Wetterphänomen

Stockdunkel mitten am Tag – Sandsturm über Camp Castor

Stockdunkel mitten am Tag – Sandsturm über Camp Castor

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
1 MIN

Attention, there will be a habub shortly”, tönt es aus den Lautsprechern in Camp Castor. Die Warnung des JOCJoint Operation Center (Joint Operation Center), des Gefechtsstandes, ist fast unnötig – die dunklen Wolken am Himmel sind schon deutlich zu erkennen. Wenige Minute später bricht der Sandsturm los: Eine schmutzigbraune, Hunderte Meter hohe Wolke überrollt das Camp.

Eine große Sandsturmwolke rollt über das Bundeswehr-Camp Castor ein.

Sand, Staub und Steine: Bis zu 900 Meter hoch kann die Walze eines Habub werden

Bundeswehr / Erik Kropf
Eine deutsche Soldatin im Wüstenflecktarn sitzt vor zwei Computerbildschirmen.
Oberleutnant Nina F. Bundeswehr/Falk Bärwald
„In der Regenzeit gibt es hier alle drei bis fünf Tage einen Habub.”

Schlagartig heult der Wind los, Sand knirscht zwischen den Zähnen. Plötzlich ist es dunkel, als wäre es mitten in der Nacht. Eine halbe Stunde später ist alles vorbei – an den Habub erinnert nur noch der überallhin gewehte Sand. „In der Regenzeit gibt es hier alle drei bis fünf Tage einen Habub“, erklärt Frau Oberleutnant Nina F*.

Die 26-Jährige ist Wetterberaterin im deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali. Die Vorhersagen von ihr und ihren zwei Kameraden sind vor allem für den Flugbetrieb in Gao essenziell. „Ein Habub entsteht, wenn die Fallwinde eines Gewitters den losen Sand in der Wüste aufwirbeln und vor sich herschieben.“ 

Wind mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde

Die Vorhersage der Sandstürme sei schwierig, erklärt die Meteorologin. Im Norden Malis gibt es so gut wie keine Wetterstationen. „Die nächste ist in Tillia, 600 Kilometer entfernt.“ Zudem können sich die Gewitter in der heißen Luft sehr schnell bilden. „Heute war es relativ einfach, weil sich die Zelle weit entfernt gebildet hat. Da konnten wir anderthalb Stunden vorher die Warnung rausschicken.“

Auch wenn die Sandstürme meist nur kurz andauern – in der Spitze können sie Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde erreichen. „Das ist Orkanstärke.“

Neben dem Flugbetrieb ist eine möglichst verlässliche Wettervorhersage auch für Operationen am Boden wichtig. Die Wetterberater arbeiten deshalb im Schichtbetrieb rund um die Uhr.

*Name zum Schutz der Soldatin abgekürzt.

von Björn Lenz

Mehr zum Thema