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Innere Führung: Kommunikation ist der Schlüssel

Hamburg, 18.05.2017.
Vertrauen, Fürsorge, Kommunikation, Kameradschaft – für Kompaniechef Hauptmann Sascha Tiedemann hat sich die Innere Führung ungeachtet der jüngsten Fälle von Misshandlung und Rechtsextremismus bei der Bundeswehr bewährt. Hier gibt er einen Einblick in seine Erfahrungen.

Soldaten stehen an, um in Flugzeug zu steigen

Hauptmann Tiedemann sagt seinen Kameraden gleich in der ersten Woche, was er von ihnen erwartet: Sagen Sie die Wahrheit, geben Sie stets Ihr Bestes, seien Sie kameradschaftlich. (Quelle: Bundeswehr/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Nach einem Jahr Dienstzeit als Chef einer Rekrutenkompanie in der Fallschirmjägerkaserne in Seedorf ist Hauptmann Sascha Tiedemann mit dem Arbeitsklima in seiner Einheit sehr zufrieden. Das führt Tiedemann vor allem auf die gelebte Innere Führung zurück. „Wir sagen den jungen Soldaten von Anfang an, wenn irgendwo der Schuh drückt, dann geht zu eurem direkten Vorgesetzten“, erklärt der Kompaniechef. Seine Feldwebel halte er an, sich der Belange ihrer Soldaten anzunehmen.

„Der Schlüssel ist die Kommunikation“, betont Tiedemann. „Wenn man nicht miteinander redet, kann demjenigen nicht geholfen werden, der eventuell ein Problem hat oder sich ungerecht behandelt fühlt“. Wenn der Vorgesetzte nicht wisse, dass etwas schief läuft, hat er ein Problem. Deswegen sei Kommunikation so wichtig.

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Innere Führung zu Beginn kaum greifbar

Die Grundsätze der Inneren Führung bilden die Grundlage für den militärischen Dienst in der Bundeswehr. Sie bestimmen das Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten. Sie sind Leitlinie für die Führung von Menschen und den richtigen Umgang miteinander. Eine eingängige Definition der Inneren Führung gibt es nicht. Sie orientiert sich an Werten, Normen und Gesetzen.

„In der Mitte steht der Staatsbürger in Uniform, und alles andere ist darum herum gebaut: Menschenführung, Recht, soldatische Ordnung, Fürsorge“, erläutert der Hauptmann. „Am Anfang scheint es wenig greifbar zu sein. Man kann sich das meist auf den ersten Blick kaum vorstellen“, weiß er.

Um das Konzept der Inneren Führung für seine Soldaten in der Grundausbildung verständlicher zu machen, versucht er es möglichst praktisch zu erklären: „Sie sind jetzt Staatsbürger in Uniform, das heißt, Sie sind immer noch deutscher Staatsbürger. Für Sie gilt immer noch das Grundgesetz. Alle zivilrechtlichen Gesetze sind immer noch zu 100 Prozent gültig. Aber für Sie als Soldat kommt noch das Soldatengesetz mit all seinen Rechten und Pflichten hinzu.“

Soldat hilft seinem Kameraden einen Hang hoch

„Kameradschaft ist das, was uns auszeichnet in den Streitkräften. Das wiederhole ich mit den Rekruten in jedem Unterricht“, so Tiedemann. (Quelle: Bundeswehr/Dorow)Größere Abbildung anzeigen

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Nicht nur Pflichten, auch Rechte gehören dazu

Für Soldaten der Bundeswehr gelten die Grundrechte wie für alle anderen Bürger. Allerdings sind einzelne Grundrechte aufgrund militärischer Erfordernisse durch Wehrgesetze eingeschränkt. Ein Beispiel ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dieser Artikel wird durch die im Soldatengesetz verankerte Pflicht zur Duldung von Maßnahmen zur Gesunderhaltung, wie Impfungen, eingeschränkt.

Neben den soldatischen Pflichten sind für Tiedemann auch die Rechte der Soldaten ein wichtiger Bestandteil der Inneren Führung. „Der Soldat hat das Recht, seinen Unmut und seine Meinung zu äußern, und das ist etwas, was uns auch von anderen Armeen unterscheidet.“

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Selbst ist der Chef

Der Aufgabe, seinen Rekruten das komplexe Konzept der Inneren Führung nahe zu bringen, misst Tiedemann einen hohen Stellenwert zu. Die vorgeschriebenen Chefunterrichte zu Beginn der Grundausbildung delegiert er nicht an seinen Stellvertreter, sondern hält sie selbst. „Eben auch um sicherzustellen, dass das, was mir wichtig ist, sprich Werte und soldatisches Selbstverständnis, auch vermittelt wurde.“

Neben der Kommunikation ist es vor allem die Kameradschaft, durch die Innere Führung laut Tiedemann lebt. „Ich sage meinen Soldaten gleich in der ersten Woche, was ich als ihr Disziplinarvorgesetzter und Chef von ihnen erwarte: Sagen Sie die Wahrheit, geben Sie stets Ihr Bestes, und seien Sie kameradschaftlich.“

Dies seien Grundsätze, die jeder von Anfang an verstehe. „Kameradschaft ist das, was uns auszeichnet in den Streitkräften. Das wiederhole ich mit den Rekruten in jedem Unterricht“, erzählt der Kompaniechef. Alles andere baue darauf auf. „Als Vorgesetzter habe ich eine Fürsorgepflicht. Das mache ich nicht nur, weil es meine Pflicht ist als militärischer Vorgesetzter, sondern weil auch ich Kamerad bin.“

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Kein Fehler im System

Die Innere Führung hat für Tiedemann in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Hat er selbst noch vor zwölf Jahren als Rekrut Fehlverhalten am eigenen Leib erfahren, weiß er heute umso mehr, wie wichtig gutes Führungsverhalten ist.

„Bei einem Unternehmen von 185.000 Soldaten gibt es immer wieder schwarze Schafe. Ich relativiere die Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit nicht, aber den Fehler im System der Inneren Führung kann ich nicht erkennen“, sagt Tiedemann. „Ich vertraue meinen Vorgesetzten und meinen unterstellten Soldaten und ich habe das Gefühl, dass meine Soldaten auch mir vertrauen. Das ist ein Resultat unserer Führungskultur, die aus der Inneren Führung erwachsen ist.“

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Stand vom: 18.05.17 | Autor: Alexandra Möckel


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