PTBS – Statistik und Zahlen

Bundeswehr-Statistik zu PTBSPosttraumatische Belastungsstörung und psychischen Erkrankungen

In der deutschen Gesamtbevölkerung sind psychische Erkrankungen weit verbreitet. Untersuchungen zeigen, dass 30 Prozent der Menschen in ihrem Leben eine psychische Erkrankung erleiden. In europaweiten Untersuchungen sind es sogar 40 Prozent. Ein breites und differenziertes Versorgungsnetzwerk kümmert sich um diese Menschen. Je nach Diagnose stehen zum Beispiel offene Beratungsstellen,  ambulante Behandlungsmöglichkeiten in niedergelassenen Praxen, Tageskliniken oder offene oder geschlossene stationäre Einrichtungen zur Verfügung. Diese Versorgung wird von Hausärztinnen und Hausärzten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie von psychiatrischen Fachärztinnen und Fachärzten und von weiteren psychosozialen Fachdisziplinen in umfangreichen Netzwerken sichergestellt. 

Studie zu psychisch erkrankten Soldaten

Bundeswehr Stiefel von angetretenen Soldatinnen und Soldaten

Soldatinnen und Soldaten sind in ihrem beruflichen Alltag hohen Belastungen ausgesetzt – vor allem PTBSPosttraumatische Belastungsstörung kann eine Folge des Erlebten bei schwierigen Einsätzen sein. Ein guter Zusammenhalt im Kameradenkreis sorgt für Entstigmatisierung

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Auch bei Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr kommen psychische Erkrankungen vor. Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin und die Technische Universität Dresden haben von 2010 bis 2013 in einer Prävalenzstudie untersucht, wie viele Soldatinnen und Soldaten im ISAFInternational Security Assistance Force-Einsatz Symptome einer PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Erkrankung zeigten. 

Das Ergebnis: 20 Prozent bis 25 Prozent der Soldatinnen und Soldaten hatten bereits vor dem Einsatz eine psychische Erkrankung erlebt. Damit ist die Truppe der Bundeswehr laut Statistik sogar weniger betroffen als die zivile Gesellschaft. Das ist unter anderem aus der besonderen Alterszusammensetzung und dem Einstellungsverfahren zu erklären, denn es fehlen in der Bundeswehr Kinder und ältere Menschen und einige psychische Erkrankungen führen schon im Bewerbungsverfahren zu einem Ausschluss. 

Der Einsatz als Einflussfaktor

Dennoch muss gerade bei Soldatinnen und Soldaten besonders auf psychische Erkrankungen geachtet werden, denn sie sind in ihrem Beruf hohen Belastungen ausgesetzt: Sie müssen mit Waffen umgehen, an militärischen Übungen und Auslandseinsätzen teilnehmen und sind oft über längere Zeit von Freunden und Familie getrennt. Das erfordert eine besondere Fürsorge: Zum einen ist dadurch das individuelle Erkrankungsrisiko erhöht und zum anderen muss sichergestellt sein, dass Erkrankte nicht erneut solchen Belastungen ausgesetzt werden.

Insbesondere die Posttraumatische Belastungsstörung spielt dabei wegen der besonders belastenden Einsatzerfahrungen eine spezifische Rolle. Nach Studienlage des Psychotraumazentrums der Bundeswehr (PTZPsychotraumazentrum) prägen in den Einsätzen nicht mehr nur die als persönliche Bedrohung empfundenen Kampfhandlungen, sondern zusätzlich auch moralisch belastende Situationen wie das Erleben von Armut, Bürgerkriegen oder Gräueltaten die Wahrnehmungen der Einsatzteilnehmenden.

Häufigste psychiatrische Diagnosen mit Einsatzbezug sind:

  • PTBSPosttraumatische Belastungsstörung
  • Anpassungsstörung, Depression, Agoraphobie et cetera

Die Bundeswehr erfasst einsatzbedingte psychische Erkrankungen bei Soldatinnen und Soldaten seit 2011:

Einsatzbedingte psychische Neuerkrankungen

Jahr

Psychische Erkrankungen

Darunter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung

Darunter andere Erkrankungen

2018

279

182

97

2017

274

170

104

2016

318

175

143

2015

344

235

109

Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass die Erkrankung im Jahr der Diagnosestellung gezählt wird. Gerade PTBSPosttraumatische Belastungsstörung hat häufig eine sehr lange Verlaufszeit zwischen dem Moment der psychischen Verletzung bis zum Hilfesuchen und zur Diagnose. Gelegentlich sind Soldatinnen und Soldatinnen dann bereits aus der Bundeswehr entlassen.

Die eingangs erwähnte Studie geht davon aus, dass etwa drei Prozent aller Soldaten im Einsatz eine PTBSPosttraumatische Belastungsstörung erleiden und nur die Hälfte davon diagnostiziert wird.

Diese Dunkelziffer versucht die Bundeswehr durch verstärkte Aufklärung über Hilfsangebote zu reduzieren. Dies, die zunehmende Akzeptanz der angebotenen Hilfsangebote und die Entstigmatisierung der Erkrankung im Kameradenkreis führt ebenfalls zu einem Anstieg der Betroffenenzahlen.

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung im zeitlichen Verlauf

Diagnose und Behandlung der PTBSPosttraumatische Belastungsstörung können in verschiedenen Bereichen erfolgen: ambulant beim Truppenarzt, bei einem Facharztzentrum der Bundeswehr oder zukünftig vermehrt in den Ambulanzen der Bundeswehrkrankenhäuser beziehungsweise dann auch stationär in den dortigen Kliniken für Psychiatrie. Außerhalb der Bundeswehr auch bei zivilen Fachärztinnen und Fachärzte sowie ärztlichen beziehungsweise Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Exakte Behandlungszahlen können durch die große Breite des Angebotes daher nicht zentral erfasst werden. Die Aussage, wie viele Soldatinnen und Soldaten aktuell betroffen sind, ist ebenso wenig belastbar, weil es keine Kriterien gibt, nach denen Betroffene als „geheilt“ bezeichnet werden können. Manche Patientinnen und Patienten brauchen nach kurzer Zeit nur Einzeltermine, andere eine regelmäßige Therapie und gehen damit mehrfach in die Therapiestatistik ein.

Die Zahl der Behandlungskontakte in Bundeswehreinrichtungen stellt sich wie folgt dar:

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Behandlungskontakte nach Jahr und Einsatzgebiet 

Einsatzgebiet

1996-
2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

KFORKosovo Force

213

12

38

24

12

19

42

43

51

88

132

173

160

132

196

ISAFInternational Security Assistance Force

30

84

75

55

130

226

418

557

759

948

1.141

1.311

1.375

1.272

1.450

Sonstige

-

-

-

-

-

-

21

129

112

107

150

213

215

211

257

Kontakte Gesamt

348

100

121

83

149

245

466

729

922

1.143

1.423

1.697

1.750

1.615

1.903

Neuerkrankungen

Im Jahr 2018 wurden bei aktiven Soldatinnen und Soldaten folgende PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Neuerkrankungen nach Einsätzen registriert:

  • 17 Neuerkrankungen nach KFORKosovo Force-Einsatz 
  • 123 Neuerkrankungen nach ISAFInternational Security Assistance Force/RS-Einsatz 
  • 42 Neuerkrankungen nach sonstigen Einsätzen
  • insgesamt 170 Neuerkrankte mit einsatzbedingter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung in 2017

  • insgesamt 175 Neuerkrankte mit einsatzbedingter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung in 2016

  • insgesamt 235 Neuerkrankte mit einsatzbedingter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung in 2015

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