PTBSPosttraumatische Belastungsstörung – Statistik und Zahlen

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Bundeswehr-Statistik zu PTBSPosttraumatische Belastungsstörung und psychischen Erkrankungen

Die Bundeswehr nimmt ihre Verantwortung und Fürsorge für die Soldatinnen und Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Störungen sehr ernst. Wir verfolgen dabei einen umfassenden Ansatz in der Behandlung und Hilfe unserer betroffenen Angehörigen und stellen somit die bestmögliche Versorgung sicher. Die Zahlen von Neuerkrankungen an PTBSPosttraumatische Belastungsstörung sowie anderer einsatzbedingter psychischer Erkrankungen in der Bundeswehr sind über die letzten Jahre relativ konstant.

In der deutschen Gesamtbevölkerung sind psychische Erkrankungen weit verbreitet. Untersuchungen zeigen, dass nahezu jeder Dritte Deutsche in seinem Leben eine psychische Erkrankung erleidet. Europäische Studien gehen von noch höheren Werten aus und sprechen sogar von 40 Prozent betroffener Menschen. In Deutschland kümmert sich ein breites und differenziertes Versorgungsnetzwerk um diese Menschen. Je nach Diagnose stehen zum Beispiel offene Beratungsstellen, ambulante Behandlungsmöglichkeiten in niedergelassenen Praxen, Tageskliniken oder offene beziehungsweise geschlossene stationäre Einrichtungen zur Verfügung. Diese Versorgung wird von Hausärztinnen und Hausärzten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie von psychiatrischen Fachärztinnen und Fachärzten und von weiteren psychosozialen Fachdisziplinen in umfangreichen Netzwerken sichergestellt. 

Studie zu psychisch erkrankten Soldaten

Bundeswehr Stiefel von angetretenen Soldatinnen und Soldaten

Soldatinnen und Soldaten sind in ihrem beruflichen Alltag hohen Belastungen ausgesetzt – vor allem PTBSPosttraumatische Belastungsstörung kann eine Folge des Erlebten bei schwierigen Einsätzen sein. Ein guter Zusammenhalt im Kameradenkreis sorgt für Entstigmatisierung

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Zwischen 2009 und 2013 führte die Bundeswehr epidemiologische Untersuchungen an Einsatzsoldaten in Afghanistan sowie an einer Kontrollgruppe von Soldaten ohne Einsatzauftrag durch. Diese Studie erbrachte erstmals aussagekräftige Ergebnisse. Mehr als 20 Prozent aller Soldatinnen und Soldaten mit und ohne Einsatz zeigten Symptome einer psychischen Erkrankung.  Danach ist die Bundeswehr laut Statistik deutlich weniger betroffen als die zivile Gesellschaft. Das lässt sich zum einen zwar aus der Alterszusammensetzung erklären, denn es fehlen in der Bundeswehr die Gruppe der Kinder und älteren Menschen; zum anderen wird bereits in den Einstellungsverfahren auf die psychische Gesundheit der Bewerberinnen und Bewerber geachtet.

Der Einsatz als Einflussfaktor

Bei Soldatinnen und Soldaten muss besonders auf psychische Erkrankungen geachtet werden, denn sie sind in ihrem Beruf hohen Belastungen ausgesetzt: Sie müssen mit Waffen umgehen, an militärischen Übungen und Auslandseinsätzen teilnehmen und sind oft über längere Zeit von Freunden und Familie getrennt. Dies erfordert eine besondere Fürsorge, denn für sie ist das individuelle Erkrankungsrisiko erhöht. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass bereits Erkrankte nicht erneut solchen Belastungen ausgesetzt werden.

Die Posttraumatische Belastungsstörung spielt in diesem Kontext eine spezifische Rolle. Nach Studienlage des Psychotraumazentrums der Bundeswehr prägen in den Einsätzen nicht mehr nur die als persönliche Bedrohung empfundenen Kampfhandlungen die Wahrnehmung der Soldatinnen und Soldaten, sondern zusätzlich auch moralisch belastende Situationen (sog. „moral injuries“) wie das Erleben von Armut, Bürgerkriegen oder Gräueltaten.

Häufigste psychiatrische Diagnosen mit Einsatzbezug sind:

  • PTBSPosttraumatische Belastungsstörung
  • Anpassungsstörung
  • Depression
  • Agoraphobie und andere

Die Bundeswehr erfasst einsatzbedingte psychische Erkrankungen bei Soldatinnen und Soldaten seit 2011:

Einsatzbedingte psychische Neuerkrankungen

Jahr

Psychische Erkrankungen

Darunter PTBSPosttraumatische Belastungsstörung

Darunter andere Erkrankungen

2021

329

210

119

2020

301

213

88

2019

290

183

107

2018

279

182

97

2017

274

170

104

Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass die Erkrankungen im Jahr der Diagnosestellung gezählt werden. Gerade PTBSPosttraumatische Belastungsstörung hat häufig eine sehr lange Verlaufszeit zwischen dem Moment der psychischen Verletzung bis zum Hilfesuchen und zur Diagnose. Gelegentlich sind Soldatinnen und Soldaten dann bereits aus der Bundeswehr entlassen.
Die eingangserwähnte Studie geht davon aus, dass etwa drei Prozent aller Soldatinnen und Soldaten im Einsatz eine PTBSPosttraumatische Belastungsstörung erleiden und nur die Hälfte davon diagnostiziert wird.
Die Bundeswehr wirkt durch verstärkte Aufklärung und niedrigschwellige Hilfsangebote der Stigmatisierung der Erkrankung entgegen; sowohl bei den Betroffenen selbst, als auch in deren privaten wie dienstlichen Umfeld. Ziel ist es, die Wahrnehmung der Hilfsangebote und damit die Diagnosequote zu verbessern.

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung im zeitlichen Verlauf

Diagnose und Behandlung der PTBSPosttraumatische Belastungsstörung können in verschiedenen Bereichen erfolgen: ambulant beim Truppenarzt, bei einem Facharztzentrum der Bundeswehr oder in den Ambulanzen der Bundeswehrkrankenhäuser beziehungsweise stationär und/oder teilstationär in den dortigen Kliniken für Psychiatrie; außerhalb der Bundeswehr auch bei zivilen Fachärztinnen und Fachärzten sowie ärztlichen beziehungsweise Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Aufgrund der Bandbreite der Behandlungsangebote und der individuellen Heilungsverläufe lassen sich keine exakten Verlaufsdaten ermitteln. Da es zudem keine belastbaren Kriterien gibt, nach denen Betroffene als „geheilt“ bezeichnet werden können, ist eine gesicherte Aussage darüber, wie viele Soldatinnen und Soldaten aktuell noch von ihrem Krankheitsbild betroffen sind, nicht möglich. Die Zahl der registrierten Neuerkrankungen lässt sich hingegen statistisch eindeutig erfassen.

Registrierte Neuerkrankungen

Im Jahr 2021 wurden bei aktiven Soldatinnen und Soldaten 210 PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Neuerkrankungen diagnostiziert und folgenden Einsätzen zugeordnet:

  • 23 Neuerkrankungen nach KFORKosovo Force-Einsatz 
  • 143 Neuerkrankungen nach ISAFInternational Security Assistance Force/RS-Einsatz 
  • 44 Neuerkrankungen nach sonstigen Einsätzen

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