PTBSPosttraumatische Belastungsstörung – Statistik und Zahlen

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Bundeswehr-Statistik zu PTBSPosttraumatische Belastungsstörung und psychischen Erkrankungen

In der deutschen Gesamtbevölkerung sind psychische Erkrankungen weit verbreitet. Untersuchungen zeigen, dass 30 Prozent der Menschen in ihrem Leben eine psychische Erkrankung erleiden. In europaweiten Untersuchungen sind es sogar 40 Prozent. Ein breites und differenziertes Versorgungsnetzwerk kümmert sich um diese Menschen. Je nach Diagnose stehen zum Beispiel offene Beratungsstellen,  ambulante Behandlungsmöglichkeiten in niedergelassenen Praxen, Tageskliniken oder offene oder geschlossene stationäre Einrichtungen zur Verfügung. Diese Versorgung wird von Hausärztinnen und Hausärzten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie von psychiatrischen Fachärztinnen und Fachärzten und von weiteren psychosozialen Fachdisziplinen in umfangreichen Netzwerken sichergestellt. 

Studie zu psychisch erkrankten Soldaten

Bundeswehr Stiefel von angetretenen Soldatinnen und Soldaten

Soldatinnen und Soldaten sind in ihrem beruflichen Alltag hohen Belastungen ausgesetzt – vor allem PTBSPosttraumatische Belastungsstörung kann eine Folge des Erlebten bei schwierigen Einsätzen sein. Ein guter Zusammenhalt im Kameradenkreis sorgt für Entstigmatisierung

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Das Ergebnis: Unabhängig von der Teilnahme an Auslandseinsätzen der Bundeswehr, hatten ungefähr 20 bis 25 Prozent der Soldatinnen und Soldaten bereits eine psychische Erkrankung erlebt. Damit ist die Bundeswehr laut Statistik sogar weniger betroffen als die zivile Gesellschaft. Das ist unter anderem aus der besonderen Alterszusammensetzung und dem Einstellungsverfahren zu erklären, denn es fehlen in der Bundeswehr Kinder und ältere Menschen; zudem führen einige psychische Erkrankungen schon im Bewerbungsverfahren zu einem Ausschluss.

Der Einsatz als Einflussfaktor

Dennoch muss gerade bei Soldatinnen und Soldaten besonders auf psychische Erkrankungen geachtet werden, denn sie sind in ihrem Beruf hohen Belastungen ausgesetzt: Sie müssen mit Waffen umgehen, an militärischen Übungen und Auslandseinsätzen teilnehmen und sind oft über längere Zeit von Freunden und Familie getrennt. Das erfordert eine besondere Fürsorge: Zum einen ist dadurch das individuelle Erkrankungsrisiko erhöht und zum anderen muss sichergestellt sein, dass Erkrankte nicht erneut solchen Belastungen ausgesetzt werden.

Die Posttraumatische Belastungsstörung spielt dabei wegen der besonders belastenden Einsatzerfahrungen eine spezifische Rolle. Nach Studienlage des Psychotraumazentrums der Bundeswehr prägen in den Einsätzen nicht mehr nur die als persönliche Bedrohung empfundenen Kampfhandlungen, sondern zusätzlich auch moralisch belastende Situationen wie das Erleben von Armut, Bürgerkriegen oder Gräueltaten die Wahrnehmungen der Einsatzteilnehmenden.

Häufigste psychiatrische Diagnosen mit Einsatzbezug sind:

  • PTBSPosttraumatische Belastungsstörung
  • Anpassungsstörung
  • Depression
  • Agoraphobie und andere

Die Bundeswehr erfasst einsatzbedingte psychische Erkrankungen bei Soldatinnen und Soldaten seit 2011:

Einsatzbedingte psychische Neuerkrankungen

Jahr

Psychische Erkrankungen

Darunter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung

Darunter andere Erkrankungen

2020

301

213

88

2019

290

183

107

2018

279

182

97

2017

274

170

104

2016

318

175

143

Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass die Erkrankung im Jahr der Diagnosestellung gezählt wird. Gerade PTBSPosttraumatische Belastungsstörung hat häufig eine sehr lange Verlaufszeit zwischen dem Moment der psychischen Verletzung bis zum Hilfesuchen und zur Diagnose. Gelegentlich sind Soldatinnen und Soldatinnen dann bereits aus der Bundeswehr entlassen.

Die eingangs erwähnte Studie geht davon aus, dass etwa drei Prozent aller Soldaten im Einsatz eine PTBSPosttraumatische Belastungsstörung erleiden und nur die Hälfte davon diagnostiziert wird.

Der daraus abzuleitenden Dunkelziffer versucht die Bundeswehr durch verstärkte Aufklärung über Hilfsangebote entgegenzuwirken. Verbunden mit einer zunehmenden Akzeptanz der bestehenden Hilfsangebote und einer Entstigmatisierung der Erkrankung im Kameradenkreis kann dies zu einem Anstieg der Diagnosezahlen führen.

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung im zeitlichen Verlauf

Diagnose und Behandlung der PTBSPosttraumatische Belastungsstörung können in verschiedenen Bereichen erfolgen: ambulant beim Truppenarzt, bei einem Facharztzentrum der Bundeswehr oder zukünftig vermehrt in den Ambulanzen der Bundeswehrkrankenhäuser beziehungsweise dann auch stationär in den dortigen Kliniken für Psychiatrie. Außerhalb der Bundeswehr auch bei zivilen Fachärztinnen und Fachärzte sowie ärztlichen beziehungsweise Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Aufgrund der Bandbreite der Behandlungsangebote lassen sich keine exakten Fallzahlen ermitteln. Zudem gibt es keine belastbaren Kriterien, nach denen Betroffene als „geheilt“ bezeichnet werden können. Manche Patientinnen und Patienten benötigen nur Einzeltermine, andere eine regelmäßige Therapie und gehen damit mehrfach in die Therapiestatistik ein. Vor diesem Hintergrund ist keine gesicherte Aussage darüber möglich, wie viele Soldatinnen und Soldaten aktuell betroffen sind.

Registrierte Neuerkrankungen

Im Jahr 2020 wurden bei aktiven Soldatinnen und Soldaten folgende PTBSPosttraumatische Belastungsstörung -Neuerkrankungen nach Einsätzen registriert:

  • 25 Neuerkrankungen nach KFORKosovo Force-Einsatz 
  • 142 Neuerkrankungen nach ISAFInternational Security Assistance Force/RS-Einsatz 
  • 46 Neuerkrankungen nach sonstigen Einsätzen


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