Reserve-Übung im Bundeswehrkrankenhaus: Apotheke mal anders

Reserve-Übung im Bundeswehrkrankenhaus: Apotheke mal anders

  • Reserve
  • Personal
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Sie sind dort, wo sie gebraucht werden: Reservisten und Reservistinnen entlasten die Bundeswehr und sammeln wertvolle Erfahrungen für ihr Berufsleben. Eine Reportage des SWR zeigt das am Beispiel von Stabsapotheker Alexa Schnölzer.

Apothekerin steht in Lager und notiert etwas

Fachfrau: Ihre Expertise als Apothekerin kann Alexa Schnölzer auch in die Bundeswehr einbringen.

Bundeswehr / Jonas Weber

Bei ihr gibt es nicht nur Hustensaft. „Ich bin unter anderem für die Bestellung und Herausgabe von Betäubungsmitteln zuständig“, sagt Stabsapotheker Alexa Schnölzer. Die Reservistin arbeitet in der Apotheke des Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

„Wir bevorraten ein großes Sortiment von Cannabis über Morphin bis hin zu Oxycodon“, sagt die 37-Jährige. Die Betäubungsmittel werden in der Schmerztherapie eingesetzt, nur schwerkranke Patienten bekommen sie. Und damit das so bleibt, werden die Mittel hinter einer schweren Panzertür gelagert.

Alles wird in Handarbeit erledigt

Schnölzer und ihr Team in der Nachschubgruppe der Apotheke kümmern sich um die Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln und Medizinprodukten. Schnölzer überprüft die eingehenden Medikamentenanforderungen und lässt die Bestellungen von ihren Mitarbeitern im Lager der Apotheke zusammenstellen.

„Wir haben hier keinen Kommissionierautomaten wie in manchen öffentlichen Apotheken“, sagt Schnölzer. Das liege daran, dass bei der Bundeswehr auch Großbestellungen bearbeitet würden. „Einige Packungsformen können nicht von den Greifsystemen eines Kommissionierungsroboters gefasst werden.“ Daher wird in der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses vieles in Handarbeit erledigt.

Lieferungen weltweit

Apothekerin im Gespräch

Arbeit im Team: Inzwischen kennt Alexa Schnölzer das ganze Krankenhaus.

Bundeswehr / Jonas Weber

Nicht nur die Ärzte des Krankenhauses bestellen bei Schnölzer. Die Apotheke beliefert auch Dienststellen der Bundeswehr im In- und Ausland, Bundesbehörden und die Bundespolizei. Auch die deutschen Botschaften weltweit werden von Berlin aus versorgt. Hinzu kommen Patienten, die mit einem Rezept vom Truppenarzt vorstellig werden. Sie können ihre Medikamente hier direkt mitnehmen.

Neuer Job, neue Eindrücke

Routinearbeit für Schnölzer, die in Erlangen und Düsseldorf Pharmazie studiert hat. Schon vor dem Studium hatte sie eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin gemacht. Der Beruf liegt in der Familie: Schnölzers Vater betreibt in Moers mehrere Apotheken, seine Tochter ist auch seine Stellvertreterin.

Alexa Schnölzer
Ich wollte mal etwas Anderes machen und mich einer neuen Herausforderung stellen.

Seit rund zehn Jahren berät sie die Kundschaft, kümmert sich um die Lieferung der Medikamente oder rührt auch mal eine individuelle Rezeptur an. „Die fachliche Beratung ist die primäre Aufgabe des Apothekers“, sagt Schnölzer. Leider sei der direkte Kontakt mit den Kunden – der sogenannte „Handverkauf“ – wegen der vielen Verwaltungsaufgaben weniger geworden.

“Ich wollte mal etwas Anderes machen und mich einer neuen Herausforderung stellen.“

Es begann mit einer Annonce

Apothekerin am Arbeitsplatz

Alles im Blick: Die Arbeit am Computer gehört zum Beruf des Apothekers dazu.

Bundeswehr / Jonas Weber

In einer pharmazeutischen Zeitschrift stieß sie auf eine Annonce der Bundeswehr: Gesucht wurden Sanitätsoffiziere der Reserve. „Die Bundeswehr bot mir die Chance, in der klinischen Pharmazie zu arbeiten – und das hat mich schon immer interessiert“, sagt Schnölzer. Ihren Vater musste sie nicht lange um eine Freistellung bitten: Er ist selbst Reserveoffizier der Bundeswehr, ebenfalls im Dienstgrad eines Stabsapothekers.

Erst die Offiziersausbildung, dann die Reserve-Übung

Alexa Schnölzer leistet ihre Übung bei der Bundeswehr ab, es sind gleich zehn Monate geworden. „Nach der Ausbildung an der Sanitätsakademie in München konnte ich direkt nach Berlin auf meinen Beorderungsdienstposten“, sagt sie. Dort ist sie als stellvertretende Leiterin des Nachschubgruppe eingesetzt.

Alexa Schnölzer bleibt dabei

Die meisten ihrer Aufgaben erledigt Schnölzer am Computer. Doch auch die Arbeit im Team ist wichtig. „Ich berate die Ärzte und das Pflegepersonal bei pharmazeutischen Fragen“, sagt sie. Der fachliche Austausch sei wesentlich intensiver als zu Hause in Moers. Zudem lerne sie das Krankenhaus und seine Fachabteilungen bei regelmäßigen Stationsbegehungen kennen – zu ihren Aufgaben gehört auch, die ordnungsgemäße Lagerung der Medikamente auf den Stationen zu überprüfen. Nach Ende der Reserve-Übung wird Alexa Schnölzer an ihren eigentlichen Arbeitsplatz in den Apotheken ihres Vaters zurückkehren – das Kapitel Bundeswehr ist für sie aber noch lange nicht beendet. „Die nächste Reservisten-Übung ist schon in Planung“, sagt Schnölzer.

Der SWR hat Alexa Schnölzer seit ihrer Ausbildung begleitet. Die Reportage ist am 27. Januar um 18.15 Uhr im TV zu sehen.

Reportage über Stabsapotheker Alexa Schnölzer – ein Making of

Seit Beginn ihrer Ausbildung steht Alexa Schnölzer dem Südwestrundfunk für eine Reportage zur Verfügung.
von Roland Rogge

Als Reservist bei der Bundeswehr