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„Alles was wir beginnen, soll durchhaltefähig sein“

„Alles was wir beginnen, soll durchhaltefähig sein“

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Straßburg
Lesedauer:
3 MIN

Das Eurocorps mit seinen fünf beteiligten Rahmennationen stellt 2021 und 2022 für die Europäischen Trainingsmissionen in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik jeweils für zwei Rotationen die Kommandeure und das Schlüsselpersonal. Oberstleutnant Marcel W. erklärt, welche Aufgabe er in Mali hat und wie er sich darauf vorbereitet.

Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch und schaut auf einen Monitor.

Wenn Oberstleutnant Marcel W. nicht im Einsatz ist, gehört er zur Logistikabteilung des multinationalen Stabes Eurocorps in Straßburg.

Bundeswehr/Bastian Koob

Herr Oberstleutnant, was ist Ihr Hauptaugenmerk bei der Vorbereitung auf Ihren Einsatz bei EUTMEuropean Union Training Mission Mali?

Oberstleutnant Marcel W.: Da ich bei EUTMEuropean Union Training Mission Mali als Strategic Advisor Logistic, also als logistischer Berater für die malischen Streitkräfte fungieren werde, verbessere ich meine französischen Sprachkenntnisse bei einem Intensivkurs. Die Amtssprache in Mali ist generell Französisch, natürlich auch in den Streitkräften, sodass die gesamte Beratung ebenfalls in Französisch stattfindet. Darüber hinaus habe ich meine militärische Vorbereitung auf den Einsatz bei einer einsatzvorbereitenden Ausbildung im Artilleriebataillon 131 in Weiden in der Oberpfalz absolviert. Die Ausbildung war auch aufgrund der Witterung und der Covid-19-Bedingungen fordernd. Die Ausbilder haben sich allerdings sehr viel Mühe gegeben, um uns bestmöglich auf den Einsatz vorzubereiten.

Jetzt schließen sich noch zwei Wochen Quarantäne an und es folgt Ende Februar die Verlegung in den Einsatz.

Für mich persönlich ist jedoch die Vorbereitung meiner Familie auf den Einsatz noch wichtiger. Neben den administrativen Aspekten, wie zum Beispiel Vollmachten, muss ich auch meinen Kindern den Einsatz erklären und begründen. Ich spreche mit ihnen über die Mission in Mali und sage ihnen, dass wir den Menschen dort helfen wollen. Meine beiden ältesten Kinder haben dies verstanden und bisher gehen sie mit der Situation gut um. Meine jüngste Tochter kann mit anderthalb Jahren das Geschehen natürlich noch nicht vollständig begreifen.

Vier Soldaten stehen am Waldrand unter Bäumen und debattieren, im Hintergrund verschneites Gelände.

Trotz der widrigen, maliuntypischen Bedingungen wird die Ausbildung von Oberstleutnant Marcel W. als Patrouillenführer noch einmal aufgefrischt.

Bundeswehr/Bastian Koob

Was wird genau Ihre Aufgabe in Mali sein?

Ich gehe nach Mali, um dort als Logistikberater auf der Ebene Streitkräfte/Verteidigungsministerium tätig zu sein. Das Thema Logistik ist in Mali eine beträchtliche Herausforderung. Faktoren wie beispielsweise die Infrastruktur, die Größe des Landes, die Ausstattung der Armee, die Verfügbarkeit von Ressourcen und ähnliches haben eine enorme Komplexität zur Folge. Dessen unbenommen muss alles, was wir dort beginnen, durchhaltefähig und mittelfristig durch die Malier selbst betrieben werden können. Erschwerend kommt selbstverständlich hinzu, dass die malischen Streitkräfte eine Armee im Kampf sind. Aufgrund der derzeitigen Sicherheitslage in Mali müssen sich die Soldaten tagtäglich mit dem Feind auseinandersetzen beziehungsweise ihn bekämpfen. Das bedeutet insbesondere in den Einsatzgebieten der Truppe muss die Logistik funktionieren und die Versorgung gewährleistet sein.

Mein erster Schritt vor Ort wird eine detaillierte Lagefeststellung sein, um zu bewerten, wo konkreter Handlungsbedarf vorliegt, bei dem wir mit unserer Erfahrung helfen und so zeitnah eine Verbesserung für die Soldaten im Feld erzielen können. Letztendlich hängt allerdings alles von den Offizieren der malischen Armee ab, wir können diese lediglich beraten und unterstützen.

Soldaten und ein Zivilist stehen neben zwei Fahrzeugen, die auf einer verschneiten Straße dicht hintereinander stehen.

Im Training werden die Soldaten unter Führung von Oberstleutnant Marcel W. vor verschiedene Probleme während ihrer Patrouille gestellt, die sie lösen müssen. In diesem Fall blockiert ein ziviles Fahrzeug den Weg des militärischen Geländewagens.

Bundeswehr/Bastian Koob

Das Eurocorps ist 2021 beauftragt, das Schlüsselpersonal für Mali zu stellen. Inwieweit hat dies Auswirkungen auf die Einsatzvorbereitung und den Einsatz selbst?

Für den eigentlichen Einsatz hat dies eine ganze Reihe von Vorteilen: Zunächst gehe ich mit Kameraden in den Einsatz, die ich bereits aus meinem täglichen Dienst beim Eurocorps kenne und auch schätze. Somit wird die normalerweise in jedem Einsatz stattfindende Kennenlernphase deutlich verkürzt. Zusätzlich sind einige Kameraden dabei, die bereits in Mali Einsatzerfahrung gesammelt haben und sich vor Ort sehr gut auskennen. Von diesen Erfahrungen kann ich für meine Aufgabe nur profitieren.

Der Einsatz in Mali gilt neben Afghanistan als einer der gefährlichsten für die Bundeswehr. Wie bereitet man sich und seine Familie darauf vor?

Zunächst einmal bin ich von unserer Ausbildung und ebenso von unserer Ausrüstung überzeugt. Für den Einsatz zähle ich auf diese sowie auf meine Kameraden. Des Weiteren habe ich als Christ eine gesunde Portion Gottvertrauen. Daher gehe ich gelassen und optimistisch in den anstehenden Einsatz.

Welchen Einfluss hat die derzeitige Pandemielage auf die Einsatzvorbereitung und den Einsatz?

Die Covid-19-Lage hatte und hat einen massiven Einfluss. Meine einsatzvorbereitende Ausbildung musste beispielsweise mehrfach verschoben werden und auch die Sprachausbildung wurde angepasst. Eine weitere signifikante Auswirkung ist die dem Einsatz vorgeschaltete zweiwöchige Quarantäne.

von Torsten Stephan

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