Amtshilfe
Bei schweren Unglücken oder Katastrophen kann die Bundeswehr zivile Behörden mit Personal und Material unterstützen.
Beamter der Führungsakademie arbeitet ehrenamtlich für das THWTechnisches Hilfswerk
Am Mittwochvormittag 11:00 Uhr klingelt Friedrichs Handy. Ein Kollege vom THWTechnisches Hilfswerk fragt: „Es werden im Kreis Euskirchen dringend Berater gebraucht. Kannst du?“ Für Friedrich, der sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Büro befindet, ist es eine rhetorische Frage und „Klar!“ die Antwort.
Er gibt seinem Vorgesetzten an der Führungsakademie den Einsatzbefehl und bittet um Freistellung.
„Da gab es gar keine Diskussion. Nur einen Kommentar: Alles Gute und komm gesund wieder.“
Seit 2007 ist der 47-Jährige ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THWTechnisches Hilfswerk). Seit einiger Zeit hat er die Qualifikation „Technischer Berater Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ erworben. Ihm ist es ein Grundbedürfnis seine Expertise einzusetzen, um anderen Menschen zu helfen.
Nach der Alarmierung eilt Friedrich direkt nach Hause. Er wohnt in Hamburg und hat es daher nicht weit. „Meine Einsatzausrüstung liegt immer in einer Kiste bereit. Lediglich die Sachen für den persönlichen Bedarf habe ich ergänzt“, berichtet der gebürtige Delmenhorster. Da es unklar ist, ob eine Unterkunft vor Ort zur Verfügung steht, nehmen die beiden Ehrenamtlichen vorsorglich Feldbetten und Schlafsäcke mit.
Nach knapp sechs Stunden Fahrt ist das Ziel in Sicht. Der erste Einsatzort ist die Steinbachtalsperre. Nachdem Friedrich die ersten Eindrücke vor Ort gesammelt hat, geht ihm durch den Kopf: „Hier ist Sperrmülltag. Nein. Hier ist mehr los. Eine ganze Wiese voller Müll. Unglaublich.“ Er sieht das Chaos und kann es nicht begreifen: „Es war alles so unwirklich.“ Am Einsatzort angekommen, trifft sich Friedrich mit einem weiteren Kollegen vom THWTechnisches Hilfswerk: „Wir arbeiteten in Zweierteams. Insgesamt waren wir vier Berater im Landkreis Euskirchen.“ Nachdem sich die brenzlige Lage an der Talsperre normalisiert hat, kann sich Friedrich den weiteren Aufträgen widmen.
Friedrich und seine Kollegen haben Glück, ihnen wird eine Unterkunft von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. „Die Dankbarkeit und Freundlichkeit die uns die Menschen vor Ort entgegenbrachten, waren unglaublich“, erinnert sich Friedrich. Während er mit einem Fuß in einem Wohnzimmer steht, welches keine Wände mehr hat, ist er verblüfft von dem Ausmaß der Zerstörung. Trotz des Chaos sind alle hilfsbereit: „Uns wurde schon kurz nach der Ankunft in einem Dorf, Kaffee angeboten. Wir erzählten, dass wir gerade erst angekommen waren und machten uns danach direkt an die Arbeit.“
Ein Haus ist eingestürzt und wurde dabei komplett zerstört. Sowohl die Baustoffe als auch das Mobiliar schwimmen im Wasser. Die Aufgabe besteht nun darin, das Räumkommando, anzuleiten, das Treibgut zu entfernen. Dazu zählen unter anderem zwei Bagger. Denn unweit des eingestürzten Hauses ist eine Brücke, die bei einer drohenden Unterspühlung einstürzen kann.
Friedrich und seine drei Kollegen mit der Spezialausbildung „Technischer Berater Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ sind für den ganzen Landkreis Euskirchen zuständig. Sie fahren das Einsatzgebiet ab und suchten nach Stellen, die eine mögliche Gefahr darstellen. „An den auffälligen Stellen haben wir dann zu weiteren Maßnahmen geraten“, beschreibt Friedrich seinen Auftrag und ergänzt: „Wir waren in Gegenden, wo vorher noch keiner war.“ Um möglichst viel zu schaffen, nutzen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des THWTechnisches Hilfswerk die ersten Sonnenstrahlen des Tages um mit der Arbeit zu beginnen. Aufgehört wird erst bei Sonnenuntergang.
„Bad Münstereifel war eine beschauliche Einkaufsstadt. Das Ausmaß der Zerstörung war immens.“
Friedrich spricht immer wieder mit den Menschen vor Ort. Bei allem Leid, das er mitbekommt, spürt er vor allem eins: den Zusammenhalt. „Die Menschen vor Ort haben sich organisiert. Der Ingenieur war vom Unglück genauso betroffen wie der Handwerker um die Ecke. Sie teilen das gleiche Schicksal, das schweißt zusammen.“ Es ist vor allem das Menschliche, was der in Hamburg wohnende Beamte mit nach Hause nimmt. Doch er befürchtet: „Solche Einsätze könnte es in Zukunft öfter geben.“
Nach neun Tagen ist Michael Friedrich zurück in Hamburg. „Das war meine erste große Schadenslage.“ Die kommenden Wochen wird er wieder seinem Hauptberuf nachgehen und für die Sicherheit der Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr am Arbeitsplatz sorgen. Doch wer weiß, vielleicht klingelt bald wieder das Telefon und die bekannte Stimme fragt ihn: „Kannst du?“ Das THWTechnisches Hilfswerk unterstützt aktuell auch bei den Waldbränden in Griechenland: „Ich bin gelernter Elektriker. Sollte ich angefragt werden, ob ich auch dort unterstützen kann, werde ich ja sagen.“
Bei schweren Unglücken oder Katastrophen kann die Bundeswehr zivile Behörden mit Personal und Material unterstützen.