Heer
Spezialkräfte

„Du brauchst Kraft, Ausdauer und Konzentration zugleich“

„Du brauchst Kraft, Ausdauer und Konzentration zugleich“

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Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
3 MIN

Sie stehen ungern im Rampenlicht, weil auch ihre Aufträge oder Missionen meist sehr speziell sind. Der Schritt vom Fallschirmjäger zum EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten ist ein ganz besonderer. „Ich wusste, dass ich nochmal alles geben muss und es nicht einfach wird, aber ich musste einfach. Es gab kein bestimmtes Ereignis, das den Wunsch auslöste, EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldat zu werden“, beschreibt Oberstabsgefreiter Maik*. Der 32-Jährige wirkt sportlich, durchtrainiert und abgeklärt – ein sehr zäher Soldat.

Mehrere Soldaten stürmen über eine Wiese.

Der Wille, sich durchzusetzen und den Auftrag schnell zu erfüllen, liegt ihnen im Blut. Sie sind Soldaten mit Erweiterter Grundbefähigung.

Bundeswehr/Marco Dorow

Soldat mit Erweiterter Grundbefähigung (EGBErweiterte Grundbefähigung) wird nicht jeder, aber grundsätzlich ist jeder von ihnen Fallschirmjäger und jeder kann ein EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten werden, sofern er das besondere Auswahlverfahren besteht. Das muss auch so sein, denn die EGBler müssen über das normale Maß hinaus Belastungen aushalten. „Bei vielen unserer Missionen oder Aufträge arbeiten wir eng mit den Kameraden des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr zusammen. Das ist ein starker Ansporn. Gleichzeitig werden aber auch keine Schwächen verziehen, geistig wie körperlich“, beschreibt der Oberstabsgefreite in einem sehr ruhigen Tonfall.

Dienen mit besonderem Background

Mit einer Waffe im Anschlag lehnt ein Soldat an einem Container und sichert in eine Richtung.

Ihre Missionen sind meist besonders. Geredet wird nicht viel. Konzentration ist wichtig, wenn die Fallschirmjäger zum Einsatz kommen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Ihre Gesichter und Namen geben diese Fallschirmjäger sehr ungern preis und überhaupt wirken sie äußerst bescheiden und sehr konzentriert, bei allem was sie tun. Ähnlich wie bei den Angehörigen der Spezialkräfte der Bundeswehr ist das Fitnesslevel ein ganz besonderes. „Sport und Fitness gehören bei uns zum Tagesdienst einfach dazu. Wobei sich Kraft und Ausdauer unbedingt die Waage halten müssen. Fast jede Trainingseinheit beschweren wir mit zusätzlichen Gewichten. Später im Einsatz mit Waffen und Ausrüstung kommen eh noch einmal locker 50 Kilogramm dazu. Den Typen, der nur eines der beiden Eigenschaften besonders gut draufhat, den brauchen wir hier nicht“, beschreibt Maik. In Missionen, etwa in urbanem, eng bebautem Raum, kämpfen sich diese Soldaten meist über mehrere Stockwerke vom Keller bis zum Dach vor. Der Kampf oder Einbruch über Leitern auf Dächer hinauf sei sehr kräftezehrend und verlange knallharten körperlichen Einsatz. „Wenn es durch Türen oder über Barrikaden geht, brauchst du die Kraft auf den Punkt. Dann weiter bis hinauf auf das Dach schaffst du es nur mit Ausdauer. Und schließlich weiß man ja nicht, was als nächstes kommt.“

Kein Spezialagent, sondern EGBler

Drei Soldaten mit Waffen im Anschlag dringen durch eine geöffnete Tür ein.

Sie müssen auch unter Stress professionell arbeiten und in Millisekunden zwischen Freund und Feind unterscheiden können.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Nochmals angesprochen auf das Auswahlverfahren und das Ziel dieser Prüfung, dem sich die zukünftigen EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten freiwillig unterziehen, berichtet der Oberstabsgefreite: „Es geht im Kern erst einmal nur um Belastung. Du musst alles geben, was du hast und dann am besten noch etwas mehr. Dazu kommt dann die geistige Anforderung. Wenn dein Körper fast am Ende ist, musst du geistig voll da sein.“ Bei all der Quälerei sei es wichtig, trotzdem rational und effektiv denkend im Team zu arbeiten, erklärt Maik den Spagat zwischen Fitness und professionellem Handwerk. „Wenn das, was wir machen, jeder könnte, na dann würde es ja auch jeder machen“, fügt er hinzu, ohne dass es irgendwie überheblich klingt. Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten, bei der sich diese einzigartige Leistungsfähigkeit der EGBler zeige, so der Soldat, sei schließlich der selektive Schuss.

Durch die Wand mit kühlem Kopf

Zwei Soldaten bauen eine Sprengladung zusammen.

Sie sind breit ausgebildet: Sie beherrschen verschiedene Waffen und Werkzeuge, können sprengen und funken, ja sogar in allen Klimazonen werden sie eingesetzt. Für das Öffnen der Fenster und Türen bauen sie ihre Sprengladungen selbst zusammen.

Bundeswehr/Marco Dorow

„Wir werden trainiert, in Millisekunden zu entscheiden. Schießen oder nicht schießen? Eigentlich bleibt keine Zeit zum Überlegen. Und doch wägen wir ab, ob wir es tun.“ Eine Entscheidung, die sich hinterher als falsch herausstellt, könnte einen ein Leben lang verfolgen. Auch das müsse einem voll bewusst sein, merkt er an. Die Ausbildung zum selektiven Schuss findet keine breite Anwendung in der Bundeswehr. Wenn EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten aber etwa Personen in einem gegnerischen Umfeld befreien sollen, kommt der selektive Waffeneinsatz zur Anwendung. „Für unsere Einsätze werden wir sehr breitgefächert ausgebildet“, so Maik. „Diese Ausbildung ist wichtig für uns. Jeder Einsatz ist anders, du musst dein Equipment jederzeit voll im Griff haben. Funktioniert etwas mal nicht, gefährdet das sofort das gesamte Team.“

Mit besonderen auf jeden Einsatz abgestimmten Sprengladungen etwa bereiten die Soldaten das Öffnen von Türen oder Fenstern vor. Auch sind die Soldaten ausgebildet in allen erdenklichen Klimazonen zu operieren, auch in der dritten Dimension, der Luft, agieren die EGBler mit ihren ganz eigenen taktischen Einsatzgrundsätzen. Getreu dem Motto: Egal wann, egal wo, egal wie – die Soldaten mit Erweiterter Grundbefähigung sind jederzeit einsatzbereit.

von René Hinz
Drei Soldaten laufen mit ihrem Gewehr bei Rauch an einem Gebäude vorbei.

EGBErweiterte Grundbefähigung: Spezialisierte Kräfte des Heeres

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