Luftwaffe
Digitalisierung

Premiere für die NATO: Ortsunabhängige Flugsicherung

Premiere für die NATO: Ortsunabhängige Flugsicherung

  • Digitalisierung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Deutschland
Lesedauer:
2 MIN

Sogenannte Remote Air Traffic Control Tower (RTC) verändern weltweit immer mehr die Landschaft von Flugplätzen. Und das Konzept ist einfach: Die Flugsicherung wird üblicherweise von Towern geregelt, die sich auf dem Flugplatz befinden – RTCs ermöglichen es jetzt, die Flugsicherung „remote“ zu kontrollieren, also auch weit weg vom Flugplatz.

Im Remote-Tower stehen Fluglotsen dieselben Ansichten und Informationen zur Verfügung, wie sie es normalerweise im herkömmlichen Tower vorfinden. Auf zivilen Flughäfen werden sogenannte Remote-Tower stellenweise schon genutzt. In Geilenkirchen hat die Umstellung derweil einen weiteren Grund, denn der konventionelle Tower ist sanierungsbedürftig.  

Vier Monitore auf denen ein Flugplatz zu sehen ist

Unabhängig vom Standort können mit dem Remote Tower Flugplätze betrieben werden

NATO/Melanie Becker

Wie funktioniert der Remote-Tower?

Insgesamt beinhaltet der Remote-Tower zwei Arbeitspositionen: den Fluglotsen und den Koordinator. Um den Flugplatzverkehr zu verwalten, stehen den Lotsen insgesamt 16 HD-Kameras zur Verfügung.

Dargestellt wird dieses Bild auf 14 Full-HD-Bildschirmen mit einer 360-Grad Gesamtansicht des Flugplatzes, komprimiert auf ein 225-Grad-Panoramabild in Echtzeit. Zwei der Kameras sind HD-Zoomkameras und dienen der Verbesserung des Situationsbewusstseins und der Objektverfolgung.

Zwei Soldaten sitzen in einem Raum mit vielen Monnitoren auf denen ein Flugplatz abgebildet ist

Unabhängig vom Standort können mit dem Remote Tower Flugplätze betrieben werden

NATO/Melanie Becker

Der Weg hin zu einem Remote-Tower

Die Idee zu einem Remote-Tower wurde schon im Jahr 2016 getroffen. Zwei zivile und erfahrene Unternehmen, die beide bereits laufende Systeme auf dem Markt hatten, stellten diese als Testbetrieb am Flugplatz Geilenkirchen zur Verfügung. So konnten sich die Entscheidungsträger und die Fluglotsen mit den jeweiligen Systemen vertraut machen.

Nachdem das System in Geilenkirchen fertiggestellt war, musste der Remote-Tower im zweiten Halbjahr 2021 geprüft werden. Zunächst beobachteten lizenzierte Fluglotsen den Flugverkehr vom Remote-Tower aus, während er zeitglich er noch vollständig vom herkömmlichen Tower aus betrieben wurde. Ziel: etwaige Fehler oder Inkonsistenzen ausmachen. Nach wenigen Anpassungen erfüllte das System die Anforderungen.

Anschließend wurde eine volle Tower-Besatzung remote eingesetzt mit besonderem Blick auf eine Bewertung der bereitgestellten Dienste durch die Flugsicherung. Auch diese Phase wurde nach wenigen Anpassungen erfolgreich abgeschlossen. In der nächsten Phase wurden die Flugverkehrsdienste offiziell vom Remote-Tower bereitgestellt. Überwacht wurden sie weiterhin von einem Safety Controller, der im herkömmlichen Tower saß. Bei Ausfällen oder anderen Problemen konnte er jederzeit in den Flugbetrieb eingreifen. Zum Schluss erfolgte die behördliche Genehmigung des Verfahrens.

von Marco Kunet Daria Noparlik