiert werden.

Auf zwei lange Bretter lässt Pohl jeweils am äußersten Ende einen der befüllten Dekontaminationssäcke legen. Beide werden gut mit Seilen verzurrt. Dann kommen zwei weitere Bretter längs darüber. „Was man zum Verzurren nimmt, ist eigentlich egal“, sagt Pohl. „Kletterseil, Reepschnur, ganz wurscht. Hauptsache, die Verbindung passt.“ Über die Konstruktion werden zum Schluss noch zwei Bretter quergelegt. Hier können die Schwimmer später anpacken.

Nicht hübsch, aber praktisch

Ein behelfsmäßiges Floß aus Holzbretten und aufgeblasenen Säcken liegt tropfend nass am Ufer.

Das Floß wiegt rund 150 Kilo – ohne Fracht.

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Bildlich gesprochen könnte man das Resultat der Bastelei mit einer überdimensionierten Europalette vergleichen. Nicht eben hübsch, aber das Ding erfüllt seinen Zweck. Und es ist recht schwer. „In der Form etwa 150 Kilogramm“, schätzt Pohl und lässt die Männer ihre Konstruktion umdrehen. Das kostet schon mal Kraft. Anschließend wird das Floß zu Wasser gelassen.

Einer der Fernspäher mimt den Verletzten und legt sich auf die Bretter – heute der beste Job. Ein Kamerad „betreut“ ihn, alle übrigen schieben das Floß in ihren ungelenken Trockenschwimmanzügen über den See. Und wieder zurück. Mit Flossen geht das noch ganz gut, ohne ist es eine Schinderei. Aber am Ende sind alle zufrieden. „Einmal müssen die Männer das gemacht haben“, sagt Pohl. „Dann haben sie es eigentlich drauf.“

von Markus Tiedke

Gewässer: Ein Element der Fernspäher