Sie sind hier: Startseite > Streitkräfte > Grundlagen > Geschichte > Tradition 

Traditionen in der Bundeswehr

Berlin, 10.05.2017.

Beim Aufbau der Bundeswehr 1955 standen die „Gründerväter“ vor der Problematik, dass die Bundeswehr nicht in der Nachfolge der Wehrmacht stehen sollte. Die Wehrmacht hatte sich zum willfährigen Instrument des Nationalsozialismus entwickelt und war an vielen Kriegsverbrechen beteiligt.

Eine angehende Marinesoldatin beim Gelöbnis
Der Tradition verpflichtet, aber offen für Neues (Quelle: Bundeswehr/Wilke)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Der Traditionserlass von 1982

Im Traditionserlass von 1982 wurde festgehalten, dass ein Unrechtsregime wie das „Dritte Reich“ keine Traditionen der Bundeswehr begründen kann. Entsprechend ist auch die Wehrmacht nicht traditionswürdig.

Die Bundeswehr beruft sich seit ihrem Aufbau vor allem auf drei Traditionslinien. Hervorzuheben dabei sind die Preußischen Reformen von 1807-1813, der Zivil-militärische Widerstand vom 20. Juli 1944 und die Bundeswehr.

nach oben

Die Preußischen Reformen 1807-1813

Die Preußischen Reformen veränderten das militärische System in den deutschen Ländern maßgeblich. Die preußische Armee, die noch in großen Teilen aus Söldnern bestand, hatte 1806 in den Schlachten von Jena und Auerstedt vernichtende Niederlagen gegen die Nationalarmee Napoleons einstecken müssen.

Daraus entstand die Einsicht, dass nur ein Staatsbürger, der Rechte in seinem Land hat, auch bereit ist, dieses mit seinem Leben zu verteidigen. Die preußischen Reformen umfassten unter anderem Gesetze zur Bauernbefreiung, erlaubten eine gewisse Freizügigkeit der Bürger und schafften eine Vielzahl von militärischen Strafen ab.

Letztlich entstand hier ein Vorläufer der Idee des Staatsbürgers in Uniform: Freie und an der Politik beteiligte Bürger sollten Soldaten werden. Auch wenn die Prinzipien sich nicht alle sofort durchsetzen konnten, war hier eine Idee geboren, die in der Innere Führung bis heute verankert ist.

nach oben

Der Zivil-militärische Widerstand vom 20. Juli 1944

Im August 1934 wurde die Reichswehr auf den nationalsozialistischen Reichskanzler Adolf Hitler vereidigt. Es gab vereinzelt Offiziere, die dieser Entwicklung skeptisch gegenüber standen. Die Mehrzahl erhoffte sich die Stärkung der Streitkräfte nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg.

Es gab verschiedene Attentatsversuche und -pläne, die aber alle scheiterten. Erst 1944 hatte sich der zivil-militärische Widerstand um Generaloberst a.D. Ludwig Beck, Generalmajor Henning von Tresckow und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg wieder neu formiert. Am 20. Juli ließ Stauffenberg eine Bombe direkt neben Hitler explodieren. Das Attentat scheiterte jedoch aus verschiedenen Gründen. Die Attentäter wurden hingerichtet.

Auch die Attentäter hatten den Eid auf Hitler geleistet. Aber sie sahen, dass der Krieg verloren war und hofften auf eine vorzeitige Beendigung – zumindest mit den Westalliierten. Sie sahen die große Zerstörung, die der Vernichtungskrieg in Osteuropa anrichtete. Letztlich wollten sie vor allem die deutsche Bevölkerung vor einem Krieg schützen, der nicht mehr zu gewinnen war. Die Überzeugung, das Richtige zu tun, machte die Männer des 20. Juli stark, ihr Gewissen über ihren Gehorsam zu stellen.

Aus dieser Idee ist der gewissengeleitete Gehorsam entstanden, der immer noch ein Prinzip der Inneren Führung ist.

nach oben

Die neue Bundeswehr

Beim Aufbau der Bundeswehr 1955 war noch nicht absehbar, wie sich die Welt entwickeln würde. Der Kalte Krieg hatte gerade begonnen. Von Anfang an war die Bundeswehr als Bündnisarmee konzipiert. Alleingänge sollten in Zukunft verhindert werden. In den 60 Jahren ihres Bestehens hat es viele Entwicklungen gegeben, die für die neue, moderne Bundeswehr wichtig waren.

So schaffte sie die Integration ehemaliger NVA-Soldaten nach der Wiedervereinigung. Sie vollzog den Wandel zur Einsatzarmee und öffnete sich 2001 für Frauen in allen Bereichen der Streitkräfte. Diese Entwicklungen zeigen die Wandlungsfähigkeit und Flexibilität der Bundeswehr. Sie ist in der Lage, sich zu verändern, ohne dabei ihre Werte zu verlieren. Diese Flexibilität ist ein wesentlicher Bestandteil der Inneren Führung.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 17.04.18 | Autor: Maja Bächler


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.streitkraefte.grundlagen.geschichte.tradition