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Blick ins Labor: Forschung und Erprobung beim WIWeB

Erding, 17.10.2012.
Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) ist eine Dienststelle der Bundeswehr, die mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit den 50er-Jahren Materialien erprobt und kontinuierlich weiterentwickelt. Derzeit sind Mitarbeiter des Instituts beim „letzten Schliff“ an der neuen Kampfbekleidung Einsatz/Übung der Bundeswehr.

Schuh steht im Wasser

Made for Walking: Dichtigkeitstest bei Stiefeln (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Mandt)Größere Abbildung anzeigen

Das WIWeB ist maßgeblich an der Entwicklung von neuen Stoffen oder ganzen Bekleidungssystemen für die Bundeswehr beteiligt. Mitarbeiter des WIWeB arbeiten dazu Hand in Hand mit den Erprobern der Bundeswehr. Bei der Klimaprüfung der künftigen Einsatzbekleidung waren Mitarbeiter des WIWeB vor Ort, betreuten das Ausfüllen von Auswertebögen, nahmen Wetterdaten auf und testeten die Prototypen schließlich auch gleich selbst.

„Es ist schon klasse, wenn man die Prototypen nicht nur durch andere testen lässt, sondern auch selbst erprobt. Schließlich haben wir die Soldaten ja auch begleitet, um Erkenntnisse der Kameraden direkt aufnehmen zu können. So hat man ein ganz anderes Verständnis für die Dinge, die da zur Sprache kommen“, erzählt Oliver Schmid, der eigentlich kein „Textiler“ ist, sondern Leiter des technisch-betrieblichen Servicebereichs. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen begleitete er die Probandengruppe bei der Erprobung der neuen Kampfbekleidung Einsatz/Übung in die verschiedenen Klimaregionen.

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Klare Vorgaben für die Industrie

Viola Schneider ist Sachbearbeiterin Textil. Sie betreut Aufträge im Bereich der technischen und mechanischen Prüfung, koordiniert die Abläufe und ist die Schnittstelle zwischen Industrie und Erprobung. Besonders wichtig bei einem Projekt ist es, schon vorab nach geeigneten Materialien zu suchen. Schnell und flexibel muss es gehen, wenn Änderungen vorgenommen werden müssen.

„Da wir als Team wunderbar zusammenarbeiten, klappt das hervorragend“, sagt sie. Schneider schreibt nach Abschluss einer Erprobung auch die sogenannten Technischen Lieferbedingungen für das Gewebe als Beschaffungsgrundlage für die Industrie. In diesen Papieren werden die Forderungen an das Material genau beschrieben und in Normen zusammengefasst, damit verschiedene Hersteller exakt das gleiche Material liefern können – mit den geforderten Eigenschaften. Schließlich sieht man einem Kleidungsstück Schutzeigenschaften wie zum Beispiel Flammfestigkeit oder einen integrierten Vektorenschutz nicht an. Deshalb muss es klare Vorgaben für die Industrie geben.

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Direkte Zusammenarbeit mit der Truppe

Die Entwicklung des Schnittes eines Bekleidungsteils ist Sache von Christine Stach, Konfektionärin. „Wir versuchen, eine gute Passform zu erreichen, indem wir beispielsweise auf Studien zurückgreifen, die die aktuellen Körpermaße erfassen. Dadurch wird ein gut passender Größenschlüssel ermöglicht. Wir arbeiten teilweise direkt mit der Truppe zusammen. Bei der Entwicklung der Kampfbekleidung Einsatz/Übung haben wir die Einkleidung betreut und begleitet. So konnten wir direkt Änderungen für die Weiterentwicklung der Prototypen aufnehmen und Details unmittelbar besprechen“, erklärt sie.

Stach erstellt die Technischen Lieferbedingungen für die konfektionierte Bekleidung. Die Muster werden dann in der eigenen Prototypenfertigung angefertigt oder umgearbeitet. „Wir haben hier um die 500 Rollen verschiedener Stoffe. Darunter sind viele mit Tarndruckmuster“, sagt Eva Kögel, Herrenschneiderin.

Manche der Rollen scheinen auf den ersten Blick völlig gleiche Stoffe auf der Rolle zu haben. Doch das täuscht. „Nur weil die Stoffe gleich aussehen, bedeutet das nicht, dass sie auch die gleichen Eigenschaften haben. Die Materialien haben unterschiedliches Waschverhalten und ganz unterschiedliche Eigenschaften wie zum Beispiel einen integrierten Vektorenschutz“, erläutert Eva Kögel.

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Optimierung von Schutzeffekten

Eine Eigenschaft, die militärische von ziviler Kleidung in erster Linie unterscheidet, ist die Tarnwirkung. Die Tarnmuster auf den Uniformen müssen so an die jeweilige Einsatzumgebung angepasst sein, dass die Soldaten durch feindliche Kräfte möglichst schwer entdeckt werden können – und das sowohl im visuellen als auch im multispektralen Bereich.

Stoff wird durch Gerät getestet

Drucktest im Labor (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Mandt)Größere Abbildung anzeigen

Durch den Einsatz von modernen Aufklärungsmitteln reicht es heute nicht mehr aus, nur ein besonders gutes Tarndruckmuster zur Verfügung zu haben und sich Grasbüschel an den Helm zu stecken. Das WIWeB betreibt daher ganz gezielte Forschung, um allein schon durch die Zusammensetzung von textilen Grundmaterialien und die Verwendung spezieller Farbstoffe eine mögliche Aufklärung zu erschweren oder bestenfalls zu verhindern.

Die durch moderne Sensoren und Aufklärungsmittel erzeugten Bilder können so gezielt durch die eingesetzten Fasermaterialien und Farbstoffe beeinflusst werden. Dieses fundierte Wissen wird ergänzt durch die exakte Kenntnis möglicher Einsatzgebiete.

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Die Natur als Vorbild

„Wir versuchen, die Textilien und Tarndrucke an die Eigenschaften der Natur anzupassen. Das ist die beste Lösung, um die Tarnwirkung im multispektralen Bereich zu verbessern. Dazu holten wir uns jahrelang quasi die Natur ins Labor, um die spektralen Eigenschaften von Blättern, Nadeln, Holz, Steinen, Erde, Felsen, Sand und so weiter im Labor zu vermessen und Werte zu erzeugen, an denen man sich orientieren kann“, erklärt Heidi Merz, Chemielaborantin.

Für nahezu alle erdenklichen Tests verfügt das WIWeB über eine umfangreiche Laborausstattung. Reißprüfungen, Beregnungs- und Waschtests sind unter anderem möglich, und auch Beflammungsversuche werden im Labor vorgenommen. Die Flammfestigkeit der Stoffe, die für eine Einsatzuniform vorgesehen sind, entscheidet maßgeblich über die Eignung der erprobten Materialien.

Flammfest bedeutet hierbei nicht nur, dass die Bekleidung schwer brennbar ist, also vor offenen Flammen schützt, sondern auch, dass sie kurzzeitig auftretenden Flammenfronten widerstehen kann, die bei Explosionen und Bränden vorkommen. Denn neben der Druck- und Splitterwirkung von Detonationen birgt die kurzzeitige extreme Flammeneinwirkung die wohl größte Verletzungsgefahr.

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Das Institut

Insgesamt gliedert sich das Institut in vier Fach- und zwei Servicebereiche, die alle wiederum aus verschiedenen Geschäftsfeldern bestehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WIWeB schaffen Voraussetzungen für zuverlässige und sichere Produkte und Systeme für die Bundeswehr.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs entstand im bayerischen Erding ein Labor, das als Materialprüfstelle für die US Air Force arbeitete. Nach Gründung der Bundeswehr ging das Institut in deutsche Hände über. 1959 zunächst als Materialprüfstelle konzipiert, erweiterte das Institut im Laufe der Zeit nach und nach seine Kompetenzen bis hin zum heutigen Wehrwissenschaftlichen Institut.

Das Institut ist einzigartig in der Bundeswehr. Es ist im Rüstungsbereich der Ansprechpartner schlechthin für Fragen hinsichtlich Werk-und Betriebsstoffen, der Oberflächentechnologie sowie Bekleidung und Ausrüstung der Soldaten.

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Stand vom: 28.08.15 | Autor: Steffen Maluche


https://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.ueberblick.kampfbekleidung.forschung