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Enhanced Forward Presence: Geballtes Panzerfeuer im Baltikum

Rukla, Litauen / Riga, Lettland, 29.10.2019.

Ein ebenso seltenes wie beeindruckendes Schauspiel: 21 Kampfpanzer im geschlossenen Feuerüberfall. Zum dritten Mal hat die Enhanced Forward Presence (EFP) Battlegroup in Lettland Panzerbesatzungen aus allen vier EFP-Battlegroups der NATO zur Übung Iron Spear eingeladen.

Ein US-amerikanischer M1 Abrams beim Schuss aus der Stellung
Ein US-amerikanischer M1 Abrams beim Schuss aus der Stellung (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Wer hat die beste Panzerbesatzung?

Beim Schießwettkampf geht es darum, als Besatzung gut eingespielt zu sein und sein Gerät zu beherrschen. Hauptmann Jan S., Führer eines deutschen Panzerzuges, ist mit zwei Leopard 2A6 und ihren Besatzungen aus dem litauischen Rukla ins 300 Kilometer entfernte Camp Adazi gekommen. Es ist wichtig, präsent zu sein. Zu zeigen, dass im Ernstfall eine starke, gepanzerte NATO-Streitmacht den baltischen Staaten zur Seite steht.

Derzeit sind Soldaten des Panzergrenadierbataillons 391 aus dem Bad Salzungen und ein Zug des Panzerbataillons 393 aus Bad Frankenhausen in Litauen stationiert. Sie bilden den Kern der dortigen NATO-Battlegroup.

Panzer vom Typ Leopard 2A6 fährt in Stellung
Ein Leopard 2A6 fährt in die Stellung. (Quelle: Bundeswehr/Karsten Dyba)Größere Abbildung anzeigen

Punkte gibt es für Präzision und schnelles Schießen

Zwei Tage zuvor haben die Logistiker der Battlegroup in Litauen mehrere Panzer mit Schwerlasttransportern in die lettische Hauptstadt Riga gebracht. Beim Wettkampf geht es um Präzision und Geschwindigkeit: Zwar ist die Zeitvorgabe mit 15 Minuten großzügig, doch gibt es Punkte für schnelles Schießen.

Zwischen vier und fünf Minuten benötigen die Panzerbesatzungen, um in die erste Stellung zu fahren, zwei gepanzerte Ziele und eine Schützengruppe zu bekämpfen. Dann folgt der Stellungswechsel bis auf eine vorgegebene Linie, und der Feuerkampf muss erneut aufgenommen werden. Punkte gibt es neben der Zielbekämpfung auch für einen korrekten Combat Report.

„Ziel bekämpft!“

Oberfeldwebel David S. schwenkt den Turm des Leoparden ins Ziel. „Vor eigener Stellung feindlicher Kampfpanzer!“ meldet er im Bordfunk. „Erkannt“, antwortet der Richtschütze Oberstabsgefreiter Fabian E. und ermittelt die Entfernung: „Tausendvierhundert!“. Unten im Turm „tastet“ der Ladeschütze „Feuer“. Das heißt: Nachdem die richtige Munition geladen und der Rechner die Kanone aufs Ziel eingestellt hat, drückt Oberstabsgefreiter Stanislaw N. eine Taste, mit der die fertig geladene Kanone für den Schuss freigegeben wird. Eine Sekunde später spürt der Fahrer, Oberstabsgefreiter Jens H., die gewaltige Detonation des Abschusses.

200 Meter weiter hinten beobachten die Zuschauer aus dem Schießbahnbunker das Spektakel. „Die sind verflucht schnell“, sagt Zugführer Jan S. In drei bis vier Sekunden nachzuladen, das sei für einen Ladeschützen enorm. „Hervorragend gemacht“, sagt der Hauptmann.

Doch dann hat das Maschinengewehr des deutschen Kampfpanzers eine Störung. Die Besatzung reagiert schnell und setzt den Combat Report ab, um so noch Zeitpunkte einzufahren. „Das Ziel ist, wenigstens auf das Treppchen zu kommen“, sagt der Zugführer. Als der erste Durchgang abgeschlossen ist, haben die Deutschen trotz der Störung noch die Nase vorn.

Ein Panzer im Gelände schießt
Ein Schuss – ein Treffer: Die Norweger schießen mit ihrem Leopard 2A4 besonders schnell. (Quelle: Bundeswehr/David Nolte)Größere Abbildung anzeigen

Die Norweger landen überraschend auf Platz zwei

Aufs Treppchen bei der Siegerehrung reicht es dann für die Deutschen nicht. Durch die Störung des Maschinengewehrs entgehen ihnen acht wichtige Punkte, weshalb sie auf dem undankbaren vierten Platz landen – hinter einer amerikanischen Besatzung. Groß ist die Enttäuschung bei den Norwegern vom Panzerbataillon aus Setermoen mit ihren Leopard 2A4: Den sicher geglaubten Sieg haben sie an eine Leclerc-Besatzung aus Frankreich abgeben müssen.


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Stand vom: 29.10.2019 | Autor: Karsten Dyba


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