Heer
Einsatzorientierte Schulung

Wo die Bundeswehr den Winterkampf lernt

Wo die Bundeswehr den Winterkampf lernt

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Mittenwald
Lesedauer:
5 MIN

Ein letztes Mal werden die geländegängigen All-Terrain-Vehicles (ATV) betankt, bevor es in die Ausbildung mit dem ungewöhnlichen Fahrzeug geht. Heute lernen die Infanteristen vom Fallschirmspezialzug aus Seedorf, sich mit dem ATV auf Gummiketten durch meterdicken Schnee zu wühlen –  ein Beispiel für die fordernde Ausbildung an der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald.

Vier Soldaten fahren mit zwei Quads auf einem verschneiten Weg.

In Mittenwald lernen nicht nur Gebirgsjäger den Kampf in schwierigem Gelände und unter besonderen Wetterbedingungen. Hier erhalten auch andere Truppenteile eine maßgeschneiderte Winterkampfausbildung für ihren Einsatzzweck.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Die Schuleinrichtung ist der Kern der Winterkampfausbildung der Bundeswehr. Hier durchläuft jeder Feldwebel- und Offizieranwärter der Gebirgsjägertruppe eine Gebirgs- und Winterkampfausbildung. Der Hauptauftrag der Gebirgs- und Winterkampfschule ist es, einsatzbereite Kräfte für die Gebirgsjägertruppe, die Gebirgsjägerbrigade 23, bereitzustellen. Zusätzlich werden hier aber auch Soldatinnen und Soldaten aus der gesamten Bundeswehr, zuletzt die Fallschirmjäger des Fallschirmspezialzuges aus Seedorf, ausgebildet. „Hierfür haben wir mit dem Ausbilder- und Beratertrupp, bestehend aus erfahrenen Gebirgsjägern, ein hervorragendes Instrument, um unterschiedliche Sicherheitskräfte auszubilden. Dazu gehören auch Vertreter externer Behörden, wie spezialisierte Polizeikräfte“, erklärt Oberstleutnant Martin S.*. Ihm sind als Ausbildungsleiter und Inspektionschef alle Hörsäle der Schuleinrichtung unterstellt. Der Ausbilder- und Beratertrupp besteht aus einem Lehrstabsoffizier und drei Ausbildungsfeldwebeln.

Erfahrene Gebirgsjäger bilden Truppe aus

Drei Soldaten stehen im verschneiten Wald.

Oberleutnant Pascal E.* (r.) ist ein einsatzerfahrener Gebirgsjäger. Jetzt gibt er sein Wissen an die Truppe weiter.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Oberleutnant Pascal E.* ist seit 2011 bei der Bundeswehr. Die ersten drei Dienstjahre diente er als Mannschaftssoldat bei den Gebirgsjägern, wechselte dann in die Offizierlaufbahn. Der einsatzerfahrene Infanterieoffizier hat sämtliche Lehrgänge absolviert, die man als Gebirgsjäger durchlaufen kann. Der ausgebildete Heeresbergführer war unter anderem Zugführer in der Truppe, bevor er 2021 an die Schule wechselte. Gemeinsam mit seinen Kameraden möchte er die Besonderheiten des Gebirgs- und Winterkampfes an die Truppe weitervermitteln.

„Ich bin gerade der Vertreter für den Hörsaalleiter im Ausbilder- und Beratertrupp. Aktuell bilden wir hier auf Zug-Ebene aus. Zukünftig werden wir wieder in größerem Umfang auf Kompanie-Ebene ausbilden“, blickt der Offizier in die Zukunft. Zuletzt war er bei der infanteristischen Ausbildung von Marinesoldaten des Seebataillons beteiligt. Wie sieht eine solche Ausbildung aus? „Mit den Ausbildungsgruppen machen wir in der ersten Woche zunächst einmal die Grundlagenausbildung im Gebirge“, erklärt Pascal. Dazu gehört alles, was mit dem Thema Schnee zu tun hat, vom Bewegen und Retten im Schnee bis hin zum scharfen Schuss. Die Ausbilder verknüpfen das Ganze dann zunehmend mit dem Gefechtsdienst, was dann in einer Abschlussübung in der zweiten Woche mündet.

„Wir sehen uns als Dienstleister“

Zwei Soldaten stehen vor einem dritten Soldaten im Schneeanzug. Er erläutert ihnen etwas.

Hauptfeldwebel Christoph G.* ist Heeresbergführer. Anhand von kreativen Beispielen vermittelt er Bergungs- und Rettungsmethoden im Tiefschnee. Wie finde ich Verschüttete mit einer Lawinensonde? Keine leichte Aufgabe.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Die Winterkampfausbildung in Mittenwald ist nicht nur für Gebirgsjäger vorgesehen. Sie soll auch andere Teile der Truppe, wie die spezialisierten Fallschirmjäger, befähigen, im Schnee kämpfen zu können. Die Fallschirmjäger etwa müssen in der Lage sein, autark hinter feindlichen Linien zu operieren. Dazu zählen auch das sichere Bewegen in diesem anspruchsvollen Gelände bei kalter Witterung und das selbstständige Bergen und Retten.

„Für den Lehrgang ‚Kampf in schwierigem Gelände‘ kann sich bundesweit jeder bei uns bewerben. Das können ein Seebataillon oder Diensthundezüge oder auch Externe, wie Polizisten, sein“, ergänzt der Ausbilder. Wie ist hier eine passende Ausbildung möglich? Zwischen den Gebirgsspezialisten und den Ausbildungsgruppen finden im Vorfeld viele Absprachen statt: „Was können wir bieten, was hätten die Kameraden gern? Am Ende entsteht ein maßgeschneidertes Ausbildungspaket. Wir sehen uns hier als Dienstleister.“

Möglichst viel in kurzer Zeit vermitteln

Ein Soldat mit einem Gewehr kniet im Schnee neben einem Baum im Wald.

Die Gefechtsausbildung in den Bergen ist auch für die versierten Infanteristen vom Fallschirmspezialzug aus Seedorf eine neue Erfahrung

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Für die meisten Kameraden ist die größte Herausforderung in Mittenwald das Gebirge selbst. Viele Lehrgangsteilnehmende kommen nicht aus der alpinen Gebirgsregion. Für viele sei der Hohe Kranzberg mit nur rund 1.400 Metern bereits schwierig, für andere nicht. Man muss daher immer individuell auf die Ausbildungsgruppe eingehen, auf unterschiedliche Anforderungen und das Ziel, was am Ende herauskommen soll. „Die Arbeit hier ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und zudem sehr spannend“, sagt Pascal. Man habe nur einen begrenzten Zeitraum und müsse versuchen, den größtmöglichen Input zu erzielen.

Beim Fallschirmspezialzug geht es nicht um das „Neuland“ Schnee. Einige von ihnen haben bereits an Winterkampfausbildungen teilgenommen und frischen nun ihr Können in Mittenwald auf. „Hier kann man dann schon eine Stufe höher gehen und Fahrzeuge wie das ATV, eine Art Quad, mit einbinden. Die nächste Stufe wäre für die Fallschirmjäger die Ausbildung ‚Sprung im Gebirge‘“, beschreibt Pascal die Ausbildungsgruppe.

Spezielles Material für Profis

Ein Soldat legt im verschneiten Wald seine Kletterausrüstung an.

Für die Ausbildung stehen der Schule spezielle Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung, um unterschiedliche Ausbildungsgruppen – vom Einsteiger bis zum Gebirgsprofi – angemessen ausbilden zu können

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Für eine professionelle Ausbildung steht der Gebirgs- und Winterkampfschule verschiedenes Material zur Verfügung. Es wird beispielsweise in der Hubschrauber- und in der Bergrettungsausbildung eingesetzt. „Gerade auf diesem Gebiet gibt es auch immer wieder Neuerungen. Durch den regen Austausch mit den zivilen Behörden profitieren wir gegenseitig von unserem Fachwissen. Teile unseres Personals sind auch in der Bergwacht ehrenamtlich tätig“, erklärt der Inspektionschef. „Mit dem Austausch wollen wir ein Stück weit dazu beitragen, dass neues Material, was sich im zivilen Bereich bewährt hat, in die Bundeswehr eingeführt wird.“ Für die Ausbildung nutzt die Ausbildungseinrichtung unter anderem auch für den Gebirgs- und Winterkampf spezialisierte Ausrüstung, wie eine spezielle Kletterausstattung oder das geländegängige ATV. Mit den kompakten Allradfahrzeugen können sich Soldaten besonders schnell und flexibel an ihren Einsatzort in schwierigem Gelände bewegen.

Internationale Ausbildung 

Ein Soldat hängt an einem Seil in einer Eiswand.

Nicht nur in Deutschland lernen die Lehrgangsteilnehmer ihr Handwerkszeug. Bei der Ausbildung zum Heeresbergführer etwa müssen sich die Soldaten im Eisklettern, hier im österreichischen Kühtai, beweisen.

Bundeswehr/Johannes Heyn

Die Gebirgs- und Winterkampfschule ist der Infanterieschule in Hammelburg unterstellt. Aufgrund der sehr guten Geländegegebenheiten rund um Mittenwald sowie der Nähe zu Übungsplätzen in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist die Winterkampfausbildung in der alpinen Region beheimatet. „Gerade hier gibt es optimale Möglichkeiten für Einsteiger, aber auch, um in wirklich schwieriges Gelände zu kommen. So können wir das Nachwuchspersonal bereits hier an die künftigen Arbeitsbedingungen gewöhnen und sie auf ihren fordernden Dienst vorbereiten“, erklärt Inspektionschef Oberstleutnant S.* weiter.

Mit der Ausbildung der Heeresbergführer und der Heereshochgebirgsspezialisten
bietet die Einrichtung zwei binationale Lehrgänge an. Die Ausbildung geht über
Grenzen hinaus – ins französische Chamonix auf den 4.810 Meter hohen Mont Blanc oder nach
Italien in die Dolomiten. Hier organisiert die Schule Pflichttouren für sowohl angehende als auch erfahrene Heeresbergführer. „Wir arbeiten intensiv mit dem österreichischen Bundesheer zusammen. So haben wir gemeinsam die Ausbildung sehr eng mit dem österreichischen Gebirgskampfzentrum in Saalfelden abgestimmt.“

*Name zum Schutz des Soldaten geändert.

Ausbildung an der Gebirgs- und Winterkampfschule

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Viele Soldaten bauen im Tiefschnee ein Iglu auf einer Waldlichtung.

Soldaten müssen lernen, im Schnee zu kämpfen und zu überleben. Beim Iglubau muss mit System vorgegangen werden, sonst droht im schlimmsten Fall der Einsturz.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat hängt an einem Seil in einer bewachsenen Felswand.

Beim scharfen Schuss am Hang ist es besonders wichtig, sich zu konzentrieren. Die Soldaten müssen sich beim Umgang mit ihrer Waffe an die Höhenunterschiede gewöhnen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat in Schneeanzug steht auf einer Straße neben einer verschneiten Hütte im Gebirge.

Oberstleutnant Martin S.* ist Inspektionschef an der Gebirgs- und Winterkampfschule. In der Luttensee-Kaserne bei Mittenwald besucht er die Ausbildung der Fallschirmjäger aus Seedorf.

Bundeswehr/Julia Dahlmann
Ein Soldat fährt mit einem Quad im Schnee an einem Soldaten in Schneeanzug vorbei.

Unterhalb der Luttensee-Kaserne gibt es optimale Möglichkeiten, etwa zur Kraftfahrausbildung mit dem ATV im Schnee

Bundeswehr/Julia Dahlmann

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von Peter Müller

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