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Lufttransport de Luxe: Mitgeflogen im A400M

Berlin, 12.02.2016.
Nonstop hat ein Transportflugzeug des neuen Typs A400M Soldaten und Fracht in den Einsatz nach Mali gebracht. Mit der guten, alten Transall wäre das so nicht möglich gewesen. Doch wie fühlt sich der neue Flieger an? Unser Autor hat die Probe aufs Exempel gemacht.

Soldaten sitzen in einem A400M

Zugegeben: Business Class ist das nicht. Aber um Längen bequemer als in der Transall. (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Ein Flugzeug ist ein technisches Gerät, das Personen und Material von A nach B fliegen soll – auch bei der Bundeswehr. Der A400M macht das sogar mit einem bisschen Komfort. Das ist neu für die Soldaten: Die kennen bislang meist nur die Transall, die sicher und zuverlässig ihren Dienst tat und immer noch tut. Die aber, als Jahrzehnte alte Militärmaschine, eben auch reichlich rustikal ist. Mit dem A 400 M kommt die nächste Generation – und bringt auch einen Hauch von Luxus in den Lufttransport.

Wie gesagt, die Transall war bisher das fliegende Arbeitstier der Bundeswehr. Beim ersten Flug im A400M horcht der Passagier deshalb ständig auf deren typische Geräusche. Ein Klappern hier, vibrierende Spanngurte dort. Der Blick hält ständig Kontakt zur Feldjacke, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Heizung auf Wunsch der Mitflieger umgeschaltet wird – natürlich immer dorthin, wo man selbst gerade nicht ist. Mal ehrlich: Das ist rustikales militärisches Fliegen und es gäbe ja sonst nichts zu prahlen.

Der Airbus ist anders – eine neue Generation. Schon beim Einsteigen und Platz einnehmen beeindrucken zuerst die Größe und dann die Bequemlichkeit der Maschine. Einzelsitze mit Hosenträgergurt – wo gibt’s denn so was?!

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„Pfoten weg!“: Hebel ohne Ende

Beim Start ist die gefühlte Beschleunigung viel größer als in der Transall. Der A400M spielt hier wohl seine vier Turbopropeller-Triebwerke kompromisslos aus. Deren rund 10.900 Pferdestärken lassen den Passagier vorsichtshalber nochmals den Verschluss seiner Gurte prüfen. Allerdings sitzen die Passagiere immer noch quer zur Flugrichtung – also doch noch ein bisschen Tradition.

Während die Reiseflughöhe erreicht wird, sorgt die Crew für Informationen zum Flug und zum A400M. Die Verständigung über die Lautsprecher ist ziemlich klar und die Anschnallzeichen an der Bordwand erklären den Rest. Diese Anzeige ist neu und ungewohnt im Militärflugzeug. Nun kann niemand mehr sagen, er hätte eine Durchsage nicht verstanden.

Interessant sind für den Passagier auch die vielen Verschlüsse und Schienen, mit deren Hilfe unterschiedliche Ladungen im Frachtraum verankert werden können. Bei deren Anblick ist von vornherein klar, dass viel Zeit für Ausbildung und Einweisung nötig ist, um sie alle zu kennen und richtig zu bedienen. Kein Wunder also, dass der Loadmaster freundlich aber bestimmt darauf hinweist, die Hände davon zu lassen. Viele Hebel machen zusätzlich deutlich, dass der Laderaum des A400M variabel ist – also für nahezu jede Anforderung eine Lösung bietet.

Zwei Soldaten im Cockpit eines A400M

Fehlt da was? Nein: Gesteuert wird der A400M per Joystick. (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

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Fliegen per Joystick

Die Technik ist es auch, die am Arbeitsplatz der Flugzeugführer ins Auge sticht. Dominierte in der Transall der Steuerknüppel das Cockpit, so sucht man im A400M vergeblich danach. Hier fliegt der Pilot mit dem Joystick – und der ist an der Seite. Logisch, denn das Arbeitsumfeld ist das Gleiche wie in den zivilen Passagiermaschinen von Airbus.

Zwei Merkmale lassen erkennen, dass man sich im Cockpit eines Militärflugzeuges befindet: Das Head-up-Display und die Konsole in der Mitte zwischen den beiden Pilotensitzen. Das Head-up spielt Daten ins Gesichtsfeld ein und die Konsole unterstützt deren Bediener bei besonderen Operationen wie dem Betanken in der Luft.

Auch die für den Frachtraum verantwortlichen Technical Loadmaster profitieren von Computern. Von der Loadmaster-Workstation aus steuern sie die Beladung, die Verteilung der Last und vieles Andere mehr. Dabei unterstützt der Rechner die Menschen und diese können sich auf die wesentlichen Entscheidungen konzentrieren. Zudem können Pilot und Loadmaster ihre Daten schnell abgleichen – wiederum ein Plus an Sicherheit für Besatzung und Passagiere.

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Höher, schneller, weiter

Das Beste zum Schluss: Zwar fliegt der A400M mit seinen vier Triebwerken schneller als sein Vorgänger, aber auch weiter. Wer also ein menschliches Bedürfnis verspürt, denke noch mal zurück an die Transall mit der provisorischen Lösung der Klapp-Toilette. Vergessen Sie das ganz schnell: Der A 400 M hat Toiletten an Bord – Urinale im Heck und eine abschließbare Einrichtung im Bug. Da bleibt dem Passagier vor Staunen fast der Mund offenstehen.

Aber mal im Ernst: Wer in den Einsatz fliegt, sollte ein bisschen entspannen können. Im A400M mit seiner Besatzung gelingt das. Fazit: Die Maschine ist richtig und gut. Punkt. Nur neue Prahlereien müssen wir uns wohl einfallen lassen. Aber irgendetwas geht ja bekanntlich immer.

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Stand vom: 12.02.16 | Autor: Norbert Stäblein/Frank Bötel


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