Sie sind hier: Startseite > Soziales > Militärseelsorge 

Die Militärseelsorge: Brücke zwischen Kirche, Staat und Militär

Berlin, 22.02.2017.
Am 22. Februar 1957 schlossen die Bundesrepublik Deutschland und die Evangelische Kirche ihren Staatsvertrag zur Regelung der Militärseelsorge. Die Katholische Kirche war damit etwas früher dran.

Soldat mit katholischen Gebets- und Gesangbuch für Soldaten

Kein Widerspruch: Soldat und Christ zu sein, schließt sich nicht aus. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die Militärseelsorge schlägt die Brücke zwischen dem christlichen Glauben und dem militärischen Auftrag der Soldaten. In Deutschland sind Gottesdienste und Messen in den Standorten ihre Hauptaufgabe.

Zusätzlich arbeiten die Seelsorger eng mit den Familienbetreuungszentren der Bundeswehr zusammen. Sie beraten zu ethischen Fragen und leiten vielerorts den Lebenskundlichen Unterricht. Dort wird unter anderem über die Rolle der Soldaten in der Gesellschaft diskutiert.

Im Auslandseinsatz leisten die Seelsorger geistlichen Beistand. Sie stehen den Soldaten jederzeit für Gespräche zur Verfügung, halten Messen und Gottesdienste ab. Die Seelsorger tragen militärische Schutzkleidung mit einem Kreuz statt einem Dienstgradabzeichen. Völkerrechtlich gelten sie als Zivilisten.

nach oben

Abkommen in den 1950er Jahren

Der Militärseelsorgevertrag zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Bundesrepublik wurde am 22. Februar 1957 geschlossen. In dem Vertrag wird das Verhältnis der EKD zum Staat geregelt.

Die katholische Militärseelsorge feierte ihr Jubiläum letztes Jahr – am 4. Februar 1956 wurde der damalige Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Wendel zum Ersten Katholischen Militärbischof für die Bundeswehr ernannt.

Die Zusammenarbeit der katholischen Kirche mit dem Militär war Anfang der 1930er Jahre im sogenannten Reichskonkordat fixiert worden. Die Vereinbarung hat bis heute Bestand, ist aber durch Folgeverträge ergänzt worden.

Pfarrer Schaller beim Gottesdienst

Seelischer Rückhalt: Auch Gottesdienste feiern die Militärseelsorger. (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Die Gesellschaft mitgestalten

Feldgeistliche und Militärseelsorger gab es allerdings schon vor Abschluss der Staatskirchenverträge. Neu an den Regelungen der 1950er Jahre war der Wille, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Die Innere Führung, das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und die Militärseelsorge in ihrer heutigen Form sind aus dieser Idee entstanden.

Praktisch heißt das, dass der Staat die Organisation und Finanzierung der Militärseelsorge übernimmt, die Kirchen stellen die Seelsorger und sind für die Inhalte verantwortlich.

Obwohl die Seelsorger von den Kirchen ernannt werden, sind sie nicht an die jeweiligen Gemeinden vor Ort angebunden. Sie arbeiten an den etwa 180 Militärpfarrämtern an den Standorten und werden für ihren Dienst in der Regel für sechs Jahre von den Kirchen freigestellt.

Es gibt derzeit etwa 100 evangelische und 80 katholische Militärpfarrämter – sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Dabei wird turnusmäßig zwischen militärischen und zivilen Geistlichen gewechselt.

nach oben

Andere Länder, andere Lösungen

Auch in anderen Ländern gibt es Militärgeistliche. Das Verhältnis zwischen Kirche und Militär ist aber oft anders geregelt. In Frankreich und Österreich etwa sind Militärseelsorger gleichzeitig Offiziere. Andere Länder, wie beispielsweise die Niederlande, setzen zusätzlich auf humanistische Lebensberater, um auch Soldaten nicht-christlichen Glaubens zu erreichen.

Mit der deutschen Wiedervereinigung wurden die Militärseelsorgeverträge auch auf das Gebiet der ehemaligen DDR ausgedehnt. In der DDR gab es keine Militärseelsorge. Seit dem Jahr 2003 gibt es auch einen Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 22.02.17 | Autor: Maja Bächler


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.soziales.milseelsorge