Heer

„Das ist keine Allerweltsbrigade“

„Das ist keine Allerweltsbrigade“

  • Infanterie
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Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
5 MIN

Seit März ist Brigadegeneral Ruprecht von Butler neuer Kommandeur der 10. Panzerdivision. Bei seinem Dienstantrittsbesuch am 14. April in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall erhielt der neue Divisionskommandeur ein umfassendes Bild von den Fähigkeiten und aktuellen Herausforderungen der Gebirgsjägerbrigade 23.

Zwei Soldaten stehen links und rechts neben einem mit Symbolen geschmückten Findling auf einer Wiese.

Brigadegeneral Ruprecht von Butler (l.), der neue Divisionskommandeur, wird vom Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall begrüßt.

Bundeswehr/Achim Kessler

Der Name der Division lässt es bereits vermuten: Das Markenzeichen der 10. Panzerdivision ist das Gefecht der verbundenen Waffen mit gepanzerten Kräften. Aber auch die Operationen im schwierigen Gelände, das heißt der Einsatz im Gebirge, in sehr kalten und sehr heißen Regionen, gehört zu ihrem Auftrag. Genau diese besondere Fähigkeit besitzen die Soldatinnen und Soldaten der unterstellten Gebirgsjägerbrigade 23. Bei seinem ersten Besuch als Divisionskommandeur möchte sich Brigadegeneral von Butler ein persönliches Bild von diesen besonderen Fähigkeiten machen. Bereits am Tor der Hochstaufen-Kaserne wird von Butler durch den Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Maik Keller, in Empfang genommen. Alle Themen, welche die Gebirgsjägerbrigade 23 betreffen, dazu gehören auch die für den Standort so wichtigen Infrastrukturmaßnahmen, sollen dem Divisionskommandeur an diesem Tag vorgestellt werden. Keller nutzt bereits den Weg zum anschließenden Führungsgespräch dazu, dem neuen Divisionskommandeur die baulichen Maßnahmen in der Hochstaufen-Kaserne zu erläutern.

Leistungsvermögen trotz Pandemie erhalten

Soldaten sitzen in einem Saal verteilt an Tischen und blicken auf eine Leinwand.

In einem Lagevortrag wird Brigadegeneral Ruprecht von Butler (r.) über die aktuellen Themen und Aufgaben der Brigade informiert.

Bundeswehr/Achim Kessler

In einem persönlichen Gespräch mit dem Brigadekommandeur und einem anschließenden Lagevortrag wird von Butler über die aktuellen Themen und Aufgaben der Brigade informiert. „Auch in einer Pandemielage muss die Funktionalität und das Leistungsvermögen der Gebirgstruppe erhalten bleiben, insbesondere unter dem Aspekt der permanenten Entsendung von Einsatzsoldaten nach Mali und dem Kernauftrag, die Kriegstauglichkeit im besonderen Fähigkeitsprofil der Gebirgsjägerbrigade 23 sicherzustellen“, sagt Keller. Hierzu sei ein beständiges Ausbilden und Üben erforderlich. Homeoffice-Lösungen widersprächen dabei der Lebensrealität der Truppe. Zum Schutz der Soldaten würden umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt, so der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23. Auch dieser Besuch unterliegt strengen Hygieneregeln, wie Abstand, Maskenpflicht und bei Programmpunkten in Innenräumen zusätzlich regelmäßige Frischluftzufuhr.

Im Galopp mit dem Vierbeiner

Mehrere Soldaten beladen in einer Kaserne ein Maultier mit Gepäck.

Hauptfeldwebel Marco Schneidenbach (hinten links) erklärt dem Divisionskommandeur, worauf es beim Beladen der Tiere ankommt.

Bundeswehr/Achim Kessler

Nach dem theoretischen Anteil folgt die Praxis. Die Chefin des Einsatz- und Ausbildungszentrums für Tragtierwesen, Oberfeldveterinärin Heike Henseler, erläutert dem Kommandeur der rund 22.000 Mann und Frau starken Division bei einem Rundgang die Struktur ihrer Dienststelle. Dort macht sich von Butler selbst ein Bild von der Haltung, Versorgung und Ausbildung der vierbeinigen Kameraden. Dabei sind es besonders die Tragtiere, die die Gebirgsjäger wortwörtlich entlasten. Ihre Fähigkeiten, die Kampfkompanien mit den nötigen Materialien im schwierigen Gelände zu versorgen, präsentieren die Soldatinnen und Soldaten des Tragtierzuges anhand einer beispielhaften Beladung der Maultiere. Die Tiere tragen unter anderem eine 29 Kilogramm schwere Granatmaschinenwaffe, das dazugehörige 15 Kilogramm wiegende Dreibein und zusätzlich noch Munition, die in separaten Behältern verpackt wird. Hauptfeldwebel Marco Schneidenbach ist Zugführer im Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230. Bei seinem Besuch zeigt er dem Divisionskommandeur, „dass es wichtig ist, die Lasten auf dem Tier gleichmäßig zu verteilen.“

Aber auch das militärische Reiten wird vorgestellt. Hierfür werden die ursprünglich aus Südtirol stammenden Haflinger eingesetzt. Nicht nur die Verbindung zu den Bergen eint die Gebirgsjäger und ihre Pferde, sondern auch ihre Trittsicherheit, Nervenstärke, Vielseitigkeit, Leistungsbereitschaft und Genügsamkeit. So werden die Haflinger unter anderem zur Erkundung, Aufklärung oder Überwachung von schwer zugänglichen Geländeabschnitten eingesetzt. „Ich halte das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen für eine unverzichtbare Fähigkeit, die wir innerhalb der Gebirgsjägerbrigade 23 benötigen. Ich bin beeindruckt, wie die Soldatinnen und Soldaten mit den Tieren umgehen“, resümiert von Butler.

Von einer zu 700 Pferdestärken

Soldaten fahren mit einem grün getarnten Radpanzer auf der Straße, es folgen Autos.

Der Divisionskommandeur fährt mit dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug Boxer zur nächsten Ausbildungsstation.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Anschließend geht es mit dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer, Richtung Klettergarten Karlstein. Das Radfahrzeug bietet für das Gebirgsjägerbataillon 231 einen hohen Zugewinn an Schutz, Wirkung und Führungsfähigkeit. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Gebirgsjägerbrigade 23 leistet das Bataillon einen wichtigen Beitrag im Zusammenwirken mit anderen mechanisierten Truppenteilen. Doch selbst der bärenstarke GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer gerät in schwierigem Gelände an seine Grenzen.

Das erlebt auch der Kommandeur der 10. Panzerdivision auf dem Weg zum Ausbildungsplatz in Karlstein. Dort erhält von Butler eine dynamische Vorführung zum besonderen Fähigkeitsprofil der Gebirgsjägerbrigade 23. Auf dem sehr engen und steilen Zufahrtsweg kommt dann das extrem geländegängige Fahrzeug BV 206 Hägglunds zum Einsatz. Mit diesem Transportfahrzeug ist der Hochgebirgsjägerzug des Gebirgsjägerbataillons 231 ausgestattet. Es ermöglicht Mobilität, egal ob im meterhohen Schnee oder auf sumpfigem Untergrund und ist somit für das Hochgebirge bestens geeignet. Aber auch für dieses geschützte Kettenfahrzeug gibt es Geländeabschnitte, die nicht zu überwinden sind, sodass von Butler nochmals auf ein kleineres geländegängigeres Fahrzeug umsteigt. Mit dem All Terrain Vehicle, kurz ATV, können sich Soldaten besonders schnell und flexibel an ihren Einsatzort im schwierigen Gelände bewegen. Für das ATV gibt es derzeit seitens der Gebirgsjägerbrigade 23 eine Beschaffungsinitiative. Bis diese Fähigkeitslücke geschlossen ist, muss auf zivile Anmietungen dieser kleinen Kraftfahrzeuge zurückgegriffen werden.

Dynamisch und leistungsstark

Ein Soldat hangelt sich an einem fest gespannten Seil über ein breiten Felsspalt.

Ein Gebirgsjäger begeht einen Seilsteg. Auch auf der anderen Seite der Schlucht muss die Rundumsicherung stehen.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Bei einer dynamischen Vorführung des Gebirgsjägerbataillons 231 im Ausbildungsgelände in der Nähe von Karlstein überzeugt sich der Divisionskommandeur von der professionellen Ausbildung sowie dem Leistungsvermögen der Gebirgsjäger. Zu Beginn dieser Vorführung wird eine militärische Operation in sehr schwierigem Gelände veranschaulicht. Dabei kommt klar heraus, dass der Kernauftrag, der Kampf in schwierigem bis extremem Gelände, in großen Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen, nicht nur eine konsequente Ausbildung erfordert. Auch hohes körperliches Leistungsvermögen, bergtechnisches Hintergrundwissen sowie hohe psychische Anforderungen an jeden einzelnen Soldaten zählen. Dies erfordert kontinuierliche Ausbildung und Übung, um den Kernauftrag, die Kriegstauglichkeit im besonderen Fähigkeitsprofil, zu erreichen.

Besonders in militärischen Einsätzen muss die Truppe autark, also unabhängig von zivilen Unterstützern, und durchhaltefähig operieren können. Auch hierfür benötigen die Gebirgsjäger bei Unfällen und Verwundung, sei es durch Kampf oder aufgrund von natürlichen Gefahren, fachliche Expertise, müssen also zur Bergrettung in der Lage sein.

Regionalausstellung „weltweit – heimatverbunden“

Zwei Soldaten stehen in einer Ausstellung in einem Raum vor einer Fotowand.

Oberst Peter Eichelsdörfer (r.), Stellvertreter des Brigadekommandeurs, führt Brigadegeneral Ruprecht von Butler durch die Regionalausstellung.

Bundeswehr/Achim Kessler

Zurück in der Hochstaufen-Kaserne erhält der Divisionskommandeur noch eine Führung durch die Regionalausstellung der Gebirgsjägerbrigade 23, die 2017 eröffnet worden war. Die Ausstellung beschreibt unter dem Motto „weltweit – heimatverbunden“ unter anderem konkrete Leistungen von Soldaten und zivilen Mitarbeitern in den Auslandseinsätzen der vergangenen 28 Jahre sowie bei den zahlreichen Katastrophenhilfen. Zudem gibt sie dem Thema „Tod und Verwundung im Einsatz“ einen ganz besonderen Raum.

Im November 1993 begann in Somalia im Rahmen einer UNUnited Nations-Operation der erste Auslandseinsatz der Bundeswehr außerhalb des NATO-Bündnisgebietes. Seither waren die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 an nahezu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr, in denen Heereskräfte involviert waren, beteiligt. Diese fast 30 Jahre lange Praxis schafft eine eigene Geschichte mit ihren eigenen Protagonisten und ist für die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 identitätsstiftend und verbindend. Darum werden in dieser Ausstellung auch zahlreiche ganz persönliche, emotionale Erlebnisse erzählt und dokumentiert. Die Ausstellung soll nach Umbaumaßnahmen auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auch der Divisionskommandeur zeigte sich sichtlich begeistert vom letzten Programmpunkt seines Dienstantrittsbesuchs. „Das ist keine Allerweltsbrigade. Sie besitzt spezielle Fähigkeiten, die wir in der Bundeswehr benötigen. Davon bin ich überzeugt“, resümierte der Divisionskommandeur am Ende seines Besuches.

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Zwei Soldaten laufen nebeneinander auf einer Straße.

Brigadegeneral Maik Keller (l.) erläutert dem Kommandeur der 10. Panzerdivision, Brigadegeneral Ruprecht von Butler, die geplanten und in Bau befindlichen Infrastrukturmaßnahmen am Standort.

Bundeswehr/Sarah Hofmann
Zwei hellbraune Pferde werden für einen Ausritt vorbereitet, auf einem Pferd sitzt ein Soldat.

Zwei Haflinger des Reitzuges werden exemplarisch für einen Erkundungsmarsch vorbereitet. Es sind Gebirgspferde, die besonders robust sind und zu den Ponyrassen gehören.

Bundeswehr/Sarah Hofmann
Zwei Soldaten beschlagen ein Pferd mit neuen Eisen, zwei weitere Soldaten schauen zu.

In der Hufschmiede wird dem Divisionskommandeur das Beschlagen eines Maultieres mit neuen Hufeisen gezeigt.

Bundeswehr/Achim Kessler
Ein Soldat auf einer Rettungstrage wird von seinen Kameraden an einem Felsen abgeseilt.

Der Hochgebirgsjägerzug stellt die planmäßige Bergrettung eines verwundeten Soldaten vor.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

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von Sarah Hofmann

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