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Die stumme Bedrohung aus dem Erdreich

Die stumme Bedrohung aus dem Erdreich

  • Multinationalität
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Datum:
Ort:
Lettland
Lesedauer:
3 MIN

Explosionsgefahr! Kampfmittelabwehrkräfte der Bundeswehr suchen gemeinsam mit Streitkräften neun weiterer Länder bei der Übung Detonator in Lettland nach unentdeckten Kampfmitteln. Die fast 100 Jahre tief im Boden versteckten Bomben können jederzeit zu einer Gefahr für Leib und Leben der Soldaten, aber auch der Bevölkerung werden.

Eine Hand zeigt auf eine ausgegrabene, verrostete Bombe auf dem Waldboden.

Kleine Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg liegen noch zu Tausenden im Erdreich und sind eine schlummernde Gefahr für die Bevölkerung.

Bundeswehr/Holger Bünker

Durch die Baumkronen schimmern glänzende Sonnenstrahlen, die durch eine tiefschwebende, lückenhafte Wolkendecke den Blick auf einen hellblauen Himmel freigeben. Der von Moos überzogene Waldboden lässt die schweren Kampfstiefel mehrere Zentimeter in den Boden einsinken. In einem dicht bewachsenen, von schmalen Birken, Kiefern und anderen Nadelhölzern durchzogenem Wald sucht Major Holger Bünker, erfahrener Kampfmittelabwehrstabsoffizier, mit insgesamt 28 deutschen und 40 weiteren Soldaten neun anderer Nationen nach einer Bedrohung, die seit Jahrzehnten im Erdreich schlummert: Bomben, Granaten und Munition.

Das kontaminierte Gebiet

Ein Soldat steht mit einem Metalldetektor in der rechten Hand und einem Klappspaten in der linken Hand im Wald.

Mit einer Metallsonde können Kampfmittel bis zu einer Tiefe von einem halben Meter gefunden werden. Mit dem Klappspaten legt der Kampfmittelabwehrsoldat die Kampfmittel frei.

Bundeswehr/Holger Bünker

„Diese nicht oder nicht vollständig detonierten Kampfmittel werden in der Fachsprache Unexploded Ordnance (UXO) genannt“, sagt der Kampfmittelabwehrstabsoffizier, während er vor Ort die Arbeit der Soldaten koordiniert. UXO, landläufig Blindgänger, können auch nach Jahrzehnten noch explodieren und stellen deshalb eine Gefahr für die Bevölkerung dar. Die Gebiete sind weder abgesperrt, noch ist es verboten, sie zu betreten. Und so begegnen die Soldaten während ihrer Arbeit im Wald des Öfteren Pilzsammlern und Wanderern.

Piep, piep

Ein Soldat steht mit einer Tiefensonde im Wald.

Mit einer Tiefensonde sucht ein litauischer Soldat nach Kampfmitteln in der Erde. Eine Tiefensonde erkennt Blindgänger bis zu einer Tiefe von fünf Metern.

Bundeswehr/Holger Bünker

Eine der größten kontaminierten Flächen in Lettland ist auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots in Cekule, einem knapp 200 Einwohner großen Dorf nahe der Landeshauptstadt Riga. Das Depot wurde 1920 durch die lettische Armee errichtet, kam dann zunächst in die Hände der Wehrmacht, um dann wieder von der sowjetischen Armee eingenommen zu werden. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sabotierten Partisanen der Roten Armee die Munitionslagereinrichtung. Ungefähr 30 bis 40 Explosionen des Lagers  verteilten damals die Kampfmittel in einem Umkreis von einem Kilometer um das Munitionsdepot herum.

Der Auftrag

Soldaten bewegen im Wald mit Schaufeln das Erdreich.

Litauische Soldaten legen mit Spaten den Erdboden frei, um im Anschluss nach Munitionsüberresten zu suchen.

Bundeswehr/Holger Bünker

Das Ziel für Major Bünker und sein Team: Innerhalb von zwölf Tagen suchen sie auf dem Gebiet des Munitionsdepots eine Fläche von vier Fußballfeldern nach den versteckten Waffen des letzten Weltkrieges ab. An der bereits seit 2012 sich jedes Jahr wiederholenden Übung Detonator beteiligt sich Deutschland seit 2016. „2019 sind neben den deutschen Übungsteilnehmern auch Soldatinnen und Soldaten aus Belgien, Litauen, Dänemark, Luxemburg und Albanien hinzugekommen und wenden jeweils ihre eigenen Taktiken, Techniken und Verfahren an“, sagt Bünker. Angenehmer Nebeneffekt: Deutsche Kampfmittelabwehrsoldaten üben unter realen Bedingungen und können ihr Wissen im Austausch mit den anderen Nationen vertiefen.

Der Ablauf

Ein Soldat sitzt in einem Bagger der zwischen Bäumen steht und gräbt ein tiefes Loch in den Waldboden.

Auch schweres Gerät kommt bei der Suche zum Einsatz. Mit dem Bagger kommen die Soldaten an tiefliegende Blindgänger.

Bundeswehr/Holger Bünker

Mit Tiefen- und Metallsonden suchen die Soldaten ihre zugeteilten Bereiche ab. Schlagen die Geräte an, wird der Erdboden mit Händen, Spaten oder Baggern freigelegt, sodass es zu keiner Berührung oder Bewegung des gefundenen Kampfmittels kommt. Daraufhin findet eine Identifizierung statt: Was ist es? Wie gefährlich ist es? Kann es bewegt werden? Aus den Antworten folgt die Entscheidung, ob das gefundene UXO entweder vor Ort oder an einem speziellen Sprengplatz zur Explosion gebracht und damit unschädlich gemacht wird.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Aufgereiht auf dem Waldboden liegen verrostete, ausgegrabene Bomben.

Am Ende der Übung Detonator werden insgesamt rund 1.000 nicht explodierte Kampfmittel aus dem Boden entfernt.

Bundeswehr/Holger Bünker

An der Suche und der Bergung der UXO nehmen Soldaten aus der 1. Panzerdivision, dem Panzerpionierbataillon 4 aus Bogen, dem Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt und der Luftlandepionierkompanie 260 aus Saarlouis teil. Vor Ort stehen auch Sanitäter und ein Arzt aus der Sanitätsstaffel Einsatz und dem Sanitätsversorgungszentrum aus Munster für eine eventuelle notfallmedizinische Betreuung bereit. Im Fall der Fälle ist es auch deren Aufgabe die Verbringung von Verwundeten nach Deutschland zu koordinieren. „Die Übung war ein voller Erfolg. Bei jeder Besprechung am Ende eines Tages konnte man das Glänzen in den Augen der Soldaten und deren Zufriedenheit sehen“, sagt Bünker und sichtet die Funde des heutigen Tages.

von André Kanzler

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