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Syrien-Einsatz: Wie aus Luftbildern Aufklärungsergebnisse werden

Incirlik, Türkei, 18.01.2016.
Seit Anfang Dezember letzten Jahres leisten die ersten deutschen Soldaten ihren Dienst auf der Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei. Der Beitrag der Bundeswehr im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ besteht dabei nicht nur aus Aufklärungsflugzeugen vom Typ Tornado, sondern auch aus einer Bodenstation zur Aufklärung – der Ground Exploitation Station (GES). Sie ist das Herzstück der Aufklärungsoperation der deutschen Tornados.

Ankunft der Soldaten in Incirlik

Willkommen im Einsatz: Die ersten deutschen Soldaten treffen in Incirlik ein. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Leiter der Station ist Major Peter T., der Chef der Luftbildauswerter. Zusammen mit seinen Soldaten koordinierte er die Vorbereitung in Deutschland. Er begleitete den Transport in die Türkei und stellt den Betrieb im Einsatz sicher.

Nur vier Tage blieben, um in Deutschland alles vorzubereiten: Hintergrundmaterial, Satellitenbilder, Karten- und Höhendaten für die Einsatzregion mussten auf die Datenbanken gespielt werden. Insgesamt wurden zehn Kabinen beladen und nach Leipzig transportiert, um dort auf eine Transportmaschine vom Typ AN-124 Antonov verladen zu werden.

Der Plan zum Aufbau der Kabinen in der Türkei wurde bereits in Deutschland entwickelt und bei einer Vorerkundung in Incirlik festgelegt. Schnell stellten ein Gabelstapler und ein Kran die zehn Großkabinen, die etwas schmaler und länger als ein 20-Fuß-Container sind, im Karree auf. Container wurden miteinander verbunden, Zwischenwände herausgenommen.

Beim Aufbau waren auch Elektriker gefragt: Widerstände wurden gemessen, alles musste geerdet werden, Generatoren und die Klimaanlage wurden in Betrieb genommen. „Wir machen alles selbst, wir sind komplett autark“, erzählt Major Peter T. stolz. Bis Strom, Klimaanlage und die Rechner liefen, verging nicht einmal ein Tag.

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Erste Ergebnisse binnen Sekunden

In der GES gibt es neben einem Platz für den Leiter vier weitere Arbeitsplätze. Der Missionsmanager, der erfahrenste Luftbildauswerter, ist auch für den Datenlink zuständig. Er verteilt schon vor dem Start die Aufklärungsziele an die drei Auswerter. Die Befehle für die Flüge des deutschen Einsatzkontingents kommen aus dem Combined Air Operations Center (CAOC) in Al Udeid (Qatar). Die Aufklärungsziele für den kommenden Einsatzflug werden durch die dortigen Planer zwei Tage vorher vorgegeben.

„Die Piloten wissen, wo und wie sie fliegen können. Wir wissen, wie viel wir auswerten können“, beschreibt Major Peter T. den nun beginnenden, kooperativen Planungszyklus. Zusammen mit dem Personal des Militärischen Nachrichtenwesens beginnt am Tag vor dem Flug die Missionsplanung.

Der Tornado muss während des Aufklärungsfluges durch einen von der Besatzung festgelegten Luftraumkorridor, einen „imaginären Tunnel“, gesteuert werden. Die vorher programmierten Sensoren filmen dann alles automatisch. Sobald sich der Tornado in Reichweite der Datenlink-Antenne der Bodenstation befindet, können bereits erste Echtzeitdaten ausgewertet werden. Ihre Übertragung dauert nur wenige Sekunden.

Container von oben

Vernetztes Containerdorf: In der GES laufen alle Fäden zusammen. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

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Mosaik und Daumenkino

Das System stellt dabei selbst fest, wie gut die Verbindung zur Auswertestation ist. Bei größeren Entfernungen oder einer störenden Wolkendecke werden die Bilder komprimiert gesendet, was eine Grobauswertung ermöglicht. Das System „merkt“ sich, welche Bilder komprimiert wurden und ersetzt sie später durch bessere Aufnahmen.

Nach verschlüsseltem Download übernehmen die Computer das Sichten und Sortieren sowie das Registrieren des Materials. Die Aufnahmen werden dazu mit Satellitenbildern verglichen und gespeichert. Bei einem Aufklärungsbild handelt es sich in der Regel nicht nur um eine einzelne Aufnahme. Der Sensor erfasst ganze Bereiche und macht viele Bilder, die wie ein Mosaik zusammengefügt werden. Abhängig von Flughöhe und Einstellwinkel der Kameras können selbst Gewehre an Personen erkannt werden. Eine andere Darstellungsmethode „kann man sich wie ein Daumenkino vorstellen, wenn eine Position aus mehreren Bildern und verschiedenen Winkeln aufgenommen wird, “ erklärt Major T.

Tornados auf der Startbahn

Fliegendes Auge: Ein deutscher Aufklärungstornado auf dem Rollfeld in Incirlik. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

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Ergebnisse gehen nach Quatar

Der Missionsmanager ist der Erste, der die Ergebnisse kontrolliert. Bilder und Auswerteprodukte werden generiert, Erkenntnisse werden gekennzeichnet, beschriftet und mit Legenden versehen. Anschließend prüft der Leiter der GES die Produkte und gibt diese frei. Letztlich müssen alle Auswerteprodukte der Auswerter ein präzises und schlüssiges Gesamtbild ergeben.

Abschließend werden die Ergebnisse an das CAOC in Quatar übermittelt. Grundsätzlich stehen die freigegebenen Aufklärungsergebnisse nun allen an den Luftoperationen beteiligten Ländern zur Verfügung.

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Stand vom: 19.01.16 | Autor: Andreas Berg


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