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Schwierige Aufgabe – Überbringen einer Todesnachricht

Stadtallendorf, 04.01.2016.
Wie überbringe ich als Vorgesetzter die schmerzvolle Nachricht vom Tod den Angehörigen eines gefallenen Kameraden? Mit Hilfe von Schauspielern wurde dies bei der Division Schnelle Kräfte ausgebildet.

Angehörige und ein Soldat sitzen an einem Tisch

Zusammen mit dem Militärpfarrer überbringt Hauptmann Robert Nöldner in einer inszenierten Szene die Nachricht vom Tod des Kindes den Eltern. (Quelle: Bundeswehr/Engeland)Größere Abbildung anzeigen

Die Division Schnelle Kräfte (DSK) ist mit ihren Fallschirmjägern und Heeresfliegern einsatzbereit – jederzeit – weltweit. In Krisenregionen, wie Afghanistan oder Irak, stellten sie bereits in der Vergangenheit Kräfte zur Unterstützung ab. Einige von ihnen sind dabei gefallen. Wie überbringe ich aber als Vorgesetzter der Familie diese schmerzvolle Nachricht? Das Dezernat Truppenpsychologie der DSK hat deshalb eine Ausbildung zum „Überbringen einer Todesnachricht“ durchgeführt.

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Vorbereitung der Vorgesetzten

Es gleicht einem Albtraum, aus dem es leider kein Erwachen gibt, wenn das eigene Kind, der Partner oder die Partnerin den Platz neben einem nicht mehr besetzt. Die Gründe können dabei wie anfänglich erwähnt variieren. Aber nicht nur bei der Teilnahme an Auslandseinsätzen oder der Durchführung von speziellen Operationen kann es zu diesen tragischen Vorfällen mit Todesfolge kommen, sondern auch bei einem Autounfall auf dem Weg zum Dienst. Doch eins bleibt bei diesen Vorfällen immer gleich: Der Weg des Disziplinarvorgesetzten, um die Nachricht zu überbringen. Ziel dieser Ausbildung war es daher, Personal der Heeresfliegerregimenter mit der Disziplinarstufe 1 auf diese Aufgabe vorzubereiten.

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„Ergiebig und wichtig“

Da ich als Einheitsführer, neben dem Standortältesten, in die Situation kommen könnte, eine solche Nachricht zu überbringen, sehe ich mich als richtigen Adressaten für dieses Handlungstraining“, so Hauptmann Christian Karnagel vom Transporthubschrauberregiment 30. „Ich bin schon für viele Aus- und Weiterbildungen quer durch die ganze Republik gefahren, doch kaum eine war so ergiebig und wichtig, wie diese“, fasst der 33-jährige seine Erfahrungen zusammen.

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Schauspieler unterstützen

Um den Ausbildungserfolg sicherzustellen, wurde der praktische Anteil so realitätsnah wie möglich gestaltet. Dies bezog sich zum einen darauf, dass wie im Realen der Disziplinarvorgesetzter von einem Militärpfarrer begleitet wird. Zum anderen zählten zu den Besonderheiten aber auch die dafür eigens engagierten und aus Funk und Fernsehen bekannten Schauspieler Yvonne Wölke sowie Detlef Scholzen. Die Ausbildung hat auch sie nicht unberührt gelassen. „Diese Rolle ist eine besondere Herausforderung, da sie nah an der Wirklichkeit ist“, so die Schauspielerin Yvonne Wölke. Ihr Schauspielkollege hat ihr da mehr als zugestimmt und ebenfalls emotional belastende Parallelen festgestellt: „Diese Rolle ist ergreifend und traurig. Da ich selber Vater bin, kann ich mich gut hineinversetzen“, so Herr Scholzen.

Ein Mann nimmt eine Frau in den Arm

„Überbringen einer Todesnachricht“ – Rechts im Bild einer der Auszubildenden in einer Szene, die zur Ausbildung gehört. (Quelle: Bundeswehr/Engeland)Größere Abbildung anzeigen

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Unterstützung vom Truppenpsychologen

Es ist und bleibt eine der schwersten Bürden im Leben eines Offiziers, einer Familie mitzuteilen, dass ein Familienmitglied gestorben ist. Auch durch traurige Routine wird es nicht leichter. Durch die Ausbildung soll in dieser hoch emotionalen Situation dem Überbringer hauptsächlich mehr Handlungssicherheit vermittelt werden. Jede Situation wird anders sein, allerdings kann auch hier durch Simulation und Übung in solchen Ausnahmesituationen Handlungssicherheit erworben werden“, beschreibt der Leitende Truppenpsychologe der DSK, Regierungsdirektor Jochen Achtelstetter, das Ausbildungsziel.

Auftrag des Dezernates Truppenpsychologie der DSK besteht nicht nur in der fachlichen Begleitung, wie hier bei der Ausbildung. Der Kernauftrag ist auch die Unterstützung beim Aufbau, der Stärkung, des Erhaltes und gegebenenfalls der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit aller Soldatinnen und Soldaten.

Im Vorfeld hat Regierungsdirektor Achtelstetter mit seinem Team, bestehend aus einem weiteren zivilen Truppenpsychologen und einem Stabsfeldwebel, theoretische Grundlagen mit den Teilnehmenden besprochen. Während der Übung wurden die Teilnehmenden dann fachlich begleitet, wie beim Hauptmann Robert Nöldner, Staffelkapitän des Kampfhubschrauberregimentes aus Fritzlar, der einer Familie, hier gespielt von den Schauspielern, den Tod des Kindes überbringen musste. „Bei dem Gegenübertreten mit der Familie sollte man auf alles gefasst sein. Gleichzeitig besteht die Schwierigkeit, selbst nicht zu angespannt zu wirken. Es ist notwendig, auf die Empfänger der Nachricht einzugehen, ohne aufdringlich zu sein, vor allem nach dem Überbringen der Nachricht. Genaue Absprachen im Team mit dem Pfarrer sind notwendig. Vor allem aber benötigt man genug geistige Kapazität, um auf unvorhergesehene Lageänderungen zu reagieren“, so das Fazit des 37-Jährigen und bezieht sich damit auch auf das gezeigte Schauspielrepertoire.

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Reales Umfeld geschaffen

In einer fremden und für die Ausbildung angemieteten Wohnung fand die Ausbildung statt. Truppenpsychologiefeldwebel Stabsfeldwebel Ullrich Engeland, der zum Dezernat Truppenpsychologie gehört, hat sich vor der Ausbildung um den organisatorischen Ablauf gekümmert. „In der Vergangenheit habe ich einst eine Familie zum Flughafen Köln/Wahn gefahren, um ihren tödlich verletzten Sohn abzuholen, der mit dem Flieger nach Deutschland gebracht wurde. Das Schweigen und die Trauer im Fahrzeug während der Verbringung zum und vom Flughafen ist eine mir bis heute nicht in Vergessenheit geratene Situation. Ich bin daher froh, dass die Ausbildung für Disziplinarvorgesetzte so angeboten wird und schließlich so realitätsnah stattgefunden hat. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen sehe ich auch die Notwendigkeit dieses Handlungstrainings. Die professionellen Schauspieler haben sich auf die Rolle wunderbar eingelassen und den Teilnehmern reale Reaktionen trauernder und geschockter Eltern dargeboten“, blickt der Truppenpsychologiefeldwebel zufrieden zurück.

Aber nicht nur die Schauspieler, sondern vor allem die Teilnehmer der Heeresfliegerregimenter haben sich trotz der aufwühlenden Thematik in die inszenierte Darstellung hineinversetzt. Das Ausbildungsziel ist damit mehr als erreicht“, lautet das Resümee des Dezernatsleiters abschließend.

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Stand vom: 05.01.16 | Autor: Katharina Ryske


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