Viel erreicht für Frauen in der Bundeswehr – „Wir bleiben am Ball!“

Viel erreicht für Frauen in der Bundeswehr – „Wir bleiben am Ball!“

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Die Bundeswehr setzt, wie andere Arbeitgeber auch, im Wettbewerb um geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf aktives Diversity Management. Dafür gibt es seit 2015 das Stabselement für Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion im Bundesministerium der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung). Die Leiterin des Stabselements, Flottenarzt Wiebke Franck, beantwortete uns Fragen zum Thema Frauen in der Bundeswehr.

6 Fragen an Wiebke Franck

Leiterin des Stabselements für Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Frau Flottenarzt Franck, seit 20 Jahren können Frauen in alle Laufbahnen der Bundeswehr eintreten, in den Sanitäts- und Militärmusikdienst schon weitaus länger. Wie sind Sie zur Bundeswehr gekommen?

Durch meine Faszination für die Seefahrt! Ich erinnere mich noch gut an einen Tag der offenen Tür bei der Marine in Olpenitz im Jahr 1974. Schon damals faszinierten mich die großen grauen Schiffe, was meine Mutter etwas verwunderte. 1974 war der Dienst in der Marine für ein kleines Mädchen in Deutschland noch sehr weit weg. Viele Jahre später, nach meinem zivilen Medizinstudium, kam ich zunächst als Vertragsärztin zur Bundeswehr. Als die Bundeswehr den Dienst an Bord in der Marine für weibliches Sanitätspersonal öffnete, gab es für mich kein Halten mehr. Ich bewarb mich als Soldatin auf Zeit und war dann auch eine der ersten Frauen an Bord von Marineeinheiten.

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Nach derzeitigem Stand gibt es etwa 12 Prozent Soldatinnen in den Streitkräften. Wie bewerten Sie diese Zahl und wie soll sich der Frauenanteil entwickeln?

Insgesamt wird die Bundeswehr immer weiblicher. Soldatinnen und zivile Mitarbeiterinnen gehören zu unserem Alltag. Laut Gesetz sind Zielgrößen von 15 Prozent insgesamt in allen militärischen Laufbahnen und von 50 Prozent im Sanitätsdienst vorgesehen, darunter gelten Frauen als unterrepräsentiert. Wir liegen aktuell bei ca. 12,5 und 45 Prozent. Das heißt, wir haben schon viel erreicht, müssen aber am Ball bleiben. Es ist klar, dass unsere Soldatinnen als Teil der Truppe unverzichtbar sind für die Gewährleistung der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Deswegen ist es wichtig, regelmäßig den „Pegelstand“ zu ermitteln und zu schauen, wo wir noch etwas verbessern können, um ein noch attraktiverer Arbeitgeber für Frauen zu werden. Dazu tausche ich mich gerne auch mit jüngeren Kameradinnen aus. Wir können es uns nicht erlauben, Talente zu übersehen oder zu verlieren.

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Das Stabselement für Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion identifiziert Hürden auf dem Weg zu einer vielfältigeren Bundeswehr. Wie sieht das konkret aus und wo liegen diese Hürden für die Gruppe der Frauen?

Zum Beispiel schauen wir uns Beurteilungsergebnisse an, vergleichen Ergebnisse aus den Auswahl- und Perspektivkonferenzen und analysieren Bewerbungs- und Einplanungszahlen. Immer mit den Fragen im Hinterkopf: Gibt es Auffälligkeiten? Können wir systemische Barrieren erkennen? Kleine Auffälligkeiten haben wir etwa bei den Beurteilungen von Teilzeitkräften festgestellt. Teilzeitkräfte erhalten seltener Spitzenbeurteilungen. Dies ist zwar geschlechtsunabhängig aufgefallen, es arbeiten allerdings immer noch überwiegend Frauen in Teilzeit.

Wenn wir so etwas entdecken, steuern wir direkt dagegen. Das heißt hier konkret, dass wir Vorgesetzte verstärkt schon in ihrer Ausbildung sensibilisieren, auf Chancengerechtigkeit zu achten; gerade auch mit Blick auf die Beurteilungen. Die Angehörigen der Bundeswehr sollen anhand ihrer Leistungen beurteilt werden - Aspekte wie Herkunft, Geschlecht oder persönliche Sympathie dürfen dabei keine Rolle spielen! Wir müssen unbewusste Vorurteile oder Stereotype identifizieren und abbauen.

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Wie sieht die Entwicklung des Anteils von Frauen in Führungspositionen in der Bundeswehr aus?

Die Bundesregierung möchte bis 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen des Öffentlichen Dienstes. Bei den Soldatinnen brauchen wir da einen etwas längeren Atem, da die meisten Laufbahnen erst vor 20 Jahren für Frauen geöffnet wurden. Das verdeutlicht das Beispiel der Top-Führungspositionen. Wenn wir die üblichen Ausbildungszeiten und die Zeiten der verschiedenen Tätigkeiten in einem Werdegang bis zu einer Spitzenposition berücksichtigen, werden wir meiner Einschätzung nach voraussichtlich frühestens um das Jahr 2030 die erste Frau General oder Admiral in der Bundeswehr haben, die nicht Sanitätsoffizierin ist.

Wir hatten dieses Jahr einen Frauenanteil in den zivilen Führungspositionen der Besoldungsgruppen A13 bis B9 von knapp 33 Prozent, in den militärischen lag er bei etwa 14 Prozent. Da haben wir uns in den letzten Jahren gut gesteigert und müssen uns, auch im Vergleich mit der Wirtschaft, nicht verstecken. Dass alle vier großen Bundesämter mittlerweile von Frauen geführt werden, ist - meiner Meinung nach - ein klares Statement!

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Welche Instrumente zur Förderung von Frauen in Führungspositionen halten Sie für besonders sinnvoll?

Da nutzen wir unterschiedliche, lassen Sie mich hier einige Beispiele nennen: Zielvereinbarungen auf verschiedenen Ebenen legen klare Vorgaben fest und verpflichten uns, weibliche Potenziale zu identifizieren und fördern. Zentrales Ziel ist es, den Frauenanteil überall dort zu erhöhen, wo sie noch unterrepräsentiert sind. Das betrifft sowohl Führungsebenen im BMVg als auch im nachgeordneten Bereich.

Personalentwicklungsgespräche können beispielsweise dazu beitragen, Frauen abzuholen und zu motivieren, förderliche Verwendungen oder Führungspositionen anzunehmen. Sie können Vorgesetzten und Beschäftigten helfen, gemeinsam einen Weg zu finden, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Familienpflichten nehmen immer noch überwiegend die Frauen wahr. Das schließt aber nicht aus, dass sie auch engagiert Führungsaufgaben im Dienst übernehmen können; mit modernen und flexiblen Arbeitsmodellen ist vieles machbar.

Ich möchte auch unser Mentoring-Programm erwähnen. Seit 2016 begleiten hierbei erfahrene Vorgesetzte den Führungskräftenachwuchs bei der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Von beiden Seiten, also von Mentoren und Mentees, bekommen wir durchweg sehr positive Rückmeldungen.

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

Was macht die Bundeswehr Ihrer Meinung nach zu einem interessanten Arbeitgeber für Frauen?

Vor allem die vielfältigen Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Meine persönliche Berufslaufbahn wäre bei weitem nicht so abwechslungsreich verlaufen, wenn ich den zivilen Weg als Ärztin gewählt hätte! Außerdem haben wir im Öffentlichen Dienst keinen Gender-Pay-Gap. Eine Frau, die Oberleutnant ist, verdient genauso viel wie ihr männliches Pendant. Ich kann aus eigener Erfahrung jungen Frauen den Arbeitgeber Bundeswehr sehr ans Herz legen - eine eindeutige Empfehlung!

Wiebke Frank ist eine Frau mit halblangen hellen Haaren und Brille. Sie lächelt in die Kamera.

von  PIZ Personal  E-Mail schreiben
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