Beschaffungsprozess: So kommt der Feldanzug zur Truppe

Beschaffungsprozess: So kommt der Feldanzug zur Truppe

  • Ausrüstung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Jedes Jahr empfangen viele tausend Soldatinnen und Soldaten ihre Bekleidung und persönliche Ausrüstung. Je nach Truppengattung packen sie rund 120 Sachen in ihre Seesäcke und Taschen. Auch die zivilen Bundeswehrangehörigen erhalten die für ihre Aufgaben notwendige Ausstattung. Die Beschaffung dieser Artikel wird Beschaffungsprozess genannt.

Ein voller Wagen mit Bekleidung und Ausrüstung steht im Gang der Bekleidungskammer

Etwa 120 Bekleidungsstücke empfangen die Rekrutinnen und Rekruten bei ihrer Einkleidung

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Zuständig für die Beschaffung von Dienstbekleidung und persönlicher Ausrüstung sind unterschiedliche Akteure: In der Regel meldet die Truppe einen Bedarf an das Planungsamt der Bundeswehr. „Dort erfolgt die Bewertung des Antrages“, erklärt Oberstleutnant Sven Rubel aus dem Sekretariat des Beauftragten Bekleidung, das dem Fachreferat A II 4 des Bundesministeriums für Verteidigung angehört.

Je nach Produkt erstellt ein integriertes Projektteam (IPT) unter Leitung des Planungsamtes eine funktionale Forderung. In diesen Projektteams arbeiten auch Vertreter der späteren Nutzer mit. Aus der funktionalen Forderung erarbeiten die Experten im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) eine detaillierte Leistungsbeschreibung des Artikels.

Langfristig wirtschaftlichstes Angebot erhält den Zuschlag

Diese Leistungsbeschreibung ist Grundlage für das Vergabeverfahren, das die BwBundeswehr Bekleidungsmanagement GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung (BwBM) im nächsten Schritt durchführt. Die Mitarbeiter der bundeseigenen Gesellschaft beschaffen und bewirtschaften die Bekleidung und persönlichen Ausrüstungsgegenstände der Bundeswehr. Sie versorgen die rund 250.000 Soldatinnen, Soldaten und zivilen Beschäftigten mit etwa 3.500 Produkten.

Um diese zu beschaffen, schreibt die BwBM die geforderten Artikel nach dem öffentlichem Vergaberecht aus und schließt die Verträge mit den Lieferanten. Dabei stehen unter anderem Kostenoptimierung, Qualitätsbewusstsein und Nachhaltigkeit im Fokus. Nicht das vordergründig günstigste Angebot erhält den Zuschlag, sondern das langfristig wirtschaftlichste.

„Je nach Artikel kann es sein, dass die Truppe diesen ausführlich testet, bevor der Lieferant den Auftrag erhält. Dieser Test wird anschließend durch das BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und die BwBM ausgewertet“, ergänzt Rubel. Nach Vertragsschluss, Herstellung und Auslieferung können die Beschäftigten der BwBM die Artikel über ihre Service-Standorte verteilen.

Infografik zeigt den Beschaffungsprozess für die Bekleidungsgegenstände

Vom Bedarf in der Truppe bis zur Auslieferung dauert es zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren

Bundeswehr

Beschaffungszeit variiert sehr stark

Die Dauer des Beschaffungsprozesses variiert sehr stark: Produkte, die es in der Truppe schon gibt und die nur in größerer Stückzahl benötigt werden, können bei freien Kapazitäten in bestehenden Rahmenverträgen und freien Finanzmitteln in der Regel innerhalb weniger Monate beschafft werden. Müssen die Produkte dagegen spezifische militärische Anforderungen erfüllen, um eine Fähigkeitslücke zu schließen, oder zuvor ausführlich getestet werden, kann dies auch mehrere Jahre dauern.

Hinzu kommt, dass es der Bundeswehr auf dem Textilmarkt an Marktmacht mangelt. Global betrachtet, fragt sie nur kleine Mengen spezifisch zugeschnittener Artikel auf einem Nischenmarkt nach. „Zudem kann es vorkommen, dass Bieter Rügen gegen ihren Ausschluss aus dem Verfahren erheben. Zieht sich so ein Fall über mehrere Instanzen, können mehrere Monate ins Land ziehen“, weiß Rubel.

Sollten mit Alltagsmasken beim Antreten

War bereits nach vier Wochen in der Truppe: die Corona-Alltagsmaske

Bundeswehr/Anne Weinrich

Sorgfalt ist das A und O

„Insgesamt ist im Prozess höchste Sorgfalt von allen Beteiligten notwendig, da es bei Artikeln wie der Schutzweste oder dem Gefechtshelm auch um Leib und Leben geht“, erklärt der Offizier. Trotz der hohen Anforderungen an das Produkt sind alle am Prozess Beteiligten bestrebt, diesen wo immer möglich zu verkürzen. „Dies darf aber weder zu Lasten der Qualität der Artikel noch der Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten gehen“, betont er.

Besonders schnell ging es dieses Jahr mit der Corona-Alltagsmaske, freut sich Rubel: „Da die Gesundheit der Soldatinnen, Soldaten und Beschäftigten auf dem Spiel stand, konnten wir von den Ausnahmen im Vergaberecht Gebrauch machen. So konnte die Bundeswehr die ersten 200.000 von insgesamt 1,68 Millionen Masken bereits nach vier Wochen verteilen.“

von Martin Gärtner