Heer

Gedenkspringen über den Brücken vor Arnheim

Gedenkspringen über den Brücken vor Arnheim

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Datum:
Ort:
Eindhoven
Lesedauer:
3 MIN
Ein Flugzeug fliegt am Tag unter blauem Himmel, drei Fallschirmjäger sind abgesprungen, der Mond scheint.

Soldaten springen während der Gedenkveranstaltung aus dem Transportflugzeug C-130 ab.

Bundeswehr/Markus Mader

Market Garden war vor 75 Jahren der Deckname einer Luft-Boden-Operation der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in der Provinz Noord-Brabant und Gelderland, auf der die Schlacht um Arnheim folgte. An der Gedenkveranstaltung „Versöhnung über den Gräbern“ nahmen aus diesem Anlass Ende September 2019 in den Niederlanden auch Soldaten des Fallschirmjägerregiments 31 teil.

Zur Eröffnung des Gedenkfestes näherte sich mit lauten Motorengeräuschen ein Transportflugzeug vom Typ C-47 Dakota der Landezone. Im Bauch der Militärmaschine warteten Fallschirmspringer in historischen Uniformen der alliierten Armee. Denn zum 75. Jahrestag sprangen erneut zahlreiche Fallschirmjäger über den historischen Landezonen Ginkelse Heide und Groesbeek nördlich von Eindhoven in den Niederlanden ab. Mit Applaus bejubelt schwebten die Springer langsam vom Himmel herab. Die Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) beteiligte sich mit rund 260 deutschen Soldaten an der Festveranstaltung. Dort wurde in mahnendem Gedenken der Gefallenen gedacht und daran erinnert, dass der Frieden in Europa nicht selbstverständlich ist.

Ziel der Alliierten war 1944, den deutschen Westwall zu umgehen und den britischen und amerikanischen Truppen den raschen Vorstoß in das Deutsche Reich zu ermöglichen. Die Operation Market Garden umfasste einen massiven Einsatz von Fallschirmjägern. So wurden damals in drei Wellen vom 19. bis 23. September 1944 insgesamt 39.620 Fallschirmjäger abgesetzt. Es war das bis heute größte Luftlandeunternehmen der Geschichte.

Rund 1.200 Fallschirmspringer aus elf Nationen

Dutzende Soldaten schweben unter blauem Himmel mit ihren geöffneten Fallschirmen zu Boden.

Die Fallschirmjäger springen über der Landezone Gingkelse Heide dem einstigen Landegebiet der Operation Market Garden in der Nähe der Stadt Ede in der Provinz Gelderland ab.

Bundeswehr/Markus Mader

1.225 Fallschirmspringer aus elf Nationen waren dieses Jahr angereist, um die Soldaten zu ehren, die im September 1944 hier abgesprungen waren. Soldaten aus Frankreich, den USAUnited States of America, Großbritannien, Italien, Belgien, Polen, Kanada, Südafrika, Deutschland, Dänemark und den Niederlanden waren vertreten. Aus acht militärischen Transportflugzeugen, darunter einer deutschen C-160 Transall, wurden über die Woche verteilt über 3.500 Fallschirmsprünge absolviert. Im Schnitt konnte jeder Soldat vier bis fünf Mal springen. Eine organisatorische Meisterleistung, die durch die niederländischen Streitkräfte vollbracht wurde.

Ein ganz besonderes Ereignis war der Absprung des Veteranen Tom Rice, der den Soldaten und Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Plötzlich wurde es still im Flugzeughangar und alle stellten die Arbeit ein, als der 98-jährige Tom Rice den Hangar betrat. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte Stabsfeldwebel Marcel Just, Lufttransportfeldwebel des Fallschirmjägerregiment 31.

Deutsche Soldaten unterstützen Festveranstaltung

Eine Frau und ein Mann sind als Tandem gesprungen und liegen heil gelandet am Boden, hinter ihnen der Fallschirm.

Oberstabsfeldwebel Egon Gallikowsky organisiert seit zehn Jahren von deutscher Seite das Gedenkspringen mit und agiert dann auch als Tandemmaster.

Bundeswehr/Markus Mader

Für die Organisation der Gedenkveranstaltung war der 61-jährige Oberstabsfeldwebel Egon Gallikowsky verantwortlich. Der erfahrene Fallschirmjäger wirkt in der Gestaltung bereits seit zehn Jahren als Hauptverantwortlicher mit. Das Fallschirmjägerregiment 31 aus dem niedersächsischen Seedorf stellte über die Hälfte der genutzten Fallschirme. Das Regiment nahm an den unterschiedlichen Fallschirmsprungvorhaben teil, sodass die Soldaten die Möglichkeit hatten, in verschiedene Landezonen zu springen. „Das ist gelebte Geschichte, Kameradschaft und Fallschirmspringen in einem – eine großartige Veranstaltung“, sagte Oberst Thomas Geßner, Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 31.

Konvoi historischer Fahrzeuge

Soldaten in historischen Uniformen sitzen in Militärfahrzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Ein Konvoi mit militärhistorischen Fahrzeugen der alliierten Armeen begeistert die Zuschauer.

Bundeswehr/Markus Mader

Zahlreiche historische Fahrzeuge und Personen in damaliger Kleidung und Uniformen waren vor Ort zu sehen. Liebevoll und detailgetreu hergerichtet standen sie reihenweise an der Landezone. Ihr Konvoi war zuvor durch die Niederlande gefahren und hatte an historischen Punkten Halt gemacht. So auch am 21. September in der Ginkelse Heide. Der Chef des Stabes der Niederländischen 11. Luftmobilen Brigade und der Bürgermeister von Arnheim dankten allen beteiligten Nationen für die Teilnahme und Unterstützung. „Es war in allen Bereichen eine gelungene Veranstaltung und wir sind stolz, dabei gewesen zu sein“, sagte ein deutscher Soldat.

Springerabzeichen der beteiligten Nationen

Eine Soldatin und ein Soldat stehen nebeneinander, ein Offizier steckt dem Soldaten ein Sprungabzeichen an.

Oberst Thomas Geßner verleiht den internationalen Fallschirmspringern das deutsche Springerabzeichen.

Bundeswehr/Markus Mader

Als sichtbares Zeichen ihrer Verbundenheit hatten die Fallschirmjäger während der Sprungdienste die Gelegenheit, Springerabzeichen anderer teilnehmender Nationen zu erwerben. So wurde als Abschluss des gemeinsamen Sprungdienstes und der Gedenkveranstaltung allen Fallschirmspringern durch die entsprechende Nation die Springerabzeichen verliehen.

von Markus Mader