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Die Agenda Attraktivität

Berlin, 02.06.2014.

Unter dem Dach der Bundeswehr leisten mehr als eine Viertelmillion Menschen Tag für Tag ausgezeichnete Arbeit, um im Auftrag des deutschen Volkes zu Sicherheit und Frieden in der Welt beizutragen. Die Bundeswehr ist heute nicht nur eine Armee im weltweiten Einsatz, sondern ein hochmoderner, global agierender Konzern.

Gruppenaufnahme von Soldaten und Zivilisten
Bunt gemischt: Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild der Gesellschaft (Quelle: Oliver Lang)

Um diese anspruchsvolle Aufgabe als Freiwilligenarmee gut zu erfüllen, braucht die Bundeswehr auf allen Ebenen sehr vielseitige Menschen: belastbare, engagierte Mitarbeiter mit festem Charakter, Intelligenz und viel sozialer Kompetenz.

Das Angebot in Deutschland in dieser Zielgruppe sowie an qualifizierten Fachkräften wird jedoch knapp. Junge und leistungsfähige Talente haben die freie Wahl, für welchen Beruf sie sich entscheiden und wo sie ihre Chance suchen möchten. Deswegen muss die Bundeswehr schnell in die Spitzengruppe der attraktivsten Arbeitgeber vorstoßen. Ziel ist es, die vielen Guten, die sie hat, zu halten und möglichst viele neue motivierte Männer und Frauen für sich zu gewinnen.

Um das zu schaffen, muss die Bundeswehr sich ihrer Stärken als Arbeitgeber bewusst werden, aber auch hart an Schwachpunkten und Wettbewerbsnachteilen im Vergleich zu jeder anderen Konkurrenz arbeiten.

Die moderne Bundeswehr bietet zum Beispiel eine enorme Bandbreite an Karrierepfaden. Durch die neutrale Brille betrachtet, ist sie ein Sicherheitsunternehmen, eine Reederei, eine Fluglinie, ein Logistikkonzern, ein medizinischer Dienstleister – alles auf Top-Niveau und weltweit vernetzt: mehr als 240.000 Menschen, mehr als 1.000 Berufe an mehr als 300 Standorten. Es gibt kaum etwas, was man bei der Bundeswehr nicht werden kann. Wer sein Handwerk bei der Bundeswehr gelernt hat, dem stehen hinterher viele Türen in der zivilen Arbeitswelt offen.

Trotzdem scheuen heute noch viele junge Menschen ein Engagement bei der Bundeswehr oder orientieren sich nach ein paar Jahren bei der Truppe neu,

  • etwa weil der soldatische Dienst schwer mit dem Privatleben vereinbar ist,
  • weil die mangelnde Planbarkeit von Versetzungen das soziale Leben belastet,
  • weil das etablierte Karrierekorsett für soldatische Aufstiege als zu starr empfunden wird, insbesondere für Frauen und Männer, die sich in der Familienphase mehr Zeit für Kinder wünschen,
  • weil wenig Transparenz über Aufstiegs - und Entwicklungschancen zum Teil auf die Motivation drückt,
  • weil Arbeitsbedingungen und Infrastruktur als nicht mehr zeitgemäß empfunden werden,
  • weil häufig vorhandener guter Wille – auch von Seiten der Vorgesetzten - im Alltag oft unter bürokratischen Vorgaben verkümmert,
  • weil man sich mit seinen Potenzialen zu wenig einbringen kann.

Deswegen wird die Bundeswehr in den nächsten drei Jahren auf die Überholspur gehen, um sich einen vorderen Platz im Wettbewerb um die besten Köpfe zu sichern – und letztlich auch morgen zusammen mit der bestmöglichen Ausrüstung die optimale Einsatzfähigkeit zu garantieren.

Wir setzen mit der Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ alles daran, beim Thema Attraktivität einen großen Sprung nach vorne zu schaffen.

  • Wir setzen uns zum Ziel, dass die Bundeswehr moderne Arbeitszeitmodelle einführt, die ausreichend Flexibilität und Raum für das Privatleben lassen, wenn gerade kein Einsatz ist (Langzeitarbeitskonten, neue Option Teilzeit während Elternzeit).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass die Bundeswehr zum Vorreiter für Karrieren in Teilzeit wird (zum Beispiel Infrastruktur für Mobiles Arbeiten, Abschaffen bestehender Beschränkungen für Soldaten).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Einblick und Einfluss bekommen, welche Berufswege sie bei der Bundeswehr einschlagen (zum Beispiel Dienstposteninformationsbörse, intensivere Betreuung und Beratung, Talentpool um Bewerberinnen und Bewerber mit Potential zu binden).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass wir die Zahl der belastenden Versetzungen reduzieren und mehr Planbarkeit gewährleisten (zum Beispiel mehr Möglichkeit für Karrieren am selben Ort, nur noch zwei feste Versetzungstermine im Jahr, neue Sechsmonatsregel für Versetzungsankündigungen, weniger Forderungen an den Karriereaufbau).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass die Bundeswehr noch in dieser Legislatur eine vorbildliche Infrastruktur für Kinderbetreuung auch in den Randzeiten erhält – und zwar flächendeckend (z.B. bis zu 22 neue Projekte Großtagespflege jedes Jahr)
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass sich alle Angehörigen der Bundeswehr darauf verlassen können, dass sie in jeder Lebensphase die volle Unterstützung erhalten (zum Beispiel kostenfrei surfen und nach Hause telefonieren aus den Einsätzen, Coachings für Führungskräfte zu Methoden und Strategien, wie sie Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einplanen können, ohne dass der Auftrag leidet).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass die Entwicklung sozialer Kompetenzen in der Bundeswehr wertgeschätzt wird (gute Führung = Schulung tausender Führungskräfte).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass Arbeitsplatz und Unterbringung modernen Standards entsprechen (WLAN, renovierte Stuben mit TV, Kühlschränken und so weiter).
  • Wir setzen uns zum Ziel, dass die Bundeswehr mit dem Aufbau eines hochmodernen betrieblichen Gesundheitsmanagements Maßstäbe setzt (Pilotprojekte an zehn Standorten, ab 2016 für alle Beschäftigten in der Fläche).

Dies sind ehrgeizige Ziele, für deren Umsetzung es aber eine klare Zeitlinie gibt, und für die auch Haushaltsmittel bereitgestellt werden. So sind für die nächsten fünf Jahre allein für die 29 untergesetzlichen Maßnahmen rund 100 Millionen Euro eingeplant, die aus dem Verteidigungsetat kommen.

Das Prädikat „attraktiver Arbeitgeber“ kann die Bundeswehr allerdings nicht mit einem Federstrich erwerben oder für immer erhalten. Diese 29 Maßnahmen werden Schritt für Schritt in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren umgesetzt.

Es wird aber Zeit brauchen, bis alle die Verbesserungen überall spüren. Das gilt auch für das Artikelgesetz zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr, das im Herbst in den Bundestag eingebracht werden soll und im Sommer im Ressortkreis abzustimmen ist.

Die Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ ist ein wichtiger Zwischenspurt.

Auch danach wird die Bundeswehr – wie jeder andere Konzern, jeder Verband oder jede Behörde in Deutschland auch – permanent an sich arbeiten müssen, um eine gute Position am Arbeitsmarkt zu halten.

Wichtig ist, dass die Bundeswehr diese Herausforderung aktiv und positiv annimmt, dass alle den Zusatznutzen sehen:

  • Mehr personelle Ressourcen, Kenntnisse und Erfahrungshorizonte für den Arbeitgeber Bundeswehr zu erschließen.
  • Mehr Frauen für den herausfordernden Job zu gewinnen.
  • Die gute Führungsleistung in der Bundeswehr noch stärker an den kontinuierlichen Wandel in der Gesellschaft und die Lebenswirklichkeit auszurichten, ohne den kein moderner Arbeitgeber mehr Zukunft hat.
  • Die Wurzeln nach dem Ende der Wehrpflicht wieder tiefer in die Gesellschaft zu treiben.
  • Und am allerwichtigsten: Dass wir mit all diesen Anstrengungen sicherstellen, dass unsere Freiwilligenarmee auf Dauer ihre Einsatzfähigkeit behält.

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Stand vom: 04.04.2019 | Autor: Presse- und Informationsstab BMVg


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