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Die Grundausbildung – ein Überblick

Berlin, 20.10.2017.

Die Grundlagen für eine erfolgreiche Militärkarriere werden in den ersten drei Monaten als Rekrut gelegt. Was passiert in der Grundausbildung genau?

Soldat erklimmt eine Steigbahn auf der Hindernisbahn
Auf der Hindernisbahn: Manche Anforderungen sind ungewohnt. Doch die Rekruten werden an sie herangeführt. (Quelle: Bundeswehr/Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Viele Soldaten sagen, die ersten drei Monate bei der Bundeswehr seien die intensivsten und vielleicht auch die schönsten ihrer Laufbahn. In dieser Zeit werden die Rekruten mit den militärischen Tugenden bekannt gemacht; sie marschieren, schießen und biwakieren unter freiem Himmel.

Sie lernen ihre Rechte und Pflichten kennen und die besondere Kameradschaft unter Soldaten. Jeder Uniformträger muss durch die Grundausbildung, niemand kommt um sie herum.

Gemeinsamer Standard für alle Soldaten

Für die Grundausbildung oder GA werden die Nachwuchssoldaten in Rekrutenkompanien zusammengefasst. Die Ziele und Inhalte der Ausbildung sind standardisiert – jeder Rekrut bekommt die gleichen Kenntnisse vermittelt, egal welcher Teilstreitkraft er angehört.

Die GA ist darauf ausgelegt, die militärische Leistungsfähigkeit der Rekruten auf einen gemeinsamen Stand zu bringen. Dabei nehmen die Ausbilder auf die individuellen Fähigkeiten der Rekruten Rücksicht. Es spielt keine Rolle, wie gut ein Rekrut zu Anfang ist – jeder Soldat wird nach seinen Möglichkeiten gefördert, um das Ausbildungsziel zu erreichen: Die „Allgemeinmilitärische Grundbefähigung.“

Zur Grundbefähigung zählen unter anderem Kenntnisse darüber, warum es die Bundeswehr eigentlich gibt und welchen Auftrag sie zu erfüllen hat. Der Soldat lernt, sich als Staatsbürger in Uniform zu begreifen und auch, dass er als Repräsentant der Truppe während der Dienstzeit ein vorbildliches Verhalten an den Tag zu legen hat. Militärische Umgangsformen werden im sogenannten Formaldienst ebenso geübt wie der Bettenbau und die Sauberhaltung der Stube. In der Allgemeinen Truppenkunde werden die Rekruten mit den gesetzlichen Grundlagen des Soldatenberufs vertraut gemacht.

In den ersten zwei Monaten durchlaufen die Rekruten identische Trainings – der letzte Monat kann dann von den Teilstreitkräften genutzt werden, um die Rekruten auf ihre spezifischen künftigen Aufgaben vorzubereiten. Diese flexibilisierte Grundausbildung gibt es seit Anfang 2015. Seitdem können die Rekruten schneller und effizienter für die spätere Verwendung vorbereitet werden.

Gefechtsdienst und Basic-Fitness-Test

Natürlich geht es auch ins Feld, um die Grundlagen des Gefechtsdienstes kennen zu lernen. Vermittelt werden Orientierung im Gelände, verschiedene Bewegungsarten, Tarnung und Täuschung sowie der Bau von Behelfsunterkünften. Die Zubereitung einer Feldmahlzeit wird ebenso geübt wie der Umgang mit der Pistole P8 und dem Sturmgewehr G36, den Standardwaffen der Truppe.

Außerdem wird jeder Rekrut in Erster Hilfe geschult, besonderes Augenmerk liegt auf der Erstversorgung von Gefechtsverletzungen und der Kameradenhilfe. Eine ABC-Einführung und die Einweisung am Funkgerät runden die Ausbildung ab.Insgesamt deckt die Grundausbildung zehn verschiedene Themengebiete ab und hat einen Umfang von etwa 450 Ausbildungsstunden.

Jede Woche wird ein anderer thematischer Schwerpunkt gesetzt. Ansonsten wird viel Sport getrieben, damit die Soldaten im Fall der Fälle nicht außer Puste geraten. Jeder Rekrut muss am Anfang bei der Einstellungsuntersuchung und am Ende der Grundausbildung durch den sogenannten Basis-Fitness-Test BFT: Innerhalb von 90 Minuten müssen Sprint-, Kraft- und Ausdauertests bestanden werden. Auch ein Schwimmtest ist Teil der wissenschaftlich fundierten Prüfung.

Durch den BFT kann die Fitness und die Belastbarkeit der Soldaten zielgerichtet und langsam erhöht werden. Anhand der Ergebnisse lässt sich die Entwicklung ihrer individuellen Leistungsfähigkeit nachvollziehen, die Ausbilder richten die weitere Ausbildung danach aus. Scheitern ist keine Schande.

Wer in einem Teilbereich der Grundausbildung durchfällt, wird von den Ausbildern nachgeschult und darf die Prüfung wiederholen – kein Rekrut bleibt zurück. Der BFT wird auch später von jedem Soldaten einmal im Jahr wiederholt, um seine Fitness auf die Probe zu stellen.

Vortreten der Rekrutenabordnung
Beim Feierlichen Gelöbnis verpflichten sich die Soldaten, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen“. (Quelle: Bundeswehr/Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Feierliches Gelöbnis und Rekrutenbesichtigung

Gegen Ende der Grundausbildung findet das Feierliche Gelöbnis statt. Die Rekruten bekennen sich bei der öffentlichen Zeremonie zur Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung und geloben, die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen. Als Abschluss der Grundausbildung folgt dann noch die sogenannte Rekrutenbesichtigung, bei der der Nachwuchs das Erlernte vor erfahrenen Soldaten demonstrieren darf.

Nach neunzig intensiven Tagen sind die Rekruten in der Lage, als Wach- und Sicherungssoldat der Streitkräfte eingesetzt zu werden. Sie können lebensrettende Maßnahmen durchführen und einfache Aufgaben unter Gefechtsbedingungen übernehmen. Nach der Grundausbildung gehen die Rekruten in die weitere allgemeinmilitärische oder die militärfachliche Ausbildung, um für ihren Dienstposten vorbereitet zu werden – beispielsweise als Militärkraftfahrer oder Maschinengewehrschützen.

Wer in den Einsatz will, muss nicht nur die Grundbefähigung mitbringen, sondern auch die sogenannte Einsatzbefähigung und die Einsatzbefähigung für land-, luft- und seebasierte Operationen erworben haben. Beides wird in der Einsatzlandunspezifischen Ausbildung (ELUSA) vermittelt. Bevor es tatsächlich ins Ausland geht, muss auch eine Einsatzlandspezifische Ausbildung (ELSA) absolviert werden.


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Stand vom: 15.12.17 | Autor: Timo Kather


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