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Das Projekt

Potsdam, 15.11.2014.

Eine für Streitkräfte weltweit wohl einmalige Gedenkstätte ist am Standort des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr nahe Potsdam entstanden: der „Wald der Erinnerung“.

Erkennungsmarke auf Waldboden
Gedenk-Ort: Der „Wald der Erinnerung“ schafft Raum für persönliche Trauer. (Quelle: Bundeswehr/Kurtze)Größere Abbildung anzeigen

Eingebettet in den natürlichen Baumbestand der Henning-von-Tresckow-Kaserne wurde auf einem circa 4.500 Quadratmeter großen Areal nahe des Haupttors ein Gedenkort geschaffen, der an die Bundeswehrangehörigen erinnert, die im Einsatz und im regulären Dienst ihr Leben verloren.

Die in Zusammenarbeit mit dem Büro Rüthnick Architekten aus Berlin gebaute Anlage umfasst einen circa 150 Meter langen Weg sowie ein Ausstellungsgebäude an dessen Anfang und einen Ort der Stille an dessen Ende. Gleichzeitig integriert sie entlang dieses Weges die zurückgeführten Ehrenhaine aus den Einsatzgebieten der Bundeswehr.

Ein Weg als roter Faden

Der komplett aus erdfarbenen Ziegeln gefertigte Weg der Erinnerung wird von sieben Stelen aus demselben Material gesäumt, die in bronzenen Lettern das Todesjahr, den Vor- und Nachnamen sowie das Einsatzgebiet der im Einsatz Verstorbenen tragen.

Rechts- und linksseitig des Weges, der sich wie ein roter Faden durch das Gelände zieht, sind die Ehrenhaine auf jeweils circa 100 Quadratmeter großen Lichtungen in den Wald integriert. Dabei wurden bestehende Lichtungen innerhalb des Waldes genutzt und so eine natürliche Einbettung der Ehrenhaine in den umliegenden Baumbestand erzielt.

Doch der „Wald der Erinnerung“ ist nicht nur den Einsatztoten gewidmet. Angehörige aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen, können an den Bäumen individuell gestaltete Gedenkschilder anbringen. Das Konzept der Friedwälder oder Ruheforste stand hier Pate, Bestattungen werden auf dem Areal aber nicht erfolgen. Neuanpflanzungen von Bäumen sollen auf Wunsch der Hinterbliebenen möglich sein.

Ein Mann montiert eine Gedenktafel
Die Anlage ist allen Toten der Bundeswehr gewidmet. (Quelle: Bundeswehr/Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Würdiger Platz für die Ehrenhaine

Zunächst wurden fünf bereits zurückgeführte Ehrenhaine aus den Einsätzen in Afghanistan und Bosnien auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos rekonstruiert.

„Auf Grund der sehr individuellen Beschaffenheit der Ehrenhaine war es nicht in allen Fällen möglich, diese in voller Größe wieder zu errichten und in den Wald der Erinnerung zu integrieren. Die unverwechselbaren und markanten Insignien der einzelnen Ehrenhaine wurden jedoch so erhalten und maßstabsgerecht wiedergeben, dass ein sehr hoher Wiedererkennungswert erreicht wird“, erläutert Oberstleutnant Arnold Winkens, Vertreter des federführenden Referats für das Projekt im Verteidigungsministerium. Die Ehrenhaine aus Masar-i Scharif und Prizren sollen folgen, sobald die jeweiligen Einsätze beendet sind.

Trauerkerzen im Ehrenhain Masar-i Scharif
Nach dem Ende des Afghanistan-Einsatzes wird auch der Ehrenhain aus Masar-i Scharif seinen Platz finden. (Quelle: Bundeswehr/Stollberg)Größere Abbildung anzeigen

Verknüpfung zweier Ideen

Die Initiative für den „Wald der Erinnerung“ entstand in der Arbeitsgruppe um die Beauftragte für die Angelegenheiten für Hinterbliebene im Verteidigungsministerium, Birgitt Heidinger. Sie geht auf die Idee von Marlis Böken zurück, deren Tochter Jenny Böken als Offizieranwärterin der Marine 2008 während einer Übung in der Nordsee ertrank. Die Idee für den „Wald der Erinnerung“ wurde mit den Überlegungen zur Wiedererrichtung der Ehrenhaine verknüpft.

In vielen lebhaften Diskussionen und Begehungen vor Ort wurden 13 verschiedene Liegenschaften im Großraum Berlin auf ihre Eignung hin geprüft. Dabei galt es, einiges zu beachten. Das Gelände sollte ein individuelles Trauern in einem persönlichen und der Natur verbundenen Rahmen ermöglichen, musste aber auch formelle Anforderungen, wie beispielsweise eine gewisse Barrierefreiheit erfüllen.

Im engen Dialog mit den Hinterbliebenen kristallisierte sich schließlich das Areal nahe des Offizierheims der Henning-von-Tresckow-Kaserne als idealer Standort für den Wald der Erinnerung heraus.

Offizielles Gedenken – individuelles Erinnern

Dieser ist keine Konkurrenz zu dem bereits 2009 eingeweihten Ehrenmal der Bundeswehr am Berliner Bendlerblock, das ebenfalls den Toten der Bundeswehr gewidmet ist: „Der Wald der Erinnerung stellt vielmehr eine Ergänzung des Ehrenmals dar und wurde in enger Zusammenarbeit und mit Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Hinterbliebenen entwickelt”, erklärt Birgitt Heidinger.

Marlis Böken zeigte sich schon während einer ersten Begehung des Areals tief bewegt und zitierte den Schriftsteller Jean Paul: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Sie sei überzeugt, dass mit dem „Wald der Erinnerung“ ein solches Paradies geschaffen werde.

Der „Wald der Erinnerung“ bietet neben Hinterbliebenen und Angehörigen auch Kameraden und Freunden einen Ort für individuelle Andacht und Trauer. Das Areal ist der interessierten Öffentlichkeit und Hinterbliebenen tagsüber im Passwechselverfahren zugänglich. Die offizielle Einweihung erfolgte am 15. November 2014.

Im Empfangsgebäude können sich die Besucher in einer Fotoausstellung über die Einsätze und die Ehrenhaine informieren. Am Ort der Stille haben Trauernde die Möglichkeit, Kerzen aufzustellen. Zusätzlich werden vor Ort neben einer Informationsbroschüre auch umweltgerechte Materialien erhältlich sein, um die individuellen Gedenktafeln an den Bäumen zu befestigen.

Namensstelen am Weg
Stelen am Weg: Jeder Name ist ein persönliches Schicksal. (Quelle: Bundeswehr/Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen


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Stand vom: 15.12.17 | Autor: Ulrike Jenssen/Frank Bötel


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.gedenken.wald_der_erinnerung.projekt